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Roter Turm

Ident. Nr.: A IV 200

ObjID: obj:966414

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Konrad Adolf Lattner (1896 - 1979),
Künstler*in
Datierung
1929
Weitere Titel
Sammlungstitel: Roter Turm
Übersetzung: Red Tower
Provenienz
Kauf: Psychiatrische und Nervenklinik Greifswald,
vor 1933 - 1939
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 88 x 60 cm
Erwerbung
1939 Überweisung durch die Psychiatrische und Nervenklinik Greifswald auf Anweisung des Ministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung an die Nationalgalerie

Objektbeschreibung

Lattner, der 1896 in Anklam geboren worden war, beendete, nach traumatisierenden Kriegserlebnissen, seine Ausbildung als Meisterschüler des Bildhauers Richard Luksch an der Kunstgewerbeschule in Hamburg. Um 1920 kehrte er nach Anklam zurück und betätigte sich fortan vorwiegend als Maler. 1926 wurde er trotz seiner modernen Kunstauffassung in den Vorstand des eher konservativen Pommerschen Künstlerbundes gewählt. Vielfach dienten Lattner die Kirchen und das Panorama der Stadt Anklam sowie das Ufer der Peene mit den Schiffen und Segelbooten als Anregung zu seinen Bildern. In den oft geometrisch-überscharfen Formen der wiedergegebenen Motive scheint der Einfluss seines Lehrers fortzuwirken. Im Mittelpunkt dieses Gemäldes steht der mächtige, hier betont backsteinrote Westturm der Anklamer Marienkirche aus dem 14. Jahrhundert. Das mächtige Bauwerk, vom Stolz und Reichtum der Hansestadt zeugend, wurde seit dem 18. Jahrhundert von einem hohen Spitzhelm bekrönt. Nach der Zerstörung 1943 ist er heute durch ein schlichtes Satteldach ersetzt. Zum unteren Teil des gemalten Turms leiten die spitzwinkligen Giebel zweier Bürgerhäuser hin. Doch der Blick wird nicht in die Raumtiefe, sondern steil in die Höhe gelenkt. Der unten die gesamte Breite des Bildes einnehmende Turm verjüngt sich perspektivisch stark, dennoch findet die Turmspitze auf dem Bilde nicht mehr Platz, Formen und Farben sind stark vereinfacht. Lattner zeigt das schwindelerregend hohe Denkmal menschlichen Könnens in klaren Formen, gleich einer riesigen Skulptur. | Angelika Wesenberg

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz