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Pokal mit erotischer Szene

Ident. Nr.: O-1990,96 a

ObjID: obj:4005536

Details (Expert)

Beteiligte
Zuschreibung unsicher: Potsdamer Glashütte (1674–1736),
Glashütte
Zuschreibung unsicher: Zechliner Glashütte (1737–1890),
Glashütte
Datierung
Herstellung: 1730-1745
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe: 20,8 cm
Durchmesser: 10,2 cm (Fuß)
Durchmesser: 9,5 cm (Mündung)
Wandungsstärke: 0,25 cm

Objektbeschreibung

Pokal aus farblosem Glas mit flachem, leicht ansteigendem Fuß dekoriert mit einem Kranz aus Rundfacetten im Schälfschliff, Abriss am Boden, Fußrand verwärmt. Dem schlanken Balusterschaft mit Wabenfacettierung zwischen zwei vergoldeten Trommelscheiben wurde eine langgezogene Luftblase eingestochen. Auch der Ansatz der becherförmigen Kuppa ist facettiert. Auf der Wandung ist eine fein geschnittene Szene auf einem baumbestandenen Landschaftssockel dargestellt: links hebt eine Frau ihren Rock und wendet sich dabei einem Mann zu ihrer Linken zu, dieser hält einen Fuchsschwanz bzw. eine Rute vor sich; darüber die Inschrift: Vor einem guten Freundt, der bin ich. Der beidseitig vergoldete Mündungsrand ist mit einem geblänkten Kugelfries verziert. Das Paar weist mit seinen offenherzigen Attributen recht derb auf das frivole Moment der Szene hin, der beigefügte Spruch bleibt hingegen mehrdeutig und spielt auf die sexuelle Dimension lediglich an. Erotische und allegorische Darstellungen auf Gläsern waren bei höfischen Kreisen im Zeitalter des Barock äußerst beliebt, äußerten sich in Brandenburg jedoch vorrangig und weniger explizit in mythologischen Bildthemen. Der formale und stilistische Vergleich datiert diesen Pokal in die Spätjahre der Potsdamer Glashütte oder die Anfangsjahre deren Nachfolgerin in Zechlin, wo dieselben Glasmacher und Veredler weiterbeschäftigt wurden, also um 1735. Unter anderen ist ein signiertes Glas von Elias Rosbach (tätig 1727–1765) stilistisch eng verwandt (vgl. Berckenhagen, Berliner und märkische Gläser, 1956, Abb. 22; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 32.1). [Verena Wasmuth]
MAKR

Letzte Aktualisierung: 06.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Pokal mit Genien und Schraubfuß

Pokal mit Genien und Schraubfuß

Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth]MAKR

Ausfall aus einer belagerten Stadt

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Das kleine, von einem schmalen silbergelben Rahmen eingefasste Kabinettstück ist auf Nahsicht angelegt. Rechts im Bild erblickt man eine Stadt, die durch eine hohe Mauer und dicke wehrhafte Türme, einen Festungsgraben und einen niedrigen Wall geschützt ist. Von den Hausdächern wehen breite, gelbweiß gestreifte Fahnen, und links auf einer halbrunden Bastion zeigen dicke Rauchwolken, dass dort soeben zwei Feldschlangenabgeschossen wurden. Aus dem Stadttor rechts quillt ein breiter Strom von Fußsoldaten, bewaffnet mit Lanzen und Musketen, und strebt, angeführt von einem berittenen Offizier, den feindlichen Truppen am linken Bildrand entgegen, die sie freilich schon mit angelegten Gewehren erwarten. Während die ersten Söldner das Gefecht bereits eröffnet haben, sieht man im Hintergrund eine Kompanie Reiter mit erhobenem gelb-weiß gestreiftenBanner, die sich in gestrecktem Galopp der feindlichen Kavallerie entgegenwirft.Die Darstellung ist mit Sorgfalt gezeichnet, Stadtmauer, Dächer, Pferde und einzelne Kleidungsstücke sind in hellem Eisenrot, Rahmen und Fahnen in orangegelbem Ton, Bäume und Rasen in sehr lichtem Silbergelb koloriert. Ob die Scheibe als Einzelstück Verwendung fand, ist nicht gewiss, ihres schmalen Formats wegen mag sie auch als Oberbild etwa eines Wappens gedient haben.Anhaltspunkte für die Datierung bietet die Tracht der Soldaten, deren knielange Pluderhosen wie die von hohen Stoffhüten verdeckten Helme ab 1540/50 in Mode waren. Die Stadt weist eine vage Ähnlichkeit zu Nürnberg auf, doch lässt sich die Glasmalerei wegen ihres schmalen Formats mit keinem der dort erhaltenen Stücke vergleichen. Vielmehr erinnert die Schlachtenszene an typische Sujets in den Oberbildern der SchweizerScheiben, weshalb man annehmen möchte, dass sie von dorther stammt.CVMA 98776