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Trinkgefäß in Gestalt eines Schnabelschuhs mit Spott auf das Interim

Ident. Nr.: W-1967,32

ObjID: obj:2031546

Details (Expert)

Datierung
um 1550
Abmessungen
Länge x Breite x Höhe: 21,5 x 6 x 8,5 cm

Objektbeschreibung

Die heftige protestantische Propaganda gegen das sogenannte Interim, die am 15. Juni 1548 vom Augsburger Reichstag verabschiedete vorläufige Religionsordnung, fand nicht allein in Flugschriften und Druckgrafiken, den Leitmedien der Reformationszeit, eine weite Verbreitung. Wir begegnen ihr auffallend häufig auch an seriell hergestellten sowie an korporativ genutzten Trinkgefäßen.
Der lederne Schnabelschuh mit Silbermontierung und gebogener Schellenspitze diente ursprünglich als gegenständlich gestalteter ‚redender‘ Willkommpokal einer Schuhmacherzunft. Die überraschend zahlreich erhaltenen Beispiele dieses charakteristischen Typs zeigen, dass die altertümliche, aus dem 15. Jahrhundert stammende Form des Schnabelschuhs für derartige rituelle Trinkgefäße noch bis weit in das 17. Jahrhundert hinein in Gebrauch blieb. Die gravierte Inschrift PACKE DI O INTERIM am hier vorgestellten Exemplar verweist auf dessen Entstehung um 1550. Die Abbreviatur V ◦ D ◦ M ◦ I ◦ E steht für die protestantische Devise 'Verbum Domini Manet in Aeternum' (Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit, Jes 40,8; 1 Petr 1,25).
Lothar Lambacher

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Hirsch, Eichenkranz sowie Figürchen und Blätter im Schalengrund gegossen. Schalenrand gesondert gearbeitet. Fußrand und -zarge, Schalenrand, innerer Rand der Schalenbuckel, Reliefs des Fonds sowie Mittelteil mit Ausnahme des Hügels vergoldet. Hügel mit Resten grünen, transluziden Emails, Schale mit einer Art Bajonettverschluß am Fuß befestigt. Ein Schalenbuckel beschädigt.Schalenkörper in der Grundform und der Art des Dekors dem des vorhergehenden Stückes nahe verwandt, Wölbungen flacher, Umzäunung des Hügels abweichend, Hirsch wohl nach demselben Modell gegossen. Sechspassiger, breitrandiger und gebuckelter Fuß, Zarge mit durchbrochenen Vierpässen in Rauten. Gedrehter Schaft aus mehreren Reihen gegenläufig angeordneter und miteinander verschränkter Fischblasenbuckel. Schale durch 14 Halbbuckel gegliedert, Rand gekehlt und profiliert. Auf dem gepunzten Fond getriebenes, aus einem Stamm entspringendes Astwerk, darum herum aufgelegte Akanthuswedel, Hirsche, Hunde und ein Jäger mit Spieß und Jagdhorn. In gekehlten Stufen hochgewölbtes Mittelteil, bekrönt von einem liegenden Hirsch auf einem Hügel mit Flechtwerkzaun, Türchen und Vorhängeschloß. Auf den Stufen ein Distel- und ein von acht Rosetten gehaltener Eichenkranz.Die beiden am Zaun befestigten emaillierten Wappen gehören Cord Lange (gest. 1506) und seiner Frau Ghebeke Schomaker (gest. 1502). Die Stiftung an den Rat dürfte noch zu Lebzeiten des Bürgermeisters erfolgt sein. Sehr wahrscheinlich entstand das Stück in derselben Werkstatt wie Inv. Nr. 1874,395, gehört aber mit seinem gedrehten Schaft – in der ungefügen, quellenden Buckelung technisch offenbar noch nicht beherrscht – einer späteren stilistischen Phase an .