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Ikonostase

Ident. Nr.: 2/76

ObjID: obj:2299833

Details (Expert)

Datierung
1757
Material / Technik
Holz, gefasst
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 393,5 x 432 x 35 cm
Erwerbung
1976 von A. A. Bredius, Hernen-Bergharen, NL, erworben; vormals im Victoria and Albert Museum, London; 1967 versteigert bei Christie's

Objektbeschreibung

Als Ikonostase oder Templon bezeichnet man eine gemauerte oder aus Holz geschnitzte Trennwand zwischen dem Versammlungsraum der Gläubigen (Naos) und dem Altarraum (Bema) in einer orthodoxen Kirche. Ein Templon besteht aus mehreren „Etagen“, die nach einer festgelegten Ordnung mit Ikonen geschmückt sind, und bis zu drei Türen, die in in den Altarraum führen. Dieser darf während des Gottesdienstes nur von dem zelebrierenden Priester oder Bischof und den Diakonen (aber nie von Frauen!) betreten werden. Bekrönt wird ein Templon durch ein Kreuz mit der gemalten Darstellung des gekreuzigten Christus, meist flankiert von den trauernden Gestalten der Gottesmutter und des Jüngers Johannes. 

Der Aufbau des Templons im Bode-Museum ist charakteristisch für die Ikonostasen in kleineren griechischen und zypriotischen Kirchen des 17. bis 18. Jahrhunderts. Es ist aus Pinienholz reich geschnitzt und vergoldet und teilweise in Rot, Grün und Dunkelblau farbig gefasst. Das Templon besaß ursprünglich zwei Reihen von Ikonen, die jedoch nicht mehr erhalten sind oder deren Aufbewahrungsort unbekannt ist. Der untere Bereich gliedert sich in fünf Arkaden: Über einer Sockelzone aus Feldern mit ornamentalen Reliefs und einem breiten Zierfries darüber sind fünf große Öffnungen mit geschnitzten Dreipassbögen zu sehen, wobei der mittlere Bogen eine spätere Ergänzung ist. In den vier Öffnungen seitlich des mittleren Durchgangs waren ursprünglich Ikonen der Gottesmutter und von Christus sowie die Patronatsikone (die Ikone des/der Heiligen oder Festes, dem die Kirche geweiht war) und die Darstellung einer oder eines besonders verehrten Heiligen angebracht. Diese so genannte „Örtliche Reihe“ wird durch Halbsäulchen gegliedert, die ein Gesims und einen vorkragenden Aufbau mit zehn kleineren, rechteckigen Aussparungen unterhalb von Rundbogen tragen. Die Bögen sind mit radial angeordneten Blättern ausgefüllt., Die Aussparungen darunter boten Platz für die Ikonen der orthodoxen Kirchenfesttage oder eventuell der Deesis (Fürbittreihe). Obwohl die gerade Zahl der Öffnungen eher gegen eine Deesis mit der zentralen Ikone Christi zwischen der Gottesmutter und Johannes dem Täufer sprechen würde, kommen auf mehreren griechischen und zypriotischen Beispielen beide Alternativen – Festtagsreihe oder Deesis – vor. Höhere Ikonostasen weisen beide Reihen übereinander auf. Den oberen Abschluss des Templons bildet ein Gesims mit Girlanden sowie eine durchbrochen geschnitzte Ranke mit Blumen und zwei Drachen als Symbolen des überwundenen Bösen. Das bekrönende Kreuz ist nicht mehr vorhanden. Auf der Ranke sitzen zwei von ursprünglich fünf geschnitzten Vögeln (Tauben oder Adler) mit ausgebreiteten Flügeln, die in ihren Schnäbeln Ketten mit Öllampen zur Beleuchtung der Ikonen trugen.

