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Barkenuntersatz des Königs Natakamani und der Kandake Amanitore

Ident. Nr.: ÄM 7261

ObjID: obj:606188

Details (Expert)

Beteiligte
Carl Richard Lepsius (23.12.1810 - 10.7.1884),
Expeditionsleiter*in
Datierung
Natakamani
Datierung engl.: Natakamani
Weitere Titel
Sammlungstitel: Barkenuntersatz des Königs Natakamani und der Kandake Amanitore
Übersetzung: Bark stand of king Natakamani and Kandake Amanitore
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 117,5 x 85 x 85 cm

Objektbeschreibung

„In einem stark zerstörten Tempel der bedeutenden meroitischen Ruinenstätte Wad Ban Naga fand die preußische Expedition 1844 drei „Altäre“, von denen der größte in das Berliner Museum gelangt (die beiden anderen sind verschollen). Die beiden Sandsteinblöcke haben die Form einer Kapelle mit leicht geböschten Wänden und dem üblichen Gesims aus Rundstab und Hohlkehle, an deren Frontseiten wie über Tempeleingängen die Sonnenscheibe mit den Uräen angebracht ist. Diese „Altäre“ sind „Untersätze“ für die Kultbarke oder den Naos mit dem Kultbild einer Gottheit. Der ägyptische Tempel und der Untersatz als sein Abbild repräsentieren den Kosmos, über deren Himmelsregion die Gottheit wohnt. Dieser Idee spricht die Reliefdekoration: Auf zwei Seiten des Berliner Untersatzes tragen Göttinnen, die zwei der vier Himmelsstützen personifizieren, auf den emporgereckten Händen das Himmelszeichen. An der Stelle der beiden anderen Göttinnen treten der Erbauer des Tempel, König Natakamani und die Kandake Amanitore. Die „Königsmutter“ ist im Gewand der Göttinnen, aber mit starken hängenden Brüsten dargestellt, um den Hals ist über einen Schulterkragen die charakteristische Halskette des kuschitischen Königsornats gelegt; wie die Könige trägt die Frau ein Diadem. Die seitlichen Inschriftzeilen in ägyptischer Sprache fordern die Göttin Isis auf, sich auf dem Untersatz niederzulassen, ihrem Kultbild „einzuwohnen“: „Bleibe du, bleibe du auf dem „großen Thron“, Isis, Herrin der Unterwelt, so wie der Mond bleibt, der als Ei (als Neumond), wächst beim Durchwandeln des Himmels, möge sie (für „mögest du“) Leben geben deiner Tochter Amanitore.“ Die Rede des Königs auf der Gegenseite ist ähnlich gestaltet, die Reden der beiden Göttinnen beschreiben dagegen ihre Trägerfunktion: „Von mir ist der Himmel hochgehoben für die lebensspendende Isis / für die Herrin der Erde. Von mir ist ihr Sitz in größere Ferne gerückt als (der) ihres Erzeugers / ihrer Gebärerin. Sie erstrahle in ihm in ihrer Barke wie die Sonne in ihrer Barke / wie der Mond, der in seiner Barke umwandelt.“ Hinter den Köpfen von König und Kandake steht der vierte Titel der altägyptischen Königstitulatur („König von Ober- und Unterägypten, Herr beider Länder“) mit einem ägyptischen Thronnamen, vor den Köpfen der fünfte Titel („Sohn der Sonne, Herr der Diademe“)mit den persönlichen Namen der Herrscher, die aber in meroitischen Hieroglyphen geschrieben sind. Diese beiden Namen waren denn auch durch den Vergleich mit den ägyptischen Schreibungen der Namen in den seitlichen Inschriftenzeilen ein entscheidender Schlüssel für die Entzifferung der meroitischen Schrift.
Die Untersätze aus Wad Ban Naqa bezeugen in der Bildidee und der Formulierung der Reden der „Himmelsträger“ eine enge Verbindung Meroës zum religiösen Gedankengut Ägyptens der griechisch-römischen Zeit, „meroitischer Stil“ ist insbesondere an der Gesichtsbildung zu beobachten. „Meroitisch“ ist natürlich, daß König und Kandake in gleichberechtigter Herrschaftsfunktion auftreten.“
Aus: Priese, Karl-Heinz, in: Priese, K.-H. (Hrsg.), Ägyptisches Museum Berlin, Museumsinsel Berlin, Mainz 1991, S. 262 (Kat. 160).

