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Doppelschüssel (Deckel einer Wöchnerinnen-Terrine?)

Ident. Nr.: 1911,40

ObjID: obj:1887630

Details (Expert)

Datierung
Ausführung: 1520/25
Geografische Bezüge
Material / Technik
Abmessungen
Durchmesser: 24,4 cm
Höhe: 7 cm

Objektbeschreibung

"Dem tellerartigen Deckel ist oben als Griff ein Becher an einem kurzen Stiel aufgesetzt, und an der Unterseite ein gestufter Ring angefügt, der sich in die (verlorene) Terrine einpaßte. Die schwach konkave Oberseite zeigt einen Dekor 'a candeliere', der aus blauem Grund ausgespart ist: In der Mittelachse oben ein Fruchtständer, unten eine Maske; zu beiden Seiten je ein Pfau, der auf dem Kopf eines geflügelten Löwen steht, darunter je eine Tatze, die in ein gelapptes Blatt übergeht. Im Becher ein Schwan. Die Figuren sind mit zartblauen Schatten modelliert. Auf der Unterseite des Randes übereinanderliegende, gebuchtete und spitze Blätter in linearer Zeichnung; an der Außenseite des Ringes ein Perlstab-Ornament." // (Tjark Hausmann, Majolika, 1972, Kat. Nr. 151)

Letzte Aktualisierung: 12.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Rastender Herkules (Modellnummer 382)

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Herkules ist an seinen Attributen, der lorbeerblattumrankten Keule und dem Löwenfell, zu identifizieren. Er wendet den Kopf nach links und nimmt so gewissermaßen Kontakt auf zu seiner weiblichen Pendantfigur, "Venus im Muschelwagen". Im Bestand des Kunstgewerbemuseums sind beide Figuren, in jeweils unterschiedlichen Größen, als weiß glasierte (Herkules, Inv. Nr. DM 8) bzw. staffierte Versionen (Venus, Inv. Nr. O-1990,94) vorhanden.Bei der hier besprochenen Herkulesfigur handelt es sich um ein nur schrühgebranntes Exemplar, das vermutlich wegen der Brandrisse, v.a. am Sockel unterhalb des rechten Fußes, nicht in den Glasurbrand gegeben wurde. Abgesehen vom Scherben ist auch der geringe Größenunterschied zur glasierten Version von nur einem Zentimeter ein Indiz dafür, dass es sich nicht um das Tonmodell handelt, das bei einer Schwindung des Porzellans von 16-22 % größer sein müsste. An der detaillierten, fast überzeichneten Oberflächenmodellierung ist zu erkennen, dass der Entwerfer, Wilhelm Christian Meyer (1726-1786), die Verschleifung der Details durch die Glasur einkalkulierte. Wilhelm Christian war ambitionierter Bildhauer und Schüler seines Bruders Friedrich Elias Meyer (1723/24 - 1785). Letzterer war Modellmeister bei der KPM und holte seinen jüngeren Bruder 1766 an die Berliner Porzellanmanufaktur.Weiterführende Informationen sind zu finden in: Dorothee Heim, Die Berliner Porzellanplastik und ihre skulpturale Dimension 1751-1825. Der Sammlungsbestand des Kunstgewerbemuseums Staatliche Museen zu Berlin (=Bestandskatalog XXVI. des Kunstgewerbemuseums SMB), Berlin, Regensburg 2016, S. 307-309, Kat.Nr. 41; Claudia Kanowski, in: C.Kanowski / L. Lambacher: Tönerne Welten. Figürliche Keramik aus sechs Jahrhunderten. Eine Bestandsaufnahme im Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin, Sonderdruck aus: Keramos (2015/I), Heft 227, S. 24-27, Abb. S. 26.ClKa

Terrine in Form eines Kohlkopfs

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"Die in Gelb, Manganviolett und Grün bemalte Fayenceterrine lässt erst auf den zweiten Blick erkennen, dass sie als solche wirklich verwendbar ist: Sie besteht aus zwei Teilen, einem Korpus und einem Deckel. In größtmöglichem Naturalismus wurde ein Weißkohlkopf nachgebildet. Die einzelnen Blätter und Adern sind plastisch geformt. Den Deckelknauf bildet eine Frucht, wohl eine Eichel. Terrinen in Kohlkopfform oder auch als Wildschweinköpfe gestaltet, Pastetendosen in Form von Rebhühnern, Fasanen oder Kaninchen und Butterdosen in Melonenform finden sich auf den gedeckten Tafeln der Barock- und Rokokozeit in großer Vielfalt. Immer sind sie detailreich modelliert und täuschend echt bemalt. Da das exklusive Porzellan im 18. Jahrhundert noch den fürstlichen Auftraggebern vorbehalten war, stellte Fayence eine beliebte Alternative für weitere Kreise der Aristokratie und des betuchten Bürgertums dar.In ganz Europa orientierte man sich bei der gedeckten Tafel am französischen Vorbild, dem 'service à la française'. In Versailles sah das höfische Zeremoniell seit Ludwig XIV. eine Trennung zwischen der Tafel der Hauptgerichte aus symmetrisch angeordneten Terrinen und Platten und der figürlich gestalteten Desserttafel vor. Zum 'premier service' gehörten Ragouts, Pasteten und die 'Pot à oille', ein Eintopf aus in der Brühe gegartem Fleisch und Gemüse. Auch die Kohlkopfterrinen fanden hier ihre Aufstellung. Zugleich spiegelt sich in den illusionistisch gestalteten, tierförmigen Gefäßen die aufs Mittelalter zurückgehende Tradition der Schaugerichte wider.Die 1763 gegründete schlesische Fayencemanufaktur in Proskau nahm sich in der Anfangszeit Modelle der Straßburger Fayencemanufaktur zum Vorbild, zu deren charakteristischen Produkten auch Kohlkopfterrinen zählten." (Claudia Kanowski, in: Details! 100 Lieblingswerke im Kunstgewerbemuseum, Dresden, Berlin 2018, S. 139)Marke: P (Unterseite, in Mangan aufgemalt)ClKa