Neben den vier mit floralen bzw. Tierreliefs verzierten Paneelen der Sockelzone, die durch Pilaster getrennt sind, befand sich in der großen Öffnung in der Mitte des Templons eine 176 x 84,5 cm große, ebenfalls vergoldete, zweiflüglige Königstür. Sie schließt oben mit einem Kielbogen ab, geschmückt mit durchbrochen geschnitzten Ranken und Blumen und einem bekrönenden Medaillon, das einen gemalten Cherub umschließt. Diese Königstür ist derzeit als Dauerleihgabe im Ikonenmuseum Frankfurt ausgestellt. Ihre sehr gut erhaltenen Malereien auf Goldgrund sind ein hervorragendes Beispiel für die zypriotische Ikonenmalerei des 18. Jahrhunderts. Im oberen Teil der Königstür ist – auf die beiden Flügel verteilt – die an dieser Stelle übliche Verkündigung an Maria durch den Erzengel Gabriel mit den begleitenden Gestalten des Propheten Jesaja und des Königs David dargestellt. Darunter sind in zwei Reihen in geschnitzten Rundbogenfeldern frontal stehende Heilige in halber Figur gemalt: in der oberen Reihe die Kirchenväter Basilios, Johannes Chrysostomos und Gregorios der Große sowie der hl. Nikolaus und darunter die Bischöfe Athanasios und Kyrillos von Alexandrien und die auf Zypern besonders verehrten Heiligen Spyridon und Lazaros. 

Die große Bedeutung des Templons für die Kunstgeschichte Zyperns liegt nicht nur in der hohen künstlerischen Qualität der Schnitzereien und Malereien, sondern auch darin, dass sowohl das Templon selbst als auch die Königstür datiert sind und die Namen der beteiligten Künstler und des Stifters aufweisen. Oberhalb der Sockelfelder verläuft über die gesamte Breite des Templons ein roter Streifen mit einer goldenen griechischen Inschrift, die den Stifter Priester Gabriel nennt, den amtierenden Bischof Makarios von Kytion (heute: Larnaka) und Nemesós (Lemessós/Limassol) sowie den Maler Nektários mit seinem Mitarbeiter Hadji Andronikos Karidis und seinen drei Schülern, dem Hierodiakon Leóntios, dem Mönch Philáretos sowie dem Mönch Philótheos. Das in dieser Inschrift genannte Datum 1762 dürfte sich auf die Fertigstellung des geschnitzten Templons mit seinen Ikonen beziehen. Da Nektários, Leóntios, Philáretos und Philótheos als Maler mehrerer weiterer Ikonen bekannt sind, könnte es sich bei Hadji Andronikos Karidis möglicherweise um den Schnitzer der Ikonostase handeln. Auch die Königstür besitzt auf einem gemalten Schrifttäfelchen neben der Gottesmutter der Verkündigung eine Inschrift, auf der die Namen des Stifters und des Philáretos als Maler wiederkehren und ein etwas früheres Datum genannt wird, nämlich 1757. Von Philáretos ist in der Heiligkreuzkirche in Pano Lévkara (Bezirk Larnaka) eine weitere Königstür mit demselben Aufbau und übereinstimmender Ikonographie erhalten, und auch das (viel größere) Templon dieser Kirche besitzt große Ähnlichkeit mit dem Berliner Beispiel. Victor H. Elbern, der ehemalige Leiter der Frühchristlich-Byzantinischen Sammlung in West-Berlin, zog eine weitere Königstür mit stilistisch verwandten Malereien und einer sehr ähnlich ausgeführten Inschrift als Vergleichsbeispiel heran, die ebenfalls den Mönch Leóntios und den Philáretos Hieromonachos erwähnt und die Jahreszahl 1778 aufweist. Diese Königstür, die sich damals im niederländischen Kunsthandel befand und später an das Kanazawa College of Art in Japan verkauft wurde, erwies sich als Raubkunst aus der Kirche Hagios Anastasios im türkisch besetzten Dorf Peristeronopigi und wurde schließlich 2021 an Zypern zurückgegeben.

