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Le Chasseur

Ident. Nr.: B UHP 96/13

ObjID: obj:2457911

Credit: Schenkung Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch an das Land Berlin 2010
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
André Masson (1896 - 1987),
Künstler*in
Datierung
Herstellung: 1927
Systematik/Art
Weitere Titel
Le Chasseur
Der Jäger
Übersetzung: The Hunter
Provenienz
Kauf: Galerie Simon,
1927-spätestens 1938
Kauf (?): Alphonse Kann, Saint-Germain-en-Laye,
spätestens 1938-1940
Beschlagnahmung: Beschlagnahme durch den Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg,
1940
Restitution: Restitution an Alphonse Kann, London,
1947
Kauf (?): Galerie Louise Leiris,
ab frühestens 1947
Kauf: Galerie Krugier & Cie.,
spätestens 1964-mindestens 1970
Erwerbungsart ungeklärt: Frank Kolodny,
spätestens ab 1976
Kauf (?): vermutlich Galleria Paolo Spovieri,
ohne Datum
Kauf (?): vermutlich Richard Feigen Gallery,
ohne Datum
Kauf (?): Galerie Rudolf Zwirner, Köln,
bis vermutlich 1982
Kauf: Ulla und Heiner Pietzsch,
vermutlich 1982-2010
Material / Technik
Sand und Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 41 x 16,6 cm
Rahmenmaß: 63 x 38,5 x 7,5 cm
Erwerbung
2010 Schenkung Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch an das Land Berlin

Objektbeschreibung

Neben der „automatischen Zeichnung“ hatten die Surrealisten weitere Techniken entwickelt, um die bewussten Anteile der Bildfindung zurückzudrängen, wie die Collage, die Frottage (Max Ernst), die Verwendung realer Dinge und unüblicher Materialien. Auch Sand, pur oder mit Farbe vermischt, betont den Materialcharakter der Bildzeichen und bringt diesen gewissermaßen gegen ihre Bedeutungsfunktion in Stellung. Der „Jäger“ wirkt archaisch und erinnert an prähistorische Felsmalereien. Zugleich lässt die gepunktete Konstellation oben rechts an die Plejaden denken, womit der Jäger als Orion charakterisiert wäre, der laut Mythos nach seinem Tod als Sternbild den Großen und den Kleinen Bären das Jahr über um den Himmelspol jagt. Der Jäger wird in Massons Sandbild aber nicht als Figur des klassisch-antiken Pantheons dargestellt, sondern als mythische Gestalt gibt er Anlass zur Verkörperung des Begehrens im Bild. Die Blutspur verläuft als eine Art Ariadnefaden im Lebens-Labyrinth quer durch die Darstellung vom Beutetier oben rechts bis zu den Füßen des selbst wie zerstückt erscheinenden Jägers unten links und ist insofern eng verwandt mit dem fadenhaft gezeichneten Torso in „Die Tücher“ (B UHP 94/13). In einem anderen Sandbild verschmelzen Jäger und Beute ganz („Personnage animal“, WVZ Ades/Masson 2010, 1927*21). Der dunkle Aspekt des „Dionysischen“ (Friedrich Nietzsche) nimmt breiten Raum im Werk Massons ein, wie Bildtitel wie „Trophäe“ und „Beute“, zahlreiche Kampfszenen zwischen Pferden, Vögeln und Fischen, Schlachthausszenen sowie die Gruppe der „Massaker“ (vgl. B UHP 97/13) zeigen. | Kyllikki Zacharias

Letzte Aktualisierung: 04.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Sturz

Sturz

Rainer entwickelte in den 1950er-Jahren seine charakteristischen Übermalungen, die ihn international bekannt machten. Zunächst übermalte er eigene Gemälde, später auch Werke anderer Künstler*innen. Diese zerstörerische Schöpfungsform, die sich, wie er sagte, „aus der Anhäufung von 20.000 Durchstreichungsgesten“ ergab, verstand Rainer als einen Akt der Vervollkommnung. Durch das Überdecken vermeintlich schwacher Stellen strebte er danach, das Kunstwerk zu einer höheren Ausdrucksform zu führen. Gleichzeitig sah er damit den Endpunkt der Tafelmalerei erreicht. Die Schritte, die ihn zu dieser Form führten, beschrieb er 1969 folgendermaßen: „1949 entdeckte ich für mich die Anfüllung, 1950 die Überfülle, 1951 die Zerkleinerung und permanente Überarbeitung, 1954 die Übermalung. Die ewige Empfindung des Fragmentarischen, Halben, Unfertigen, die ich gegenüber meiner Arbeit habe, war der Motor für alle meine neuen Schritte.“ (Rainer, in: Arnulf Rainer. „Aller Anfang ist schwer“, Ausst.-Kat. Arnulf Rainer Museum, Baden bei Wien 2009, S. 28). Zu den frühen Übermalungen zählt das Werk „Sturz“. Die Bildfläche ist von einem intensiven Rot bedeckt, die ursprüngliche Zeichnung ist nur noch schemenhaft durch das dichte Geflecht einander überlagernder Linien erkennbar. Die Verwendung einer Farbe in diesem dicht strukturierten, abstrakten Werk steht im Kontrast zu den häufig schwarzen Übermalungen dieser Schaffensphase. Auffällig sind zahlreiche, bewusst belassene Flecken und Fingerabdrücke, die auf den dynamischen, meist affektgetriebenen Malprozess verweisen. | Catherine Nichols

