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Achtseitiger Deckelkasten aus dem Welfenschatz

Ident. Nr.: W 7

ObjID: obj:1839299

Details (Expert)

Datierung
14./15. Jahrhundert
Abmessungen
Objektmaß: 16,1 x 20,5 x 20,8 cm (mit Beschlägen)

Objektbeschreibung

Den mit Leder überzogenen achtseitigen Deckelkasten zieren aus dicht gesetzten Rundköpfen kleiner Bleinägel bestehende Ornamente. An sieben Seitenwänden erscheinen invers gebildete, sich nach unten umbiegende Lilienmotive, währen an der Vorderseite mit dem aufgesetzten Eisenschloss übereinander gestaffelt zwei Arkadenreihen erscheinen, die offenbar eine stark stilisierte Abbildung eines römischen Aquäduktes darstellen. Es wurde in Erwägung gezogen, dass es sich dabei um einen Hinweis auf die spanische Stadt Segovia handeln könnte, da in deren Wappen ebenfalls ein Aquädukt erscheint.
Auf dem flachen Deckel des Kastens bilden die Bleinagelköpfe ein kalligrafisches Flächenornament, das in Gestalt von unterschiedlich orientierten geometrischen Quadratkufi viermal den Namen des Propheten Mohammed wiederholt. Damit ist die Herkunft des achtseitigen Deckelkastens aus dem islamischen Bereich erwiesen. Wahrscheinlich ist er im 14. oder 15. Jahrhundert im hispano-arabischen Kulturraum entstanden. Wann der Kasten in den Schatz von St. Blasius in Braunschweig gelangte, ist unbekannt. Im Reliquienverzeichnis von 1482 ist er nicht zu identifizieren. LL

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth]MAKR