Provenienz

Nach dem widerrechtlichen Einmarsch türkischer Truppen in den Norden Zyperns 1974 und der folgenden Besetzung dieser Gebiete wurden die griechischen Einwohner vertrieben und die orthodoxen Kirchen geplündert. Unzählige Ikonen sowie aus den Kirchenwänden herausgeschnittene Mosaiken und Fresken wurden illegal ins Ausland verbracht und verkauft. Dies ist jedoch nicht der Fall bei dem Berliner Templon, obwohl sein Ankauf durch die Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz im Jahr 1976 in den Niederlanden dies nahelegen könnte. Wie sich jedoch eindeutig nachweisen lässt, war das Templon bereits 1902 vom Victoria & Albert Museum in London über einen Händler von einem in London ansässigen Privatmann angekauft und danach im Museum ausgestellt worden. 1966 wurde es aus der Museumssammlung ausgeschieden und 1967 auf einer Auktion von Christies versteigert, da es nach der kriegsbedingten Auslagerung in schlechtem Zustand war und der Platz anderweitig benötigt wurde. Aus welcher Kirche in der Diözese von Larnaka und Limassol im Süden der von 1878 bis 1960 von den Briten besetzten Insel das Templon stammt und wie es nach London gelangte, ist bisher nicht bekannt.

Nach dem Ankauf durch die Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz wurden das Templon und die Königstür restauriert und einige Fehlstellen ergänzt. Seit 1979 bis zur Zusammenlegung der byzantinischen Sammlungen in Ost- und West-Berlin im Bode-Museum nach der Wiedervereinigung war das Templon in West-Berlin in der Frühchristlich-Byzantinischen Sammlung in Dahlem aufgestellt und wurde von dem Sammlungsleiter Victor H. Elbern eingehend publiziert. Nach der Wiedervereinigung wanderte es für Jahrzehnte ins Depot.

Dr. Eva Haustein-Bartsch, 2023


Weiterführende Literatur:

Literatur:

L. Bréhier, La sculpture et les arts mineurs byzantins, Paris 1936 (reprint 1973), S. 80f. und Taf. XLII

Victor H. Elbern, Das Ikonenkabinett der Frühchristlich-Byzantinischen Sammlung. Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz. Skulpturengalerie mit Frühchristlich-Byzantinischer Sammlung Berlin, Berlin 1979, Kat.-Nr. 2/3 auf S. 11–16, Abb. 2 und 3

Victor H. Elbern, Eine Ikonenmaler-Werkstatt des 18. Jahrhunderts auf Zypern, in: Ostkirchliche Studien 33 (1984), S. 121–135, Abb. 1 und 2

Victor H. Elbern, Ein Ikonostas des 18. Jahrhunderts aus Zypern und seine Künstler, in: Praktika B DieqnouV Kupriologikou Sunedriou 2: Mesaiwnikon tmhma Leukosia 1986, S. 601-607,




Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Heiliger Michael

Heiliger Michael

Auf einer flachen, unregelmäßig polygonalen Plinthe steht der Erzengel Michael aufrecht, fast säulenhaft gerade und stößt eine nur in ihrer mittleren Partie noch ursprüngliche Lanze in das Maul des samt Hals vollständig erneuerten Drachenkopfs. Während das linke Standbein mitsamt dem Fuß gänzlich unter dem Gewand verschwindet, ist das rechte Bein leicht nach außen gestellt, sodass sich das Knie durch den Stoff drückt. Somit wird der Tritt des rechten Fußes (Zehen erneuert) auf den Schwanz des Drachen betont, dessen Spitze sich um den Engel windet und in dessen Rücken wieder emporrankt. Abgesehen von diesen knappen Berührungen sind Erzengel und Drachen weitgehend separiert komponiert, Spannung durch Interaktion oder gar Dramatik fehlt. Zu unterlegen und geradezu wehrlos ist der relativ kleine Drachen mit kurzen Vogelkrallen und verkümmerten Flügeln mit schneckenartig eingerollten Spitzen. Das wird auch mit dem originalen Kopf kaum anders gewesen sein – zumal der breitschultrige Michael mit seinen ursprünglich höher und weiter ausgespannten Flügeln noch imposanter und kraftvoller gewirkt hat als mit den schematisch geraden und viel zu bescheidenen heutigen Flügeln des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Hinzu kommt die ehemals längere Lanze.Ruhig und überlegen wirken auch die Handgriffe, die der Erzengel zum tödlichen Stoß benötigt: Der Kraft ausübende rechte Arm ist knapp angewinkelt, der linke locker nach unten gelegt, um die Richtung des Stoßes zu lenken. Das Haupt ist nach rechts gewandt, der Lanze folgend, und leicht gesenkt. Gegenläufig zur Stoßrichtung sind die Falten des langen Mantels arrangiert, der von der rechten Schulter über den Körper gezogen und unter dem linken Arm eingeklemmt ist, sodass von dort aus strahlenförmige Bahnen nach links verlaufen. Im linken Halbprofil wirkt die Figur massig und wenig strukturiert, von rechts sind unbewegte und kleinteilige Faltenkaskaden hinter dem Drachen zu sehen. Auffällig sind die voluminöse Mantelschließe in Form eines Kleeblattkreuzes auf der Brust und die Schnürung des Wamses unmittelbar darunter. Die Schließe ist nicht waagerecht, sondern scheint durch Haltung und Lanzenstich des Engels verrutscht – eine der wenigen Andeutungen von Anstrengung.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)

