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Terrakotte in Gestalt eines geflügelten, tanzenden Bes

Ident. Nr.: ÄM 19586

ObjID: obj:593008

Details (Expert)

Datierung
1. Jh. v. Chr.
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 18 x 10,5 x 4,1 cm

Objektbeschreibung

Die Terrakotte aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert zeigt den tanzenden Zwerggott Bes. Der en face darstellte Gott in schwunghafter Tanzbewegung ist durch seine bärtigen, etwas grotesk wirkenden Gesichtszüge mit heraushängender Zunge gekennzeichnet. Er ist in einem ärmelfreien, unter dem Bauch gegürtelten Gewand gekleidet und trägt einen Kopfschmuck aus langen Straußenfedern. Als Zusatzattribut bekommt er hier noch ein Paar Flügel. In seiner rechten Hand hält er am Körper ein längliches Objekt mit Verzierungen, wahrscheinlich einen Weinkrug. Er steht auf einem mit Akanthusblättern verzierten Kapitell. Typisch für eine ägyptische Terrakotte wurden nur die Details der Vorderseite ausmodelliert. Die Rückseite besteht lediglich aus einer gewölbten, glatten Schale, zu der noch eine Öse hinzugefügt ist. Solche Tonfiguren wurden in der Regel in Privathäusern in Wandnischen, die als eine Art Hausaltar fungierten, aufbewahrt. In ebensolchen Wandnischen wurden sie auch in ägyptischen Siedlungen der griechisch-römischen Zeit aufgestellt. Mit der Öse konnten sie in der Nische aufgehängt werden.
Der Gott Bes, der ursprünglich aus dem Sudan stammte und ab spätestens der 12. Dynastie in Ägypten belegt ist, wurde vom ägyptischen Volk als eine Art Schutzgottheit im häuslichen Bereich verehrt. Durch sein wildes, schreckhaftes Aussehen wurde Bes die Funktion zugewiesen, die Menschen vor bösen Kräften zu bewahren. Außerdem wurde er häufig im Umfeld der Göttin Hathor mit Musik, Tanz und Trunkenheit in Verbindung gebracht. Tanz und Musik wurden bei Bes nicht nur als Mittel der Abwehr verstanden, sondern spielten zugleich auch Freude, Heiterkeit sowie die dadurch hervorgebrachte Sexualität an. Auch der Weinkrug des Bes lässt sich in diesem freudestiftenden Zusammenhang verstehen.
In der Ikonographie des musizierenden, tanzenden und trinkenden Bes ist er zum einen ein apotropäischer Gott für das ägyptische Volk. Zum anderen steht er in enger Beziehung mit Fruchtbarkeit und Zeugung. In dieser Gestalt spielt er insbesondere in den Bereichen Fruchtbarkeit, Empfängnis, Schwangerschaft, Geburt und Kindbett eine besonders wichtige Rolle für die Frauen.
(I. Liao)

Letzte Aktualisierung: 29.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

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Koptischer Papyrus mit einer gnostischen Sammelhandschrift (Evangelium nach Maria; Apokryphon nach Johannes; Sophia Jesu Christi; Acta Pauli)

