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Stutzuhr mit Puttenköpfen und urnenförmigem Väschen (Modellnummer 635)

Ident. Nr.: 1887,60 a-c

ObjID: obj:2561136

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Königliche Porzellanmanufaktur Berlin (KPM) (gegründet 1763),
Hersteller*in
zugeschrieben: Christian Ernst Kleemeyer (1766 - 1812),
Uhrmacher
Datierung
um 1775
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 39 x 19 x 15,3 cm
Höhe: Sockel 4,7 cm
Höhe: Uhr 25 cm
Höhe: Terrinenaufsatz 10,5 cm

Objektbeschreibung

Die Uhr besteht aus drei Teilen (Sockel, Korpus und Urne). Das Uhrengehäuse ist postamentartig und steht auf vier niedrigen, volutenförmig eingedrehten Füßen. Nach oben hin ist es ausgebaucht. Bekrönt wird es von einem urnenförmigen Aufsatz. Das Zifferblatt flankieren zwei plastisch gebildete Puttenköpfe. Auffälliges Zierelement stellt das blau-weiß gestreifte plastische Tuchgehänge dar, das um die Ecken und über die Köpfe der Putten geschlungen und oberhall der Uhr zu einer Schleife gebunden ist.
Die Staffierung ist auf Gold und Blau reduziert. Links unterhalb des Zifferblattes ist ein kleiner goldener Schmetterling aufgemalt, vermutlich, um einen Glasurfehler zu kaschieren.

Im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe befindet sich eine weitere Ausformung der Uhr mit gleicher Staffierung (ohne den Schmetterling). Es ist publiziert in dem Katalog von Johanna Lessmann, Michaela Braesel und Katharina Dück: "Berliner Porzellan des 18. Jahrhunderts aus eigenen Beständen", Hamburg 1993, S. 179-181, Kat. Nr. 246. Dort ist das emaillierte Zifferblatt bezeichnet: "C.E.F. Kleemeyer in Berlin", so dass auch die Uhr aus dem Berliner Kunstgewerbemuseum dieser Werkstatt entstammen dürfte, obwohl das Zifferblatt hier nicht signiert ist.
Stilistisch ist die Uhr ein schönes Beispiel für den Übergang vom Rokoko zum Klassizismus (Louis XVI-Stil).

Bezeichnung:
Zeptermarke auf der Unterseite der Uhr und im Sockel.

Lit. Jubiläumsausstellung des Kunstgewerbemuseums Berlin im Schloß Charlottenburg zum 200jährigen Bestehen der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Berlin, hrsg. v. Staatliche Museen zu Berlin, 1963 , S. 18 f.; Lenz, Georg, Berliner Porzellan. Die Manufaktur Friedrichs des Großen 1763-1786, Berlin 1913, Bd. II, Taf. 102, Abb. 455

Claudia Kanowski

Ausführliche Beschreibung des Uhrwerks: Auf der Vorderseite des Porzellangehäuses schützt eine vergoldete Messing-Lünette mit Verglasung das Uhrwerk. Eine runde Tür aus Messing, sechsblättrig ausgearbeitet, mit Textilbespannung schließt die rückwärtige Öffnung ab.
Das runde Vollplatinenwerk aus Messing (typisch für französische Pendulen, D: 9,5 cm, Platinenstärke: 0,18 cm, zylindrische, schlichte Werkpfeiler) ist mit Federaufzug in umlaufenden Federhäusern, Spindelhemmung, Halbstundenschlagerwerk (vermutlich Rechenschlagwerk) ausgestattet. Die Glocke, die von zwei Hämmern angeschlagen wird, befindet sich auf der Rückplatine. Das Pendel (L: 14 cm) besitzt eine Fadenaufhängung, die Pendellinse ist birnenförmig. Das Emailzifferblatt (D: 7,2 cm) weist innen römische Ziffern als Stundenanzeige, außen arabische Fünfminutenziffern sowie eine Minuterie mit Strichen auf; die Fünfminuten-Markierungen sind als Punkte gestaltet. Bei halb 5 und halb 8 Uhr befinden sich die beiden Aufzugslöcher. Die Feinregulierung erfolgt außerhalb des Zifferblattes über 12 Uhr und wird bei geschlossenem Glas von der Lünette verdeckt. Die Messingzeiger sind kleeblattförmig mit auslaufender Spitze gestaltet. Ungewöhnlich ist, dass der Stundenzeiger zarter als der Minutenzeiger ausgeführt ist. Es ist davon auszugehen, dass die beiden Zeiger nicht zusammengehörig hergestellt wurden.
Weder das Zifferblatt noch das Uhrwerk sind signiert. Der Käufer oder die Käuferin solcher Uhren beauftragten in der Regel einen Uhrmacher, der das leere Gehäuse der Königlichen Porzellanmanufaktur mit einem Werk versah – so auch Königin Victoria von Großbritannien und Irland, die ebenfalls eine solche Uhr – allerdings mit anderer farblicher Staffierung – besaß. Die Mechanik fertigte der in London tätige Uhrmacher François-Justin Vulliamy (1712-1797). Die Königin schenkte die Uhr später ihrem Onkel, dem Herzog von Cambridge. 2012 wurde das Kunstwerk bei Carter & Wright (Ben Wright) in London angeboten (Verbleib unbekannt).
Derselbe, nur in Details leicht abgewandelte Uhrentypus wurde noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von der KPM produziert, wofür sich ebenfalls in Großbritannien in der Royal Collection ein Beispiel mit türkisfarbigem Grund und rosa-goldener Staffierung findet. Es enthält ein französisches Werk von Rollin fils, Paris. (Franka Görike, Silke Kiesant)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth]MAKR