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Pfostensarg der Schwestern Sensaos und Tkauthi

Ident. Nr.: ÄM 505/01

ObjID: obj:757404

Details (Expert)

Weitere Titel
Sammlungstitel: Pfostensarg der Schwestern Sensaos und Tkauthi
Übersetzung: Coffin of the sisters Sensaos and Tkauthi
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 106 x 46,5 x 47 cm

Objektbeschreibung

Sensaos und Tkauthi sind die Namen der beiden jungen Töchter des Pollius Soter. Auf dem Sargdeckel befindet sich sowohl eine hieroglyphische als auch eine griechische Inschrift, die die Namen der bestatteten Kinder und ihrer Mutter Kleopatra nennt. Beide Schwestern erreichten nie ihr fünftes Lebensjahr. Sie starben im Alter von 4 Jahren, 4 Tagen, und im Alter von 2 Jahren, 10 Monaten, und 20 Tagen.
Die Entdeckung des Grabes ihres Vaters zu Anfang des 19. Jahrhunderts war ein Wendepunkt für die Kategorisierung römischer Grabaustattungen in Theben-West. Die Funde des Grabes, vor allem mehrere griechisch-römische Särge, verstreuten sich aufgrund der Mitwirkung von Antikenhändlern nach Paris, Turin, London und Berlin. Aufgrund der möglichen Datierung mehrerer Familienmitglieder, unter anderem Pollius Soter und seiner Frau Kleopatra, kann deren Lebenszeit in das späte 1. und in das frühe 2. Jahrhundert nach Christus eingeordnet werden.
Der hölzerne Sarg der Schwestern gehört zum Typ des Pfostensarges. Diese gelten als eine der prägenden Sargtypen der sogenannten „Soter-Gruppe“ und wurden in der privaten Grabkultur in Theben während der gesamten römischen Zeit verwendet. Die Bogenform des Deckels symbolisiert die Wölbung des Himmels, welcher von den vier Ecken der Erde gestützt wird, die durch die Pfosten dargestellt werden. 
Die flache Bodenplatte weist an dessen Ecken vier quadratische Löcher für das Aufsetzen der Sargwanne auf. An den Seiten befinden sich vier Schlitze zur Befestigung mithilfe von Holzzapfen. 
Die aufgemalte Dekoration zeigt das Ganzkörperabbild einer jungen Frau, welche von floralen Ornamenten umgeben ist. Trotz einer fehlenden textlichen Bezeichnung kann diese ikonographisch als Himmelsgöttin Nut identifiziert werden, die zu der Zeit regelmäßig auf den Böden thebanischer Särge dargestellt wurde. Ihr Haupt schmückt ein filigraner Kranz aus zartrosa Blüten. Das lockige Haar der Göttin ist in der Mitte gescheitelt und weitet sich nach unten aus, bis es kurz hinter ihren Schultern endet. Ihre mehrfarbigen Perlen-Kreolen sind Teil der Mode des 1. und 2. Jahrhunderts nach Christus, was mit der Datierung der Familie von Sensaos und Tkauthi übereinstimmt. Ihr Kopf wird flankiert von zwei knienden trauernden Frauen, die aufgrund ihrer Erscheinung auf anderen Särgen dieses Typus als Göttinnen Isis und Nephtys identifiziert werden können. Über der Tunika trägt sie ein Trägerkleid, welches bis zu ihren Knöcheln reicht und vertikal gestreift ist. Schlangenförmige Armbänder schmücken beide Handgelenke. Unterhalb der Hände breitet sich ein zweites mantelähnliches Gewand aus, welches ein weiteres Merkmal dieser Darstellungsform der Nut ist. Die Punkte und Kreise, mit denen das Gewand dekoriert ist, gleichen in ihrer Farbigkeit den Ohrringen. Zudem sitzen zwei Schakale neben den Füßen und tragen Schlüssel um ihren Hals als begleitendes Motiv.
Am Kopfende des Sarges dominiert ein Falke mit ausgebreiteten Flügeln und gespreizten Beinen die obere Hälfte, während zwei unter ihm liegende Schakale wachsam zueinander schauen. Das äußere Fußende des Sarges zeigt den falkenköpfigen Gott Horus und den ibisköpfigen Thoth, welche eine Mumie besprengen. Die Bemalung wird von einer plastisch herausgearbeitete Tempel- oder Schreinfront mit je einer Säule auf beiden Seiten umrahmt. Der Architrav zeigt eine geflügelte Sonnenscheibe und ist an dessen oberen Kante mit friesähnlichen Ornamenten verziert.
Die Seiten zeigen rechts den thronenden Gott Osiris mit seiner Frau, der Göttin Isis, vor einem Opfertisch und links eine Balsamierungsszene. Anubis präpariert einen auf einer Löwenbarke liegenden Leichnam und ist auf beiden Seiten von trauernden Frauen umgeben. Unter der Bahre stehen jeweils zwei Kanopen für die Aufbewahrung der Eingeweide der Toten, die einerseits falken- als auch schakalköpfig ausgearbeitet sind.
Mit einer Kombination aus traditionellen Motiven als auch thebanischen Darstellungen der römischen Zeit gibt der Sarg der Sensaos und der Tkauthi einen Einblick in die Bestattungsassemblage einer von hoher Kindersterblichkeit geprägten Zeit.
A. Gantenbrink