Madonna mit Kind mit zwei Cherubinen

Madonna mit Kind mit zwei Cherubinen

Dieses äußerst fein gearbeitete Relief wurde von einem Künstler ausgeführt, der mit Donatello eng zusammenarbeitete und die Marmordekorationen für den Hof des Medici-Palastes in Florenz ausgeführt hat. Das Relief war wahrscheinlich über der Augenhöhe angebracht: Christus schaut nach unten und segnet mit seiner rechten Hand den fiktiven Betrachter dieser Szene. Der Cherub auf der rechten Seite ist eine moderne Ergänzung.Erworben 1842This extremely refined relief was made by a close collaborator of Donatello, who was also the author of the marble courtyard decorations for the Medici Palace in Florence. The relief was probably placed above eye level: Christ is looking downward, blessing with his right hand the fictive viewer of this scene. The cherub on the right side is a modern addition.--Follower of DonatelloMadonna and Child with two Cherubsca. 1440-60Marble44 x 32.5 x 8.5 cmBerlin, Staatliche Museen, Skulpturensammlung, Inv. SKS 57.Bode-Museum, storage.ProvenanceFlorence (before 1842); Berlin, Skulpturensammlung/Altes Museum (1842-1904); Berlin, Skulpturensammlung/Kaiser-Friedrich-Museum (1904-1939); Berlin, storage (1939-1945); Merkers, storage (1945); Wiesbaden, Central Collecting Point (1945-1956); West Berlin, Skulpturensammlung/Museum Dahlem (1956-1997); Berlin, storage (1997-2006); Berlin, Skulpturensammlung/Bode-Museum (since 2006).AcquisitionBought in Florence in 1842.ExhibitionsBotticelli. Bildnis, Mythos, Andacht, Frankfurt am Main, Städel Museum, 13 November 2009-28 February 2010.From Renaissance to Rococo. Four Centuries of European Drawing, Painting and Sculpture, Tokyo, The National Museum of Western Art, 13 June-17 September 2012 and Kyushu, Kyushu National Museum, 9 October-12 December 2012, cat. 1.BibliographyTieck 1844Frédéric Tieck, Musées Royaux. Notice des sculptures antiques, Berlin, Moeser and Kühn, 1844, p. 61 cat. 688a: school of Sansovino.Kunstblatt, 1846Kunstblatt, 1846, p. 245. (reference to be checked)Bode 1884Wilhelm Bode, “Die italienischen Skulpturen der Renaissance in den Königlichen Museen zu Berlin. III”, Jahrbuch der Königlich preußischen Kunstsammlungen, V, 1884, pp. 33-34: school of Donatello; same sculptor of the Lombardi monument in the Medici chapel of Santa Croce, Florence.Bode 1887Wilhelm Bode, Italienische Bildhauer der Renaissance. Studien zur Geschichte der italienischen Plastik und Malerei auf Grund der Bildwerke und Gemälde in den Königl. Museen zu Berlin, Berlin, W. Speemann, 1887, pp. 36-38: school of Donatello.Tschudi 1887Hugo von Tschudi, Donatello e la critica moderna, Turin et al., Fratelli Bocca, 1887 (1st ed.: Rivista storica Italiana, IV, n° 2, 1887), p. 33.Bode and Tschudi 1888Wilhelm Bode and Hugo von Tschudi, Beschreibung der Bildwerke der christlichen Epoche, Berlin, W. Spemann, 1888, p. 17 cat 44, pl. IV: school of Donatello, probably a pupil from Padua; same hand of the Lombardi relief in the Medici chapel in Santa Croce, Florence; of a Virgin and Child with five Angels in the Victoria and Albert Museum, London (Inv. 7624-1861); of a relief in the Jacquemart-André collection (Inv. 1810) and in the Bardini collection (stucco); of a round plaquette in the Musée du Louvre, Paris, and in the Hainauer collection, Berlin now in the Bode-Museum, see Inv. SKS 2847.Semrau 1891Max Semrau, Donatellos Kanzeln in S. Lorenzo. Ein Beitrag zur Geschichte der italienieschen Plastik im XV. Jahrhundert, Breslau, Schottlaender, 1891, p. 87 note 2: Giovanni da Pisa.Bode 