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Rotes Seidengewebe mit bizarrem Muster

Ident. Nr.: 1930,58

ObjID: obj:2390140

Details (Expert)

Datierung
um 1700
Abmessungen
Höhe x Breite: 173 x 52 cm

Objektbeschreibung

Am Ende des 17. Jahrhunderts entstanden in den Seidenmanufakturen Europas für eine kurze Zeit prächtige Seidengewebe mit ungewöhnlichen Mustern. Als „komisch, exzentrisch, fantastisch“ hat man sie zunächst bezeichnet, um sich dann im frühen 20. Jahrhundert auf den Terminus „bizarr“ zu einigen. Diese kostbaren Gewebe zählen zu dem Schönsten, was in europäischen Manufakturen produziert wurde und ihre enigmatischen Motive faszinieren noch heute den Betrachter.
Bizarr wirken auch die Muster dieser kräftig roten Seide mit ihren amöbenartigen Formen und gedoppelten Maiskolben. Virtuos wurden hierfür zwei unterschiedliche Metallfäden verwebt: vergoldet und glatt der eine, der andere versilbert über Friségarn und dadurch matter im Glanz. In hellblauer Seide wurde ein zartes Binnenmuster darüber gelegt, das bisweilen an Garnelenschwänze erinnert. Blatt- und Blütenranken schnellen pfeilartig aus den Formen empor, durchbohren kleine, sich verjüngende Ovale, durchschießen die nächste Frucht und neigen sich einer anderen zu. Diese seltsamen Gebilde stehen in prachtvollem Kontrast zu einem roten Grund mit gezacktem Gittermuster aus orange und rosa gestreiften Bändern. Darin finden sich kleine Ornamente, die gefassten Schmucksteinen ähneln. Stellenweise verbinden orange-rosa Bögen die parallel laufenden Bänder und verleihen dem zweidimensionalen Design eine dreidimensionale Wirkung. Kleine Rocaillen rahmen die Bänder.
1935 würdigte der Däne Vilhelm Slomanns (1885–1962), Direktor des Kopenhagener Kunstindustrimuseet von 1923 bis 1949, diese besonderen Gewebe erstmals in einer Ausstellung. Er zeigte damals elf Gewebe aus Berlin, von denen heute noch sieben erhalten sind. Auch das hier vorgestellte Gewebe zählte dazu und wurde von Slomanns zu den drei schönsten der Kopenhagener Ausstellung gerechnet. CW

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Fußschale mit eingeschmolzenen Glaskröseln

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Flache Schale aus Glas, das zwischen zwei farblosen Schichten eine Schicht opakblauer, opakroter und milchblauer Glaskrösel einschließt, der angeschmolzene Hohlfuß aus farblosem Glas, dessen Fußrand ist breit nach unten umgeschlagen, kräftiger Abriss, die Schalenfahne ist abgeflacht und der Mündungsrand verwärmt. Lediglich am Rand sind noch vereinzelt Reste einer ehemals vorhandenen Vergoldung erkennbar. Die Fußschale ist ein seltenes Beispiel der frühen Luxusglasproduktion in Brandenburg. Das Grüne Gewölbe in Dresden verwahrt einen Pokal aus der gleichen Glasmasse mit einer eingeschmolzenen Schicht aus farbigen Kröseln (Inv. Nr. IV 206; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, S. 7, 8; Taf. 1.1+3). Er ist mit der Jahreszahl 1602 versehen und ermöglicht so eine präzise Datierung auch der Schale. Robert Schmidt erwähnt in seinem Standardwerk "Brandenburgische Gläser" von 1914: "Solche marmorierte Schalen haben sich nun in mehreren Exemplaren erhalten, und zwar ein unbemaltes im Berliner Kunstgewerbemuseum, und zwei bemalte, ebenda (Tafel 1 Mitte) und im Fürstlich Hohenzollernschen Museum zu Sigmaringen." Letztere gelangte später in die Sammlung des Museums für Kunsthandwerk in Frankfurt a. M. (Ohm, Europäisches und außereuropäisches Glas, 1989, Kat. 342, S. 152). Ein weiteres Pendant soll sich – so Schmidt – in der Sammlung Minutoli befunden haben und aus der Berliner Schlosskellerei stammen (ebenda, S. 8). Tatsächlich ist diese identisch mit der hier beschriebenen Schale. Das Kunstgewerbemuseum bekam sie 1873 überwiesen, nachdem sie das Königliche Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten 1869 erworben hatte. Schmidt bildete die bemalte Berliner Schale ab (Inv.-Nr. 1893,65; Kriegsverlust; ebenda 1914, S. 7, 8; Taf. 1.2). Im Zentrum trug sie das brandenburgische Wappen mit preußischem Herzschild "in Gold und kalten Lackfarben", so der Begleittext. Gut erkennbar auf der Schwarz-Weiß-Abbildung ist der Randfries aus "Ovalfeldern mit goldenen Blüten auf abwechselnd rotem und grünem Grund". Da die hier beschriebene Schale eine abweichende Anordnung der Krösel aufweist, muss sie die von Schmidt als "unbemaltes" Exemplar bezeichnete sein. Da die zarten Spuren der Vergoldung am Schalenrand lediglich bei genauem Hinsehen erkennbar sind, hat er sie übersehen. Bereits der Inventareintrag der Minutoli-Schale erwähnt keine Veredelung – deren Verlust datiert demnach bereits vor 1869. Das Verfahren der eingeschmolzenen Krösel, das zu der attraktiven Marmorierung führt, wurde von Muraneser Glashütten entwickelt. Ebenfalls die Schalenform ist mit und ohne Kaltbemalung und Vergoldung seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts für venezianische Gläser dokumentiert (Theuerkauff-Liederwald, Venezianisches Glas, 1994, Kat. 42–45, 52, 62). Verantwortlich für diese raffinierten Techniken in Grimnitz waren Glasmacher aus dem böhmischen Kreibitz unter der Leitung von Martin Friedrich (Mock, Glashütten Grimnitz, 2021; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, S. 1–8). Ein Verzeichnis der Glashütte vom 5. Juni 1602 listet unter zahlreichen anderen exklusiven Waren "27 gemarmoliertte schalenn" (Schmidt, S. 5). [Manuela Krüger/Verena Wasmuth]MAKR