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Deckelvase mit "Kameen"-Ornament, Modell "Bijou à anses"

Ident. Nr.: 1867,149

ObjID: obj:4147781

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Porzellanmanufaktur Sèvres (gegr. 1738/56),
Hersteller*in
Ausführung: Léopold Jules Joseph Gély (1820-1893),
Künstler*in
Datierung
Entwurf: 1862
Ausführung: 1866
Geografische Bezüge
Entstehungsort: Sèvres (Frankreich)
Abmessungen
Höhe: 19,5 cm

Objektbeschreibung

Stark gebauchte Balusterform mit vorkragendem Deckel mit Eichelknauf. Markant sind die beiden seitlichen, geschweiften Henkel, die in den oberen Bügel übergehen. Der Korpus ist seladonfarben glasiert. Der reliefierte Dekor imitiert Gold- und Kameenschmuck: An einem Goldband hängen alternierend Medaillons mit Perlumrandung, die wie Halbedelsteine wirken, und weiße, kameenartige mit Perlbehang, die Reiter oder Adler darstellen. Im Zentrum jeweils eine große runde "Kamee" mit dem Profilkopf des Herakles bzw. der Ceres. Fuß, Deckel, Rand und Henkel weisen zudem Ornamentfriese aus Spitzen, Blättern, Weinlaubranke, Palmetten und Rosetten auf.
Die "Kameen" sind in der Pâte-sur-pâte-Technik dekoriert, bei der ein meist weißes Schlicker-Relief mit dem Pinsel aufgetragen wurde. Diese Technik wurde um 1860 in Sèvres entwickelt. Die Seladonglasur nimmt chinesische Keramikvorbilder auf. Es verbinden sich in dieser Vase also verschiedene Stileinflüsse: antikisierende und Renaissance-Ornamentik mit ostasiatischen Impulsen, die ab 1860 von wachsender Bedeutung für das europäische Kunsthandwerk waren. Entgegen einiger Literaturangaben handelt es sich nicht um Weich-, sondern um Hartporzellan. Durch die Datierung ist die Ausführung der Vase auf 1866 datiert und mit Künstler und Manufaktur signiert: Neben einem der Henkelansätze mit weißer Schrift signiert: J GÉLY. Unter dem Fuß Marken: S 66 A D 62 9 und gekröntes N, sowie DECORE A SEVRES 66. Ein formgleiches, dekorähnliches Vergleichsobjekt im Musée d'Orsay: https://www.musee-orsay.fr/fr/oeuvres/bijou-19296. Weitere Exemplare im Musée du Second Empire, Compiègne; Musée de la céramique, Sèvres. // Lit.: Barbara Mundt: Historismus, Kunsthandwerk und Industrie im Zeitalter der Weltausstellungen, Berlin 1973 (Kataloge des Kunstgewerbemuseums, 7), Kat. Nr. 32; Brigitte Ducrot: Porcelaines et terres de Sèvres (Château de Compiègne), Compiègne 1993, Kat. Nr. 215 (Vergleichsstück). // ClKa

Letzte Aktualisierung: 29.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Flache Schale aus Glas, das zwischen zwei farblosen Schichten eine Schicht opakblauer, opakroter und milchblauer Glaskrösel einschließt, der angeschmolzene Hohlfuß aus farblosem Glas, dessen Fußrand ist breit nach unten umgeschlagen, kräftiger Abriss, die Schalenfahne ist abgeflacht und der Mündungsrand verwärmt. Lediglich am Rand sind noch vereinzelt Reste einer ehemals vorhandenen Vergoldung erkennbar. Die Fußschale ist ein seltenes Beispiel der frühen Luxusglasproduktion in Brandenburg. Das Grüne Gewölbe in Dresden verwahrt einen Pokal aus der gleichen Glasmasse mit einer eingeschmolzenen Schicht aus farbigen Kröseln (Inv. Nr. IV 206; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, S. 7, 8; Taf. 1.1+3). Er ist mit der Jahreszahl 1602 versehen und ermöglicht so eine präzise Datierung auch der Schale. Robert Schmidt erwähnt in seinem Standardwerk "Brandenburgische Gläser" von 1914: "Solche marmorierte Schalen haben sich nun in mehreren Exemplaren erhalten, und zwar ein unbemaltes im Berliner Kunstgewerbemuseum, und zwei bemalte, ebenda (Tafel 1 Mitte) und im Fürstlich Hohenzollernschen Museum zu Sigmaringen." Letztere gelangte später in die Sammlung des Museums für Kunsthandwerk in Frankfurt a. M. (Ohm, Europäisches und außereuropäisches Glas, 1989, Kat. 342, S. 152). Ein weiteres Pendant soll sich – so Schmidt – in der Sammlung Minutoli befunden haben und aus der Berliner Schlosskellerei stammen (ebenda, S. 8). Tatsächlich ist diese identisch mit der hier beschriebenen Schale. Das Kunstgewerbemuseum bekam sie 1873 überwiesen, nachdem sie das Königliche Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten 1869 erworben hatte. Schmidt bildete die bemalte Berliner Schale ab (Inv.-Nr. 1893,65; Kriegsverlust; ebenda 1914, S. 7, 8; Taf. 1.2). Im Zentrum trug sie das brandenburgische Wappen mit preußischem Herzschild "in Gold und kalten Lackfarben", so der Begleittext. Gut erkennbar auf der Schwarz-Weiß-Abbildung ist der Randfries aus "Ovalfeldern mit goldenen Blüten auf abwechselnd rotem und grünem Grund". Da die hier beschriebene Schale eine abweichende Anordnung der Krösel aufweist, muss sie die von Schmidt als "unbemaltes" Exemplar bezeichnete sein. Da die zarten Spuren der Vergoldung am Schalenrand lediglich bei genauem Hinsehen erkennbar sind, hat er sie übersehen. Bereits der Inventareintrag der Minutoli-Schale erwähnt keine Veredelung – deren Verlust datiert demnach bereits vor 1869. Das Verfahren der eingeschmolzenen Krösel, das zu der attraktiven Marmorierung führt, wurde von Muraneser Glashütten entwickelt. Ebenfalls die Schalenform ist mit und ohne Kaltbemalung und Vergoldung seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts für venezianische Gläser dokumentiert (Theuerkauff-Liederwald, Venezianisches Glas, 1994, Kat. 42–45, 52, 62). Verantwortlich für diese raffinierten Techniken in Grimnitz waren Glasmacher aus dem böhmischen Kreibitz unter der Leitung von Martin Friedrich (Mock, Glashütten Grimnitz, 2021; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, S. 1–8). Ein Verzeichnis der Glashütte vom 5. Juni 1602 listet unter zahlreichen anderen exklusiven Waren "27 gemarmoliertte schalenn" (Schmidt, S. 5). [Manuela Krüger/Verena Wasmuth]MAKR