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Der einzigartige so genannte Berliner koptisch-gnostische Papyruskodex umfasst 141 Blätter und zeugt von den Auseinandersetzungen der verschiedenen Glaubensrichtungen der Zeit. Er enthält aus dem späten 4. Jahrhundert nach Christus mehrere apokryphe, das heißt nicht in den späteren biblischen Kanon aufgenommene Evangelien-Texte - so etwa das Apokryphon des Johannes, die Sophia Jesu Christi oder die Praxis des Petrus. Zusätzlich birgt dieser Kodex das Evangelium einer Frau, der Maria Magdalena. Die späteste Entwicklungsform der ägyptischen Sprache ist das Koptische, das mit griechischen Buchstaben und einigen ägyptischen Zusatzzeichen geschrieben wurde. Seit den ersten nachchristlichen Jahrhunderten wurde es in verschiedenen Dialekten gesprochen. Die Koptische Sprache wurde von den Christen Ägyptens verwendet und ist bis heute die Liturgiesprache der koptischen Kirche.Dieses Konvolut besteht aus 65 erhaltenen Blättern eines koptisch (sahidisch-subachuminisch) geschriebenen Papyrus-Codex, von Blatt 12 (= S. 23) an vollständig erhalten ist. Angeblich wurde der Codex in einer Mauerlücke gefunden. Aufgrund des Ankaufs bei einem Antiquitätenhändler in Achmin ist ein Fund vor Ort sehr wahrscheinlich. Es handelt sich um eine gnostische Sammelhandschrift mit drei Traktaten gnostisch-christlichen Inhalts, sowie Auszügen aus den Acta Petrie.1. Evangelium nach Maria Magdalena: Antworten auf Fragen nach dem Schicksal der Materia und dem Wesen der Sünde. Maria Magdalena spricht den Jüngern Mut zu. Dann berichtet sie über Offenbarungen die nur ihr mitgeteilt wurden. Maria Magdalena erscheint hier als Mittlerin und Verkünderin der gnostischen Lehre.2. Das Apokryphon des Johannes: Soll auf zwei große Fragen Antwort geben: wie ist das Böse in die Welt gekommen und wie kann sich der Mensch davon befreien? Erschaffungsgeschichte der Welt, des Paradieses und Adam, Sintflut.3. Sophia Jesu Christi: Die 12 Jünger und 7 Frauen sind auf einem Hügel in Galiläa versammelt. Christus erscheint und beantwortet Fragen.4. Auszüge aus den Acta Petri.V. Lepper

Hieroglyphischer Papyrus, Totenbuch des königlichen Schreibers Nacht-Amun

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Totenbücher gibt es seit dem Beginn des Neuen Reiches (um 1500 v. Chr.). In der vollständigen Ausgabe sind mehr als 200 Kapitel erhalten, man beschränkte sich aber häufig auf die wesentlichen Aussagen. Das Totenbuch wurde dem Verstorbenen in Form einer Papyrusrolle mitgegeben oder einzelne Kapitel wurden, auf Leinenbinden geschrieben, in die Mumie eingewickelt. Die Sprüche sollten dem Verstorbenen helfen, sich in der Unterwelt zurecht zu finden und sich korrekt gegenüber ihren Bewohnern, Göttern und Dämonen, zu verhalten, damit er als 'Verklärter' unter ihnen leben konnte.Bei keinem Totenbuch fehlt das 125. Kapitel, das das sogenannte 'Negative Sündenbekenntnis' enthält. In diesem rechtfertigt sich der Verstorbene vor den 42 Richtergottheiten, indem er beteuert, alle Sünden unterlassen zu haben. Die Szene zeigt das Totengericht: die Verstorbene wird zur Waage geführt, auf der ihr Herz (als Topf gezeichnet) gegen die Göttin Maat, dargestellt als hockende Frau mit einer Feder auf dem Kopf, aufgewogen wird. Hat sie maatgerecht, im Sinne der Weltordnung gelebt, wird die Verstorbene von dem mumiengestaltigen Unterweltsgott Osiris als 'gerechtfertigt' in das Jenseits aufgenommen. Besteht sie die Prüfung nicht, wird die große Fresserin, ein Untier bestehend aus Krokodilskopf, Löwenvorder- und Nilpferdhinterteil, ihr Herz endgültig verschlingen. Da für die Ägypter jede Darstellung die Realität widerspiegelt, wurde grundsätzlich ein positiver Ausgang des Gerichtes dargestellt, so dass die Verstorbene mit Hilfe dieses Papyrus sicher in die Unterwelt eintreten und das ewige Leben erreichen konnte.V. Lepper

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