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Bes-Gefäß ("Trichterhalsgefäß")

Ident. Nr.: ÄM 22620

ObjID: obj:606436

Details (Expert)

Beteiligte
Friedrich Wilhelm von Bissing (22.4.1873 - 12.1.1956),
Vorbesitzer*in
Datierung
Historische Datierung: späte 18. Dynastie
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Durchmesser: 52 x 22 cm

Objektbeschreibung

Das große Gefäß aus gebranntem Nilton besitzt einen abgerundeten Unterkörper, einen eingezogenen Mittelteil und einen abgesetzten trichterförmigen Hals. Die Vorderseite des Gefäßkörpers ist in Gestalt des G kleinwüchsigen Gottes Bes in halbplastischer Ausformung gearbeitet: Das Gesicht, die Arme, der Bauchnabel sowie die leicht angezogen wirkende Schulterpartie sind ausmodelliert. Mit der mehrfarbigen Bemalung, die sich nur auf der Vorderseite des Gefäßes befindet, werden die Konturen und Details des Bes gekennzeichnet. So erscheint der Oberkörper des blauhäutigen, bärtigen Bes mit Tierohren, Mähne, weit aufgerissenen Augen und ausgetreckter Zunge auf dem Gefäßkörper, während der trichterförmige Hals zur typischen Federkrone des Bes, die hier der Form einer offenen Lotusblume ähnelt, dekoriert ist. Seine vergleichsweise kurzen schmalen Arme liegen angewinkelt an der Körpervorderseite an. Um seinen Bauchnabel ist ein stilisierter Blumenkranz angebracht. Ein umlaufendes Band aus eingekerbten Querlinien befindet sich direkt unterhalb der Bemalung.
Der Gott Bes mit seinen grotesk wirkenden Zügen war für die Ägypter ein Schutzgott im häuslichen Bereich, der durch sein schreckliches Aussehen alles Übel vertreiben sollte. Zudem gehörte er zum Kreis der Göttin Hathor. Im Gefolge der Hathor wurde er häufig mit Tanz, Musik und Trunkenheit assoziiert. Es wird daher vermutet, dass das Trichterhals-Gefäß mit Bes-Darstellung möglicherweise seine Anwendung als Weingefäß für festliche Anlässe fand, in denen der Rauschtrunk ein wichtiger Bestandteil war. Da die Bemalung vor dem Brand erfolgte und dadurch wasserfest geworden war, könnte es theoretisch für den tatsächlichen Gebrauch zur Zubereitung und zum Servieren von Getränken eingesetzt worden sein. Aber aufgrund der aufwendigen Verzierung, die sich nur auf der Schauseite befindet, ist es wahrscheinlicher, dass es primär rein dekorativen Zwecken diente. Durch die Anwesenheit des Gottes Bes sollten einerseits die festlichen Angelegenheiten vor bösen Kräften geschützt werden und andererseits fordert Bes die Teilnehmer auch dazu auf, die Freude und Trunkenheit dabei zu genießen.
Bislang sind wenige vergleichbare Bes-Gefäße mit blauer Bemalung bekannt. Das Berliner Exemplar erweist sich aufgrund des guten Erhaltungszustands und der hohen handwerklichen Qualität im Vergleich zu anderen derartigen Gefäßen als ein besonderes Stück.
(I. Liao)

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

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