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Fragment eines Sargdeckels

Ident. Nr.: ÄM 11570

ObjID: obj:761998

Details (Expert)

Beteiligte
Heinrich Brugsch (18.2.1827 - 9.9.1894),
Grabungsleiter*in
Rudolf Mosse (8.5.1843 - 8.9.1920),
Mäzen*atin
Weitere Titel
Sammlungstitel: Fragment eines Sargdeckels
Übersetzung: Fragment of a coffin lid
Geografische Bezüge
Material / Technik
Holz (Material); Paste (blau)
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 18 x 11 x 2 cm

Objektbeschreibung

Das an allen Seiten abgebrochene Fragment eines hölzernen, leicht gewölbten Brettes von einem Sargdeckel enthält nur noch eine Kolumne eingravierter, linksläufiger Hieroglyphen mit Kolumnenbegrenzung. Der Text ist sehr sauber graviert. Alle Vertiefungen waren mit blauer Paste ausgelegt, die heute noch partiell erhalten ist. Links und rechts der Kolumne ist die Oberfläche unbearbeitet, so dass jene als mittig auf dem Deckel befindlich angesehen werden kann. Die Inschrift lautet: „N.N., gerecht]fertigt, Sohn des Herrn der Beiden Länder Osorkon Geliebt-von-Amun [///].“
Der Sarg gehörte also dem männlichen Nachkommen eines Königs Osorkon. Herrscher dieses Namens stammen nur aus der Dritten Zwischenzeit ab dem Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr., einer Epoche der militärischen Besatzung Ägyptens durch libysche Stämme. Die Hauptstadt war zunächst Tanis, jedoch schwand im Laufe der Zeit die Macht der regulären Pharaonen, so dass mehr und mehr lokale Potentaten zeitgleich die Oberhoheit in den einzelnen Zentren übernahmen und sich kleine Herrschaftsbereiche schufen. Der Besitzer des Sarges war laut der Inschrift ein direkter Nachkomme eines regierenden Königs. Welcher der derzeit bekannten drei libyschen Könige mit dem Eigennamen Osorkon gemeint ist, kann nicht sicher entschieden werden.
Leider ist vom Namen oder den Titeln des Verstorbenen nichts mehr erhalten, so dass unklar bleibt, was die genaue Position dieses Mannes einst gewesen war. Dem Verstorbenen war die Notation seiner königlichen Abstammung wichtig. In der Libyerzeit wurde generell verstärkt Wert auf die Angabe der Genealogie gelegt. Nannten die Ägypter vorher meist nur den Vater, teilweise auch noch den Großvater, erweitern sich die genealogischen Angaben in der Libyerzeit massiv, sicherlich dem Einfluss der mündlich geprägten Überlieferungstradition der neuen Oberschicht aus Libyen geschuldet. Ein libyerzeitliches Grabrelief aus Memphis im Berliner Ägyptischen Museum (ÄM 23673) zeigt dabei über 60 Vorfahren des verstorbenen Priesters, die derzeit längste bekannte Genealogie aus Ägypten überhaupt.
Auf der Innenseite des Fragmentes sind noch bislang unerwähnte Reste der in rot skizzierten Darstellung einer nach links gerichteten Kobra erhalten, die sich mit aufgeblähtem Brustschild aufrichtet, aber aufgrund der Größenverhältnisse nicht zur originären Sargdekoration gehören kann. Vermutlich handelt es sich hierbei um eine spätere Verwendung als ‚Skizzenblock‛.
J. Moje

Letzte Aktualisierung: 04.09.2025

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

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Statuette des Priesters Hori

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"Die Figur wiederholt einen Typ der Standfigur des Mittleren Reiches, der den Dargestellten in einem „Mantel“ kleidete, der als Tuch unterhalb der Brust um den Körper gelegt wurde. Dieser Mantel ist aber in der Spätzeit tatsächlich noch getragen worden, so auch von den Priestern bei Prozessionen. Sehr selten ist die Armhaltung, das linke Bein ist sehr weit vorgesetzt, so daß von der Darstellung eines wirklichen Ausschreitens gesprochen werden müßte. Der Mann ist als Priester kahlgeschoren, das Gesicht mit den unregelmäßig angesetzten Augen ein typisches Beispiel für die Art des idealisierenden Kunstschaffens dieser Zeit. Auch die Körperformen sind schematisch, Ober- und Unterarm ungeschickt aneinandergefügt. Die leichte Neigung des Kopfes mit der hohen Stirn, die etwas über der Nasenwurzel zusammengezogenen Augenbrauen und der leise lächelnde Mund hinterlassen zusammen mit der Armhaltung und dem ruhigen geschlossenen Körper insgesamt den Eindruck eines über den Alltäglichkeiten des Lebens stehenden, in seine Gedanken versunkenen, ganz der Welt des Göttlichen hingegebenen Menschen. Die senkrechte Zeile auf dem Gewande enthält die Angaben zur Person. Die Datierung der Figur ergibt sich durch den Namen des Vaters („Amasis bleibt im Palast“), wonach er zur Zeit des Königs Amasis (um 570-526 v. Chr.) geboren sein müßte."Aus: Priese, Karl-Heinz, in: Priese, K.-H. (Hrsg.), Ägyptisches Museum Berlin, Museumsinsel Berlin, Mainz 1991, S. 174 (Kat. 104).