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Gebetbuch des Phillip Kegel aus dem Pommerschen Kunstschrank

Ident. Nr.: P 1

ObjID: obj:1909485

Details (Expert)

Beteiligte
Herstellung: Justus Janson (Nachweiszeit 1613 - 1635),
Drucker*in
Herstellung: Gabriel Mehlführer (1581-nach Juli 1647),
Buchbinder*in
zugeschrieben: Matthias Walbaum (1554-1632),
Goldschmied*in
Datierung
1613 (Druck), vor 1617 (Einband)
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: Buchblock 9,7 x 6 x 2,7 cm
Höhe x Breite x Tiefe: Bucheinband 11 x 7 x 4,5 cm

Objektbeschreibung

Das Andachtsbuch ist in schwarzer Frakturschrift gedruckt, im Titel rote Hervorhebungen. Stilisierte Zangen- und Rankenfriese rahmen die Schriftseiten und den Holzschnitt in der Vorrede.
Der Samteinband trägt auf Vorder- und Rückendeckel gleichartigen Silberbeschlag: im Zentrum Kartusche mit Wappen von Pommern und Schleswig-Holstein, auf den Ecken geflügelte Engelsköpfe. Die beweglichen Riegel sind als weibliche Hermen ausgebildet, in ihren Schließenteilen wiederholen sich die Engelsköpfe der Eckbeschläge.
Titel: „Zwölff geistliche Andachten / Darinnen gar schöne trostreiche Gebet begriffen / Welches die rechte bewehrte heylsame Mittel / dadurch man ein gnädigen Gott / ein friedsames fröliches Gewissen / und endlich die Kron des ewigen Lebens erlangen und behalten kann. Jetzo aber von newen ubersehen / und mit noch mehr andern schönen Gebeten vermehret und gebessert / durch Philippum Kegelium, gewesenen Fürstlichen Lüneburgischen Praeceptorem. CUM PRIVILEGIO Leipzig / Gedruckt / in Verlegung Henning Grossen des Eltern / TIPIS GROSIANIS.“ 
Impressum am Ende des Textes: „Gedruckt zu Leipzig / durch Justum Jansonium / Im Jahr 1613.“
Widmung: „Dem Durchleuchtigsten / Großmächtigsten Fürsten und Herrn / Herrn CHRISTIAN, dem vierdten dieses Namens /zu Dennemarck / Norwegen / der Wenden und Gotten / etc.König / Hertzog zu Schleßwig / Holstein / Stormarn / und der Ditmarschen / Grafen zu Oldenburg und Delmenhorst / etc. meinem gnädigsten Herrn.“ Auf der nebenstehenden Seite Sinnspruch: Hin geht die Zeit / Her kömpt der Todt / O Mensch thue recht / und fürchte Gott.“

Lit.: Julius Lessing / Adolf Brüning: Der Pommersche Kunstschrank im Königlichen Kunstgewerbe-Museum, Berlin 1905, S. 39, Nr. P 1.
Barbara Mundt: Der Pommersche Kunstschrank des Augsburger Unternehmers Philipp Hainhofer für den gelehrten Herzog Philipp II. von Pommern, München 2009, S. 214f., Nr. P 1.

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Pokal mit Genien und Schraubfuß

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Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth]MAKR