Letzte Aktualisierung: 24.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Statuette des Hor-chebt, Priester der Isis

Statuette des Hor-chebt, Priester der Isis

Die Statue ist in sitzender Position auf einem massiven, blockhaften Stuhl wiedergegeben. Sie trägt ein bis zu den Knöcheln reichendes, glattes Gewand, das keine weiteren Details erkennen lässt. Oberkörper und Füße sind heute leider verloren, die erhaltene Oberfläche wurde teilweise stark beschädigt. Beide Unterarme ruhen auf dem Schoß mit noch in Ansätzen erhaltenen Händen, der Dargestellte hielt einst ein heute nahezu völlig zerstörtes, göttliches Emblem vor sich, den Inschriften nach zu urteilen wohl eine Manifestation einer der in den Hieroglypheninschriften genannten Gottheiten. Die somit als theophor zu bezeichnende Statue ist daher in den Kontext einer Tempelstiftung zu verorten. An beiden Seiten des Sitzes befinden sich jeweils vier Zeilen eines eingravierten Hieroglyphentexts, während die Sockelzone und der oberhalb der niedrigen Rückenlehne ansetzende, schmale Rückenpfeiler unbeschriftet geblieben sind. Die Inschrift der linken Seite lautet: „Der König gebe ein Opfer an Osiris-den-Herrscher, zu-Gast-im-Fayûm, damit jener gebe ein Totenopfer den Ka des Priesters der Isis, Wärters des Horus, Priesters der Bastet (namens) Hor-achbit, Sohnes des Gleichbetitelten Harsomtus.“ Die Inschrift der rechten Seite lautet: „Der König gebe ein Opfer an Sobek von Schedet, damit jener gebe ein Totenopfer den Ka des Priesters des Sobek-Horus, Dieners im Tempel-Sanktuar, berichterstattenden Priesters, der seinen Herrn ankleidet im Tempel von Krokodilopolis (namens) Hor-achbit, Sohnes des Gleichbetitelten Harsomtus.“Ein lokaler Priester namens Hor-achbit hat also nach Auskunft der Inschriften diese Statue gestiftet. Er war den Titeln gemäß für zahlreiche Gottheiten zuständig, wenn auch Ämterhäufungen in der Spätzeit nicht unbedingt der Realität entsprochen haben müssen und jene vielleicht teilweise eher Rang- denn Amtstitel waren. Priester der Isis, als Mutter des Sobek von Schedet, sind im Fayûm nur äußerst selten belegt. Auch für Bastet-Priester sind nur zwei weitere Belege vorhanden, so dass diese Statue eine wichtige Quelle für das spätzeitliche Kultgeschehen im Fayûm darstellt, zumal wir vom Haupttempel von Schedet in dieser Zeit nicht allzuviel wissen. Hor-achbit selbst ist aus anderen Quellen übrigens bislang nicht bekannt.Die Nennung von Schedet als Kultort einer Lokalform des krokodilgestaltigen Gottes Sobek verweist dabei auf die ursprüngliche Aufstellung. In diesem Ort im Fayûm, griechisch Krokodilopolis, heute Medinet al-Fayûm, wurde die Statue von Heinrich Brugsch gefunden. Dies spricht dafür, dass sie einst in den Ortstempel des lokalen Sobek in der Hauptstadt des Fayûm gestiftet worden sein dürfte(Jan Moje)