Logo

Strahlenkranzmadonna mit Stifterfamilie

Ident. Nr.: AE 468

ObjID: obj:2433970

Details (Expert)

Datierung
1540
Geografische Bezüge
Material / Technik
Glas, farblos; Schwarzlot, Silbergelb
Abmessungen
Durchmesser: 26,4 cm

Objektbeschreibung

Zu Seiten der Strahlenkranzmadonna knien die männlichen und weiblichen Mitglieder einer Stifterfamilie, bezeichnet durch ihre Wappen. Die Madonna steht nach rechts gewandt auf einer schmalen Mondsichel und ist von einem mandelförmigen Strahlenkranz umgeben, der von einem Streifen kugeliger Wolken hinterfangen wird. Maria trägt das Jesuskind auf dem linken Arm, hält es mit der Linken eng an sich gedrückt und führt in der Rechten ein langes Szepter, das in einer Blüte endet. Auf diese herrscherliche Insignie sind Marias Krone und die Weltkugel in der Rechten des Kindes zu beziehen, besonders weil es seine Linke in Richtung des Szepters gestreckt hat. Während das Kind bis auf ein Tuch um den Unterleib nackt ist, ist Maria in ein eng anliegendes Kleid mit weiten Ärmeln sowie einen faltenreichen, bortenverzierten Mantel gekleidet; die gelockten
Haare fallen ihr links lang herab. Gottesmutter und Kind tragen beide einen Nimbus. Der Kranz aus Strahlen und das umgebende Wolkenband charakterisieren Mutter und Kind als himmlische Erscheinung, dies auch, weil sie doppelt so groß wie die Stifter dargestellt sind. Links knien mit anbetend erhobenen Händen der Vater und drei Söhne. Der vorne befindliche Vater trägt über einem angedeuteten Hemd und einem am Kragen
offenen Obergewand eine schwarze, pelzgefütterte Schaube mit langen Ärmeln; sein Haar ist zur Kolbe geschnitten. Der vorne und der hinten kniende Sohn sind nach Gewand und Frisur weltliche Personen, der zwischen ihnen kniende Bruder nach Tonsur und Habit ein Mönch. Vater und Söhnen gegenüber knien, ebenfalls der Madonna zugewandt, die Mutter und eine Tochter. Während die Mutter mit hoch geschlossenem Hemd,
weitem Mantel und Haube mit rückwärts herabhängendem Schleier als verheiratete Frau gekleidet ist, deuten Kleid und Haartracht der Tochter auf ihren vermutlich ledigen Stand.
Vor den Eltern befindet sich jeweils ein tartschenähnlicher Wappenschild. Das Wappen beim Vater zeigt vor hellem Hintergrund auf schräglinkem, schwarzem Balken drei bezungte, goldene Löwenköpfe; dies ist das Wappen der Familie Helman. Das Wappen bei der Mutter zeigt einen heraldisch nach rechts geneigten Stab mit einem geknoteten Band; es konnte bisher nicht identifiziert werden. Über den Stiftern öffnen sich Blicke in eine weite Landschaft. Auf der Seite von Vater und Söhnen sind ein vom linken Bildrand überschnittener Baum, ein Weg, der auf eine Stadt hinführt, hinter der ein mit Büschen bewachsener Berg zu sehen ist. Auf der Seite von Mutter und Tochter sind in einer mit kleinen Erhebungen rhythmisierten Landschaft vorne der Stamm eines Baumes, links am Rand Stamm und Krone eines weiteren Baumes und vor dem Horizont ein von einer Mauer
umgebenes, einzelnes Gebäude (Kirche?) und dahinter ein kleiner Wald zu sehen.
Auf dem unteren Teil des Himmels findet sich die zweigeteilte Jahreszahl, links 15 und rechts 40. Die aus 15 Worten bestehende, umlaufende Inschrift, die oben mit einem Initial beginnt, ist wegen des weit in sie hereinreichenden Umbleis nicht zu lesen.
CVMA 98719

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Pokal mit Genien und Schraubfuß

Pokal mit Genien und Schraubfuß

Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth]MAKR

Ausfall aus einer belagerten Stadt

Ausfall aus einer belagerten Stadt

Das kleine, von einem schmalen silbergelben Rahmen eingefasste Kabinettstück ist auf Nahsicht angelegt. Rechts im Bild erblickt man eine Stadt, die durch eine hohe Mauer und dicke wehrhafte Türme, einen Festungsgraben und einen niedrigen Wall geschützt ist. Von den Hausdächern wehen breite, gelbweiß gestreifte Fahnen, und links auf einer halbrunden Bastion zeigen dicke Rauchwolken, dass dort soeben zwei Feldschlangenabgeschossen wurden. Aus dem Stadttor rechts quillt ein breiter Strom von Fußsoldaten, bewaffnet mit Lanzen und Musketen, und strebt, angeführt von einem berittenen Offizier, den feindlichen Truppen am linken Bildrand entgegen, die sie freilich schon mit angelegten Gewehren erwarten. Während die ersten Söldner das Gefecht bereits eröffnet haben, sieht man im Hintergrund eine Kompanie Reiter mit erhobenem gelb-weiß gestreiftenBanner, die sich in gestrecktem Galopp der feindlichen Kavallerie entgegenwirft.Die Darstellung ist mit Sorgfalt gezeichnet, Stadtmauer, Dächer, Pferde und einzelne Kleidungsstücke sind in hellem Eisenrot, Rahmen und Fahnen in orangegelbem Ton, Bäume und Rasen in sehr lichtem Silbergelb koloriert. Ob die Scheibe als Einzelstück Verwendung fand, ist nicht gewiss, ihres schmalen Formats wegen mag sie auch als Oberbild etwa eines Wappens gedient haben.Anhaltspunkte für die Datierung bietet die Tracht der Soldaten, deren knielange Pluderhosen wie die von hohen Stoffhüten verdeckten Helme ab 1540/50 in Mode waren. Die Stadt weist eine vage Ähnlichkeit zu Nürnberg auf, doch lässt sich die Glasmalerei wegen ihres schmalen Formats mit keinem der dort erhaltenen Stücke vergleichen. Vielmehr erinnert die Schlachtenszene an typische Sujets in den Oberbildern der SchweizerScheiben, weshalb man annehmen möchte, dass sie von dorther stammt.CVMA 98776