Logo

Schreibzeug mit plastischen Figuren

Ident. Nr.: 1879,585

ObjID: obj:2351647

Details (Expert)

Datierung
um 1475
Abmessungen
Höhe: 16 cm
Breite: 19 cm
Tiefe: 15 cm

Objektbeschreibung

Rechteckiger Sockel, dessen Deckplatte sich halbkugelig wölbt, darauf ein schmaler zentraler Schaft und ein kugelförmiger Behälter mit gerippter Wandung, vermutlich als Tintenbehälter (mit einem verlorengegangenen Einsatz) gedacht. Der Sockel ist hohl und diente der Aufnahme von Schreibgerät. Rückwärtig ist in die Deckplatte und die Wölbung eine große Öffnung mit passigem Umriss eingeschnitten, seitlich ein weiteres, kreisrundes Loch. An den vorderen Ecken des Sockels als plastische Dekorelemente ein Jüngling und ein Löwe. An den gegenüberliegenen Ecken jeweils ein konisches Element. Auf einem Schriftband, das plastisch um Schaft und Behälter geschlungen ist, ist in ausgeschabten Lettern folgende Devise zu lesen: „FA BENE“ (Tu' Gutes). Den ornamentalen Dekor bilden spiralig verlaufende Ranken mit ebenfalls ausgeschabten Blättern und Blumen. In die Löcher im Zentrum der Blumen wurden die Federkiele eingesteckt. In die ausgeschnittenen Fächer des hohlen Sockels konnte man Schreibutensilien legen. Die konischen Abschlüsse auf der Deckplatte dienten möglicherweise der Ablage von Federkielen und verhinderten, dass diese herunterfielen. Die Schauseite ist nicht dem Benutzer, sondern dem Besucher zugewandt, der auf der anderen Seite des Schreibtisches Platz nahm und so die Devise, den Jüngling und den Löwen sehen konnte.
Die Farbtöne sind in Braungelb, Grün und Dunkelbraun auf beige-weißlichem Grund gehalten. Das Innere ist mit dunkelbrauner Glasur überzogen. Bei dem Schreibzeug handelt es sich um eines der seltenen Beispiele für Sgrafitto-Keramiken mit plastischem Dekor. Die Sgrafitto-Technik besteht im Anguss mit Engobe (keine Zinnglasur), in die mit Stecheisen ein Liniendekor eingeritzt oder (seit Mitte des 15. Jahrhunderts) auch ganze Flächen herausgeschabt wurden. Durch zusätzliche Farben wird die Wirkung gesteigert. Eine Bleiglasur verleiht der Keramik einen weichen Oberflächenglanz.
Der Ursprung der Sgrafitto-Technik liegt vermutlich in China (Tang-Dynastie). Im 11./12. Jahrhundert gelangte sie in den Orient (zunächst Persien, dann Ägypten und Syrien). Über Venedig fand sie auch in Italien Verbreitung.
Das Schreibzeug geht auf eine Überweisung durch Wilhelm von Bode an das Kunstgewerbemuseum aus dem Jahr 1879 zurück; er hatte es zuvor in Venedig erworben.
Vgl. Kat. KGM 1972, Majolika (T.Hausmann), S. 59 f., Kat. Nr. 41
ClKa

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Pokal mit Genien und Schraubfuß

Pokal mit Genien und Schraubfuß

Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth]MAKR

Ausfall aus einer belagerten Stadt

Ausfall aus einer belagerten Stadt

Das kleine, von einem schmalen silbergelben Rahmen eingefasste Kabinettstück ist auf Nahsicht angelegt. Rechts im Bild erblickt man eine Stadt, die durch eine hohe Mauer und dicke wehrhafte Türme, einen Festungsgraben und einen niedrigen Wall geschützt ist. Von den Hausdächern wehen breite, gelbweiß gestreifte Fahnen, und links auf einer halbrunden Bastion zeigen dicke Rauchwolken, dass dort soeben zwei Feldschlangenabgeschossen wurden. Aus dem Stadttor rechts quillt ein breiter Strom von Fußsoldaten, bewaffnet mit Lanzen und Musketen, und strebt, angeführt von einem berittenen Offizier, den feindlichen Truppen am linken Bildrand entgegen, die sie freilich schon mit angelegten Gewehren erwarten. Während die ersten Söldner das Gefecht bereits eröffnet haben, sieht man im Hintergrund eine Kompanie Reiter mit erhobenem gelb-weiß gestreiftenBanner, die sich in gestrecktem Galopp der feindlichen Kavallerie entgegenwirft.Die Darstellung ist mit Sorgfalt gezeichnet, Stadtmauer, Dächer, Pferde und einzelne Kleidungsstücke sind in hellem Eisenrot, Rahmen und Fahnen in orangegelbem Ton, Bäume und Rasen in sehr lichtem Silbergelb koloriert. Ob die Scheibe als Einzelstück Verwendung fand, ist nicht gewiss, ihres schmalen Formats wegen mag sie auch als Oberbild etwa eines Wappens gedient haben.Anhaltspunkte für die Datierung bietet die Tracht der Soldaten, deren knielange Pluderhosen wie die von hohen Stoffhüten verdeckten Helme ab 1540/50 in Mode waren. Die Stadt weist eine vage Ähnlichkeit zu Nürnberg auf, doch lässt sich die Glasmalerei wegen ihres schmalen Formats mit keinem der dort erhaltenen Stücke vergleichen. Vielmehr erinnert die Schlachtenszene an typische Sujets in den Oberbildern der SchweizerScheiben, weshalb man annehmen möchte, dass sie von dorther stammt.CVMA 98776