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

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Statuette des Hor-chebt, Priester der Isis

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Die Statue ist in sitzender Position auf einem massiven, blockhaften Stuhl wiedergegeben. Sie trägt ein bis zu den Knöcheln reichendes, glattes Gewand, das keine weiteren Details erkennen lässt. Oberkörper und Füße sind heute leider verloren, die erhaltene Oberfläche wurde teilweise stark beschädigt. Beide Unterarme ruhen auf dem Schoß mit noch in Ansätzen erhaltenen Händen, der Dargestellte hielt einst ein heute nahezu völlig zerstörtes, göttliches Emblem vor sich, den Inschriften nach zu urteilen wohl eine Manifestation einer der in den Hieroglypheninschriften genannten Gottheiten. Die somit als theophor zu bezeichnende Statue ist daher in den Kontext einer Tempelstiftung zu verorten. An beiden Seiten des Sitzes befinden sich jeweils vier Zeilen eines eingravierten Hieroglyphentexts, während die Sockelzone und der oberhalb der niedrigen Rückenlehne ansetzende, schmale Rückenpfeiler unbeschriftet geblieben sind. Die Inschrift der linken Seite lautet: „Der König gebe ein Opfer an Osiris-den-Herrscher, zu-Gast-im-Fayûm, damit jener gebe ein Totenopfer den Ka des Priesters der Isis, Wärters des Horus, Priesters der Bastet (namens) Hor-achbit, Sohnes des Gleichbetitelten Harsomtus.“ Die Inschrift der rechten Seite lautet: „Der König gebe ein Opfer an Sobek von Schedet, damit jener gebe ein Totenopfer den Ka des Priesters des Sobek-Horus, Dieners im Tempel-Sanktuar, berichterstattenden Priesters, der seinen Herrn ankleidet im Tempel von Krokodilopolis (namens) Hor-achbit, Sohnes des Gleichbetitelten Harsomtus.“Ein lokaler Priester namens Hor-achbit hat also nach Auskunft der Inschriften diese Statue gestiftet. Er war den Titeln gemäß für zahlreiche Gottheiten zuständig, wenn auch Ämterhäufungen in der Spätzeit nicht unbedingt der Realität entsprochen haben müssen und jene vielleicht teilweise eher Rang- denn Amtstitel waren. Priester der Isis, als Mutter des Sobek von Schedet, sind im Fayûm nur äußerst selten belegt. Auch für Bastet-Priester sind nur zwei weitere Belege vorhanden, so dass diese Statue eine wichtige Quelle für das spätzeitliche Kultgeschehen im Fayûm darstellt, zumal wir vom Haupttempel von Schedet in dieser Zeit nicht allzuviel wissen. Hor-achbit selbst ist aus anderen Quellen übrigens bislang nicht bekannt.Die Nennung von Schedet als Kultort einer Lokalform des krokodilgestaltigen Gottes Sobek verweist dabei auf die ursprüngliche Aufstellung. In diesem Ort im Fayûm, griechisch Krokodilopolis, heute Medinet al-Fayûm, wurde die Statue von Heinrich Brugsch gefunden. Dies spricht dafür, dass sie einst in den Ortstempel des lokalen Sobek in der Hauptstadt des Fayûm gestiftet worden sein dürfte(Jan Moje)

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"Die Figur wiederholt einen Typ der Standfigur des Mittleren Reiches, der den Dargestellten in einem „Mantel“ kleidete, der als Tuch unterhalb der Brust um den Körper gelegt wurde. Dieser Mantel ist aber in der Spätzeit tatsächlich noch getragen worden, so auch von den Priestern bei Prozessionen. Sehr selten ist die Armhaltung, das linke Bein ist sehr weit vorgesetzt, so daß von der Darstellung eines wirklichen Ausschreitens gesprochen werden müßte. Der Mann ist als Priester kahlgeschoren, das Gesicht mit den unregelmäßig angesetzten Augen ein typisches Beispiel für die Art des idealisierenden Kunstschaffens dieser Zeit. Auch die Körperformen sind schematisch, Ober- und Unterarm ungeschickt aneinandergefügt. Die leichte Neigung des Kopfes mit der hohen Stirn, die etwas über der Nasenwurzel zusammengezogenen Augenbrauen und der leise lächelnde Mund hinterlassen zusammen mit der Armhaltung und dem ruhigen geschlossenen Körper insgesamt den Eindruck eines über den Alltäglichkeiten des Lebens stehenden, in seine Gedanken versunkenen, ganz der Welt des Göttlichen hingegebenen Menschen. Die senkrechte Zeile auf dem Gewande enthält die Angaben zur Person. Die Datierung der Figur ergibt sich durch den Namen des Vaters („Amasis bleibt im Palast“), wonach er zur Zeit des Königs Amasis (um 570-526 v. Chr.) geboren sein müßte."Aus: Priese, Karl-Heinz, in: Priese, K.-H. (Hrsg.), Ägyptisches Museum Berlin, Museumsinsel Berlin, Mainz 1991, S. 174 (Kat. 104).