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Teil des sogenannten Kirchenväter-Teppichs

Ident. Nr.: 1879,33 b

ObjID: obj:2388288

Details (Expert)

Datierung
um 1490
Abmessungen
Höhe x Breite: 148 x 338 cm

Objektbeschreibung

Durch ihre noch immer kräftige und harmonische Farbigkeit beeindruckt die größte der mittelalterlichen Bildwirkereien im Berliner Kunstgewerbemuseum, der sogenannte Kirchenväterteppich, auch den heutigen Betrachter. Vor üppig mit ornamenthaftem Blattwerk und zahlreichen darin verwobenen dekorativen Vogeldarstellungen gefüllten Hintergrund stehen auf gotischen Konsolen im paarweisen Disput begriffene Figuren, die von geschwungenen Spruchbändern umfangen werden. Die an farbig gefasste Skulpturen erinnernden, lebhaft gestikuliernden Männer sind über ihren Köpfen bezeichnet: Der hl. Augustinus, einer der vier Kirchenväter, die alttestametlichen Weisen Hiob und Salomo sowie die antiken stoischen Philosophen Cato und Seneca sind auf dem erhaltenen, der Kirchenvater Gregor der Große, der mittelalterliche deutsche Dichter Freidank, die alttestamentlichen Gestalten Elias und David sowie der Scholastiker Thomas von Aquino waren auf dem anderen - seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges verschollenen - Teilstück des Bildteppichs (Inv. Nr. 1879,33 a) dargestellt. 2013 hat das Metropolitan Museum New York zwei weitere, in Teilen der Darstellung identische Bildwirkereien erworben, die nach gleicher Vorlage entstanden sind (Acc. 2014.66 a,b).
Die paarweise Anordnung lässt darauf schließen, daß einst mindestens zwölf Figuren vorhanden gewesen sein müssen. Leonie von Wilckens rekonstruierte ein insgesamt sogar 16 Figuren umfassendes Bildprogramm. Sie vermutete, daß alle vier lateinischen Kirchenväter und analog dazu je vier Weise des Alten Testaments, vier Vertreter der antiken Philosophen und vier bedeutende Geister des Mittelalters dargestellt waren.
Die literarischen Quellen der meisten Texte in den Spruchbändern sind bislang nicht nachgewiesen. Einzelne Verse entstammen der um 1230 vollendeten "Bescheidenheit" (Lebensweisheit) des auf dem verschollenen Berliner Teilstück des Kirchenväter-Teppichs dargestellten Dichters Freidank, einem Werk, das im Spätmittelalter eine bemerkenswert intensive Rezeption erfuhr. "Freidanks Bescheidenheit" wurde 1508 durch Sebastian Brant in Straßburg in einer gedruckten Ausgabe verlegt, die bis 1583 in sieben Auflagen erschien. LL

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Große Kettenflasche mit Schraubdeckel und aufgelegtem stark plastischem Dekor. Die seitlichen Handhaben sind als Hundeköpfe ausgebildet. Auf der Vorderseite des Flaschenbauches sitzt das große brandenburgische Staatswappen, darüber, an der Kante zum eingezogenen Flaschenhals, der brandenburgische Kurhut. Pendent zur Kettenflasche Inv. Nr. S 508.Die Kettenflasche zählt zum Bestand des so genannten Großen Silberbuffets, welches sich bis zum Zweiten Weltkrieg im Berliner Schloss befand. Dabei handelt es sich um neun monumentale, aus Kannen und Becken bestehende Gießgarnituren, acht Kettenflaschen, zwei Kühlkessel, zwei Pastetenbüchsen sowie ein großes Handfass mit zugehöriger Wanne. Insgesamt umfasst das Buffet heute noch 33 prachtvolle vergoldete Silbergefäße, die überwiegend zwischen 1695 und 1698 auf Bestellung des Kurfürsten Friedrich III. in Augsburg, dem damaligen Zentrum der Goldschmiedekunst in Deutschland, hergestellt wurden.Das Ensemble war im Rittersaal des Berliner Schlosses als wandfester Teil der Innenarchitektur installiert: Während die Lavabogarnituren und die Kettenflaschen gegenüber dem Thron an der verspiegelten Wand angeordnet waren, standen die übrigen Gefäße in symmetrischer Anordnung auf einem Schanktisch davor. Das Große Silberbuffet war über Jahrhunderte gleichermaßen königliches Repräsentationsobjekt und Teil des brandenburgisch-preußischen Staatsschatzes. Von späteren Einschmelzungen blieb es auch deshalb nicht verschont. Der Schanktisch wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, die erhaltenen Gefäße sind heute in der Dependance des Kunstgewerbemuseums in Schloss Köpenick in einer der ursprünglichen Anordnung angenäherten Rekonstruktion wieder aufgebaut. LL

Konfektschale mit Hirsch im Gehege in Distel- und Eichenkranz aus dem Lüneburger Ratssilber

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Hirsch, Eichenkranz sowie Figürchen und Blätter im Schalengrund gegossen. Schalenrand gesondert gearbeitet. Fußrand und -zarge, Schalenrand, innerer Rand der Schalenbuckel, Reliefs des Fonds sowie Mittelteil mit Ausnahme des Hügels vergoldet. Hügel mit Resten grünen, transluziden Emails, Schale mit einer Art Bajonettverschluß am Fuß befestigt. Ein Schalenbuckel beschädigt.Schalenkörper in der Grundform und der Art des Dekors dem des vorhergehenden Stückes nahe verwandt, Wölbungen flacher, Umzäunung des Hügels abweichend, Hirsch wohl nach demselben Modell gegossen. Sechspassiger, breitrandiger und gebuckelter Fuß, Zarge mit durchbrochenen Vierpässen in Rauten. Gedrehter Schaft aus mehreren Reihen gegenläufig angeordneter und miteinander verschränkter Fischblasenbuckel. Schale durch 14 Halbbuckel gegliedert, Rand gekehlt und profiliert. Auf dem gepunzten Fond getriebenes, aus einem Stamm entspringendes Astwerk, darum herum aufgelegte Akanthuswedel, Hirsche, Hunde und ein Jäger mit Spieß und Jagdhorn. In gekehlten Stufen hochgewölbtes Mittelteil, bekrönt von einem liegenden Hirsch auf einem Hügel mit Flechtwerkzaun, Türchen und Vorhängeschloß. Auf den Stufen ein Distel- und ein von acht Rosetten gehaltener Eichenkranz.Die beiden am Zaun befestigten emaillierten Wappen gehören Cord Lange (gest. 1506) und seiner Frau Ghebeke Schomaker (gest. 1502). Die Stiftung an den Rat dürfte noch zu Lebzeiten des Bürgermeisters erfolgt sein. Sehr wahrscheinlich entstand das Stück in derselben Werkstatt wie Inv. Nr. 1874,395, gehört aber mit seinem gedrehten Schaft – in der ungefügen, quellenden Buckelung technisch offenbar noch nicht beherrscht – einer späteren stilistischen Phase an .