1902Wilhelm Bode, Florentiner Bildhauer der Renaissance, Berlin, Bruno Cassirer, 1902, pp. 106, 107 fig. 107: follower of Donatello, close to the Judith in the Palazzo Vecchio, Florence, and to the pulpits of San Lorenzo, Florence.Meyer 1903Alfred Gotthold Meyer, Donatello, Bielefeld and Leipzig, Delhagen and Klafing, 1903, p. 118: Donatello.Schubring 1907Paul Schubring, Donatello. Des Meisters Werke in 277 Abbildungen, Stuttgart and Leipzig, Deutsche Verlags-Anstalt, 1907, pp. 157,162: school of Donatello.Venturi 1908Adolfo Venturi, Storia dell’arte italiana. VI. La scultura del Quattrocento, Milan, Ulrico Hoepli, 1908, pp. 455, 459 fig. 301: school of Donatello.Schottmüller 1913Frida Schottmüller, Die italienischen und spanischen Bildwerke der Renaissance und des Barocks in Marmor, Ton, Holz und Stuck, Berlin, Georg Reimer, 1913, p. 17 cat. 34: a section of the background on the right has been replaced in plaster in modern time; ancient frame, but not from the same period as the relief; characteristic of the studio of Donatello ca. 1435; related to two works mentioned by Schubring 1907, pp. 162, 166.Bode 1921Wilhelm Bode, Florentiner Bildhauer der Renaissance, Berlin, Bruno Cassirer, 1921, p. 101 fig. 56: workshop of Donatello.Wulff 1922Oskar Wulff, Donatello, Leipzig, E. A. Seemann, 1922, p. 14, fig. 31: pupil of Donatello.Schottmüller 1933Frida Schottmüller, Die italienischen und spanischen Bildwerke der Renaissance und des Barock. Erster Band. Die Bildwerke in Stein, Holz, Ton und Wachs, Zweite Auflage, Berlin and Leipzig, Walter de Gruyter & Co., 1933, p. 13: workshop of Donatello, ca. 1435; after a composition by Donatello; close to a Virgin and Child in a private collection, Paris, and to the Madona del Perdono in the Museo dell’Opera metropolitana, Siena.Nicco Fasola 1956Giusta Nicco Fasola, “Bassorilievi donatelleschi nel museo Calvet”, Critica d’arte, III (new series), n° 18, 1956, p. 559 and fig. 292: workshop of Donatello.Neri Lusanna 1986Enrica Neri Lusanna in eadem and Lucia Faedo (eds.), Il museo Bardini a Firenze. Volume secondo: le sculture, Milan, Electa, 1986, p. 254: perhaps the same pupil of Donatello as the author of the Madonna dei Cordai in the Museo Bardini, Florence.Gentilini 1993Giancarlo Gentilini in Luciano Bellosi (ed.), Francesco di Giorgio e il Rinascimento a Siena 1450-1500, exh. cat. (Siena, Chiesa di Sant’Agostino, 25 April-31 July 1993), Milan, Electa, 1993, p. 177 fig. 2, p. 181: collaborator of Donatello, author of one part of the Madonna del Perdono, of the tondi of the courtyard of the Medici palace, Florence, of the Madonna Lombardi in the Medici Chapel of Santa Croce, Florence, and the Madonna and Child with Angels in the Victoria and Albert Museum (deriving from Inv. SKS M 88); possibly Andrea dell’Aquila.Jolly 1998Anna Jolly, Madonnas by Donatello and his Circle, Frankfurt am Main et al., Peter Lang, 1998, p. 156: Paduan follower of Donatello, late 15th century; motif of the base similar to the plaquette of the Madonna with Candelabra in the National Gallery of Art, Washington DC.Katalog der Originalabgüsse… 2000Katalog der Originalabgüsse. Heft 6. Christliche Epochen. Spätantike. Byzanz. Italien. Freiplastik. Reliefs. Bronzestatuetten, Berlin, Staatliche Museen zu Berlin, 2000, cat. 2655: workshop of Donatello.Eclercy 2009Bastian Eclercy in Andreas Schumacher (ed.), Botticelli. Bildnis. Mythos. Andacht, exh. cat. (Frankfurt am Main, Städel Museum, 13 November 2009-28 February 2010), Frankfurt am Main, Städel Museum, 2009, pp. 266-267 cat. 44: workshop