Interieur (Krankes Mädchen)
Verso: Knabenporträt

Interieur (Krankes Mädchen) Verso: Knabenporträt

Die kleine Ansicht eines Interieurs ist vor dem eigentlichen Werk Nerlichs entstanden. Bis 1917 hatte dieser Architektur und Kunsterziehung an der Kunstakademie in Breslau studiert. Ab 1920 war er als Zeichenlehrer tätig. 1946 konnte Nerlich Schlesien in dem Sonderzug der Sowjetischen Militäradministration, in dem Gerhart Hauptmanns Leichnam nach Deutschland überführt wurde, verlassen. 1948 erhielt der Künstler die Professur für Malerei und Grafik der Architekturabteilung an der Technischen Hochschule Dresden (seit 1961 TU Dresden). Das Motiv des Krankenzimmers war in der Kunst um 1900 stark verbreitet. Im Gegensatz aber zu Edvard Munch mit seinen zahlreichen Versionen des Bildes „Krankes Kind“ wollte Nerlich keine psychische Situation erfassen: Er hat das Motiv in gestrichelter, Person und Gegenstände verunklärender Malweise als Farbstudie wiedergegeben: braun, grün und weiß in gedämpfter Tonigkeit. In seinen Anfangsjahren hatte Nerlich die Stillleben von Carl Schuch bewundert, der sich bei vergleichbar lockerem Bildaufbau häufig ebenfalls weniger vom Motiv als von Farbzusammenstellungen anregen ließ. Die Rückseite der Leinwand zeigt in frontaler Ansicht das blasse Gesicht eines kleinen Jungen über der hochgeschlossenen Jacke unter einer braunen Pelzmütze. Nerlich, der mit Architektur- und Industrieansichten, auch Landschaftsbildern bekannt wurde, hat das kleine, so andere Gemälde, das wenig nach seiner Studienzeit entstanden war, in die Ausstellungen zum 80. und 85. Geburtstag aufgenommen. Aus seinem Nachlass gelangte es in die Nationalgalerie. | Angelika Wesenberg

Roter Turm

Roter Turm

Lattner, der 1896 in Anklam geboren worden war, beendete, nach traumatisierenden Kriegserlebnissen, seine Ausbildung als Meisterschüler des Bildhauers Richard Luksch an der Kunstgewerbeschule in Hamburg. Um 1920 kehrte er nach Anklam zurück und betätigte sich fortan vorwiegend als Maler. 1926 wurde er trotz seiner modernen Kunstauffassung in den Vorstand des eher konservativen Pommerschen Künstlerbundes gewählt. Vielfach dienten Lattner die Kirchen und das Panorama der Stadt Anklam sowie das Ufer der Peene mit den Schiffen und Segelbooten als Anregung zu seinen Bildern. In den oft geometrisch-überscharfen Formen der wiedergegebenen Motive scheint der Einfluss seines Lehrers fortzuwirken. Im Mittelpunkt dieses Gemäldes steht der mächtige, hier betont backsteinrote Westturm der Anklamer Marienkirche aus dem 14. Jahrhundert. Das mächtige Bauwerk, vom Stolz und Reichtum der Hansestadt zeugend, wurde seit dem 18. Jahrhundert von einem hohen Spitzhelm bekrönt. Nach der Zerstörung 1943 ist er heute durch ein schlichtes Satteldach ersetzt. Zum unteren Teil des gemalten Turms leiten die spitzwinkligen Giebel zweier Bürgerhäuser hin. Doch der Blick wird nicht in die Raumtiefe, sondern steil in die Höhe gelenkt. Der unten die gesamte Breite des Bildes einnehmende Turm verjüngt sich perspektivisch stark, dennoch findet die Turmspitze auf dem Bilde nicht mehr Platz, Formen und Farben sind stark vereinfacht. Lattner zeigt das schwindelerregend hohe Denkmal menschlichen Könnens in klaren Formen, gleich einer riesigen Skulptur. | Angelika Wesenberg

Gliederpuppe

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Die dargestellte Gliederpuppe gehörte zur Ausstattung von Lachnits Atelier in der Dresdner Akademie, wie ein Foto von 1948 belegt. Hier zeigt er die Puppe in Angriffshaltung, mit lauerndem Blick und gestikulierenden Händen in weißen Handschuhen, an einem auffällig kahl wirkenden Tischende. Das angesprochene Gegenüber sieht man nicht, doch ist es über das aufgeschlagene Buch, durch Apfel, Flasche und Tasse, das drapierte Tischtuch in warmen Farben als aufgeschlossen und lebensvoll charakterisiert. Lachnit wie auch seine Kollegen sahen 1948 die künstlerische Lehre an der Akademie bedroht. Das Direktorenamt ging von dem erkrankten Hans Grundig an den Architekten Mart Stam über, welcher strukturelle Veränderungen vorsah. Bald auch wurde öffentlich am Beispiel Lachnits der „Formalismus“ in der bildenden Kunst angeklagt. Mit der Gliederpuppe als Agitator, unpersönlich und automatenhaft kommunizierend, fand Lachnit eine Symbolfigur für die erneuten Bedrängnisse des künstlerischen Schaffens, Kunst und Politik waren wiederum in Konflikt geraten. Er bereitete das Bild mit zahlreichen Kohle- und Aquarellzeichnungen vor, stellte darin die Gliederpuppe unterschiedlich drapiert und in verschiedenen Positionen, allein oder in einer Gruppe dar, bis er sie in dem Gemälde endlich bildbestimmend vor die leere Wandfläche setzte: Das Objekt erscheint nun als bedrohliches Subjekt, die ursprünglich Hilfskonstruktion einer Puppe hat sich als Apparatschik verselbstständigt. | Angelika Wesenberg