Bildnis Gustav Adolf von Schweden

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Eine der seltenen signierten und datierten Lederarbeiten. ("Servatius Cocus fecit 1632") Das Portrait wurde offenbar dem Gedenken des Schwedenkönigs gewidmet. Lorbeerkranz und -zweig verweisen ebenso auf Ruhm und Ehre des 1632 Gefallenen, wie ihn die Inschriften als "Restaurator Libertatis Germanica" preisen. Das Rahmenwerk um das Oval des Bildes ist in den typischen Ornamentformen des frühen 17. Jahrhunderts gehalten. Dem weichen Knorpelwerk sind Teile des schwedischen Wappens und Embleme für Krieg und Frieden einbezogen. Dieses Bildnis des Königs geht auf einen Kupferstich Willem Jacobsz van Delft zurück, in Leder wurde es von Servatius Kock ausgeführt, der als Kupferstecher in Leiden, später auch in Kopenhagen tätig war. Die nachträgliche sehr feine grafische Überarbeitung des gepreßten Bildes läßt die Handschrift des Stechers und Graveurs erkennen. Neben dem Berliner Bild sind weitere Exemplare in Mainz, Homburg, Stockholm, Göteborg und Gripsholm erhalten, die sich lediglich durch ihre farblichen Fassungen unterscheiden. Hier wurde das Gesicht naturalistisch mit Tempera und Öllasuren gemalt, während sich die umgebenden Partien - Gewand, Hintergrund und Rahmung - durch einen satten Goldton des gefärbten Lackes über der Silberschicht auszeichnen.Die Vervielfältigung dieses Bildnisses aus Leder - ehemals gewiss in noch größerer Anzahl vorhanden - ist der Popularität des verehrungswürdigen Herrschers und Feldherrn zuzuschreiben. Es wäre denkbar, dass das leichte und somit gut zu transportierende "Gemälde" besonders geeignet war, um auf den weiteren Unternehmungen des protestantischen Heeres mitgeführt zu werden.E. Mühlbächer, Europäische Lederarbeiten, Berlin 1988, Kat. Nr. 77

Konfektschale auf drei Schildhaltern mit Hirsch im Gehege aus dem Lüneburger Ratssilber

Konfektschale auf drei Schildhaltern mit Hirsch im Gehege aus dem Lüneburger Ratssilber

Fußgestell, Zinnenring (an der Schale) und Figuren gegossen. Fußgestell außen, Schilde, Schalenrand, Fond, Kranz, Sockelmitte mit Zaun und Hirsch vergoldet, der Hügel mit Resten grünen, transluziden Emails. Tragefiguren durch einen Zinnenring verbunden, der an eine Manschette gelötet ist. Auf dieser sitzt die Schale, gehalten von einem Zungenkranz. - Eine Frucht im aufgelegten Blattkranz der Schale und Geweih des Hirsches verloren.Das Gerät lehnt sich im Aufbau an die Evangelisten- und die Kirchenväterschale (Inv. Nr. 1874, 394 und 1874, 393) an. Die tragenden Schildhalter sind nach einem Modell gegossen. Im Fond der tiefen Schale getriebenes Geäst mit Blättern und Früchten (Feigen?). Im Zentrum ein Hügel mit liegendem Hirsch, umgeben von einem Flechtzaun mit überdachtem Tor und Vorhängeschloß. Aufgelegt ein Kranz aus Blättern und Früchten und vier Wappen.Eines der Wappen dürfte das des Besitzers sein, des Ratsherren Johannes junior von dem Lohe, der 1468 Sülfmeister und 1480 Kämmerer wurde (gest. 1482). Das zweite Wappen von dem Lohe verweist im Verein mit dem der Godenstede auf die Eltern, Johannes von dem Lohe (gest. 1471) und dessen erste Frau Gesche von Godenstede, das vierte Wappen ist das der Großmutter mütterlicherseits Tibbecke von Töbing, die seit 1466 Witwe war. Wie die Kämmereirechnungen verzeichnen, kam die Schale 1482 aus dem Nachlaß des Johannes von dem Lohe auf das Rathaus: "Hr. Johan vam lo 129m 9s hyrto noch syne beste suluere schale de quam vpp dat Radthus vnd wogh." Kurz wird sie im Inventar von 1555/56 erwähnt: "Ein grote sulueren schale her Johan van Loess."