of Donatello; the closed eyes of the Child are a premonition of his death; spatial ambiguity of the left hand and the veil of the Virgin.Weppelmann 2012Stefan Weppelmann in From Renaissance to Rococo. Four Centuries of European Drawing, Painting and Sculpture, exh. cat. (Tokyo, The National Museum of Western Art, 13 June-17 September 2012 and Kyushu, Kyushu National Museum, 9 October-12 December 2012), Tokyo, National Museum of Western Art, 2012, pp. 46-47 cat. 1: workshop of Donatello, ca. 1460.CommentThe Virgin is holding her baby by the chest, with her eyes raised to heaven – indicating her awareness of Jesus’ future death on the Cross. He is seated on his mother’s thighs; he caresses with his left hand the wrist of the Virgin, while blessing with his right hand a beholder who was probably intended to view the work from below (the lowered eyelids of the Christ Child are not a sign of sleep, as argued by Eclercy 2009). The figures are set in an ornamented base, finely carved with heads of putti and decorative, palm-trees motifs; the background is also decorated with two cherubs (the right one is a modern addition after the one on the left, which is very abraded, as is the case with the Virgin’s right hand, and Christ’s nose and legs). Jesus is wrapped in swaddling clothes, but his legs and left shoulder are left naked.The relief was bought for the Berlin Museums by Gustav Waagen in 1842. First attributed to the school of Sansovino – a most implausible judgement – it was connected to the school of Donatello by Bode 1884, an attribution that is still valid today. The relationship with the works of Donatello is indeed very strong; from the pose of the Virgin, reminiscent of a composition present in Berlin, in a terracotta and a plaquette (see Inv. SKS 56 and Inv. SKS 1028), to her complicated headdress (similar to the Virgin and Child in the Musée du Louvre, Paris, Inv. RF 353; but also to Holophernes in the Judith and Holophernes in the Palazzo Vecchio, Florence) or to the Blessing Christ (see for instance the Virgin and Child with four Cherubs in Berlin, Inv. SKS 54). However, the handling of the marble has always prevented critics from seeing an original work by Donatello, whose conception of space is always more mastered and whose handling of the faces less caricatural.The work has been most often compared to the relief known as the Madonna del Perdono, now in the Museo dell’Opera metropolitana in Siena but coming from the Sienese Cathedral: besides the composition, there are close similarities between the reliefs, such as the posture of the right arm of the Virgin, the background with cherubs or the intended view from below. If the Madonna del Perdono is accepted as an autograph work by Donatello, some parts of the relief have probably been carved by an assistant. This is why art historians have sometimes thought that this assistant may be the autor of the Berlin Madonna (see especially Gentilini 1993). Bode and Tschudi 1888 had also suggested a common paternity with a Virgin and Child in the Lombardi monument in the sacristy of Santa Croce, Florence and with a Virgin and Child with five Angels in the Victoria and Albert Museum (inv. 7624-1861). Gentilini 1993 added to this group the tondi of the courtyard of the Medici palace in Florence, and the decoration of the organ tribune of the church of San Lorenzo, Florence (oral communication); he suggested that their author might have been Andrea dell’Aquila, who was a pupil of Donatello between 1435 and 1443.Neville Rowley (18 February 2016)

