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Dreiflammiger Leuchter mit Elfenbeinfigur, welche von Stängeln einer Silberdistel umschlungen wird

Ident. Nr.: 1900,634

ObjID: obj:1913440

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Égide Rombaux (19.01.1865–11.09.1942),
Bildhauer*in
Ausführung: Frans Hoosemans (1847 bis 1941),
Goldschmied*in
Datierung
1900
Geografische Bezüge
Brüssel,
Stadt
Abmessungen
Höhe x Breite: 36 x 24 cm
Länge x Breite: Sockel 16 x 11,5 cm

Objektbeschreibung

Den mystischen Naturbezug des Symbolismus, ähnlich wie bei Gallé (siehe Nr. 88), spiegelt auch dieses Werk des belgischen Jugendstils wider. Eine elfenbeinerne Frauengestalt wird umschlungen von den über sie hinauswachsenden Stengeln einer Silberdistel. In ihrer zurücklehnenden Haltung folgt sie dem bewegten, aufstrebenden Wuchs der Distel, wird fast zu einem Teil der Pflanze, während diese in der agressiv erscheinenden, sie fesselnden Umarmung etwas Animalisch-Lebendiges verkörpert. Mensch und Pflanze stehen in einem kreatürlichen Wechselspiel und verschmelzen trotz der stark kontrastierenden Materialien zu einer Einheit, werden zu Symbolen der sie verbindenden Lebenszyklen von Werden und Vergehen. Im Lichterspiel brennender, flackernder oder verlöschender Kerzen, die in den Distelköpfen gehalten werden, mag sich die symbolistisch-philosophische Dimension des Ästhetizismus vom Fin de siècle eindrücklich offenbart haben.
Barbara Warncke aus Kunstgewerbemuseum Berlin, Prestelführer, 1998, Kat. Nr. 90
MAKR

Letzte Aktualisierung: 25.11.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth]MAKR