Würfelkapitell mit Palmetten- und Blattornament

Würfelkapitell mit Palmetten- und Blattornament

Das Kapitell ist aus der Grundform des Würfels entwickelt und an allen vier Seiten ausgearbeitet. An den vier Schildflächen erscheinen leicht alternierende vegetabile Ornamente im flachen Relief. Es stammt aus dem Benediktinerkloster auf dem Huy, ein in fränkischer Zeit militärisch genutzter Höhenrücken im nördlichen Harzvorland. Von Beginn an stand das Kloster unter dem Schutz der Halberstädter Bischöfe, Burchard I. hatte neben der Marienkapelle auch eine Pfalz errichtet. Die Klosterchronik des 12. Jahrhunderts erwähnt die Fertigstellung des „monasteriums“ noch in der Regierungszeit Abt Alfrieds. Der Kreuzgang, der noch stehende, zweigeschossig gewölbte Bau an der Westseite des Südflügels und möglicherweise auch Gebäude östlich der Kirche können erst nach 1150 fertiggestellt worden sein. Dieser späteren Phase gehört wohl auch das Kapitell an. Im südlichen Abschnitt des Ostflügels hat es noch einen Zweistützenraum mit den bekannten Basen gegeben, in dem dieses Kapitell aufgestellt gewesen sein könnte. Die Bildhauer, die im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts zum Ausbau der Huysburger Klausurgebäude herangezogen wurden, haben unter Verwendung des in Sachsen seit dem 11. Jahrhundert üblichen Würfelkapitells, aber auch der korinthischen Ordnung, vor allem durch die ausgeprägte Dreidimensionalität der Formen neue Maßstäbe in der Region gesetzt. Das ornamentale Kapitell ist eng mit der Bauskulptur des nördlichen Harzvorlandes verbunden und man kann davon ausgehen, dass die meisten der auf der Huysburg tätigen Bildhauer in sächsischen Werkstätten ausgebildet wurden und wohl auch an verschiedenen Baustellen der Region tätig waren.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Würfelkapitell mit Blattornamenten

Würfelkapitell mit Blattornamenten

Das Kapitell ist aus der Grundform des Würfels entwickelt und an allen vier Seiten ausgearbeitet. Aus einem mittig unter der Kämpferplatte hervorragenden Knopf wächst eine sich nach unten schildartig ausbreitende Palmette, deren oberer Rand nach vorn umgeschlagen ist. Es stammt aus dem Benediktinerkloster auf dem Huy, ein in fränkischer Zeit militärisch genutzter Höhenrücken im nördlichen Harzvorland. Von Beginn an stand das Kloster unter dem Schutz der Halberstädter Bischöfe, Burchard I. hatte neben der Marienkapelle auch eine Pfalz errichtet. Die Klosterchronik des 12. Jahrhunderts erwähnt die Fertigstellung des „monasteriums“ noch in der Regierungszeit Abt Alfrieds. Der Kreuzgang, der noch stehende, zweigeschossig gewölbte Bau an der Westseite des Südflügels und möglicherweise auch Gebäude östlich der Kirche können erst nach 1150 fertiggestellt worden sein. Dieser späteren Phase gehört wohl auch das Kapitell an. Im südlichen Abschnitt des Ostflügels hat es noch einen Zweistützenraum mit den bekannten Basen gegeben, in dem dieses Kapitell aufgestellt gewesen sein könnte. Die Bildhauer, die im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts zum Ausbau der Huysburger Klausurgebäude herangezogen wurden, haben unter Verwendung des in Sachsen seit dem 11. Jahrhundert üblichen Würfelkapitells, aber auch der korinthischen Ordnung, vor allem durch die ausgeprägte Dreidimensionalität der Formen neue Maßstäbe in der Region gesetzt. Das ornamentale Kapitell ist eng mit der Bauskulptur des nördlichen Harzvorlandes verbunden und man kann davon ausgehen, dass die meisten der auf der Huysburg tätigen Bildhauer in sächsischen Werkstätten ausgebildet wurden und wohl auch an verschiedenen Baustellen der Region tätig waren.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)