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Mumienhülle des Ken-hor; Priester des Min

Ident. Nr.: ÄM 8500/01

ObjID: obj:762181

Details (Expert)

Beteiligte
Émile Brugsch (24.2.1842 - 14.1.1930)
Datierung
23. Dynastie (Bubastis, Tanis)
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 35,5 x 55 x 186 cm

Objektbeschreibung

Als die innerste Komponente des Sargensembles des Ken-Hor gilt die aufwendig dekorierte Mumienhülle aus Kartonage, in der die Mumie eingehüllt war. Ein Götterbart ist am Kinn des fein herausgearbeiteten Gesichts befestigt. Die Augen sind plastisch ausgeformt und bemalt. Zudem lässt sich eine technische Besonderheit an der Kartonage beobachten: Normalerweise wurde die über einer Form angefertigte, mumienförmige Kartonage für das Einführen der Mumie am Rücken aufgeschnitten und wieder verschlossen. Bei ÄM 8500 wurde die Kartonagehülle aber an den Seiten durchtrennt ähnlich eines separaten Deckels. Der seitliche Spalt wurde nach dem Einführen der Mumie von der als Malgrund aufgetragenen Stuckschicht überdeckt.
Schon in historischer Zeit, möglicherweise im Rahmen der Bestattungszeremonie, wurde die Kartonage im Liegen mit einer heute schwarz verfärbten Substanz übergossen. Daher ist der größte Teil der Dekorationen überdeckt und nur im leicht erhabenen Relief zu erkennen. Mithilfe der Streiflichtaufnahmen kann man jedoch Teile der Dekorationen und darüber hinaus das theologische Programm der Kartonagehülle erfassen. Auf der Vorderseite, unterhalb des Halskragens folgen sieben horizontale Bildstreifen, die im Fußbereich mit den Darstellungen des Gottes Upuaut in Gestalt zweier liegender Schakale enden. Im darüber befindlichen Streifen wird ein Djed-Pfeiler von zwei Udjat-Augen sowie von Sonnenscheiben gekrönten Weihen flankiert. In den drei mittleren Bildstreifen sind die Totenbuch-Vignetten zu sehen, in denen die Versorgung der Mumie durch Anubis, das Totengericht, und die Vorführung des Verstorbenen vor Osiris nach dem bestandenen Totengericht dargestellt sind. Die anderen Flächen der Kartonage sind ebenfalls durch Darstellungen geschmückt, die der Verstorbene bei seiner Transformation ins jenseitige Leben unterstützen sollte. Dazu gehören zum Beispiel die Darstellungen der tierköpfigen Gottheiten mit Messern aus dem Amduat auf dem Rücken der Kartonage sowie das Bild eines laufenden Apis-Stieres als Schutzsymbol auf der Unterseite der Fußplatte. Trotz des schwarzen Überzugs ist die gute Qualität der Malerei der Mumienhülle des Ken-Hor aus Kartonage erkennbar.
(I. Liao nach: Brech, R., Spätägyptische Särge aus Achmim. Eine typologische und chronologische Studie, Gladbeck 2008, S. 76ff.; Germer, R. / Kischkewitz, H. / Lüning, M., Berliner Mumiengeschichten. Ergebnisse eines multidisziplinären Forschungsprojektes, Regensburg 2009, S. 127ff.)

Letzte Aktualisierung: 13.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

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Die Statue ist in sitzender Position auf einem massiven, blockhaften Stuhl wiedergegeben. Sie trägt ein bis zu den Knöcheln reichendes, glattes Gewand, das keine weiteren Details erkennen lässt. Oberkörper und Füße sind heute leider verloren, die erhaltene Oberfläche wurde teilweise stark beschädigt. Beide Unterarme ruhen auf dem Schoß mit noch in Ansätzen erhaltenen Händen, der Dargestellte hielt einst ein heute nahezu völlig zerstörtes, göttliches Emblem vor sich, den Inschriften nach zu urteilen wohl eine Manifestation einer der in den Hieroglypheninschriften genannten Gottheiten. Die somit als theophor zu bezeichnende Statue ist daher in den Kontext einer Tempelstiftung zu verorten. An beiden Seiten des Sitzes befinden sich jeweils vier Zeilen eines eingravierten Hieroglyphentexts, während die Sockelzone und der oberhalb der niedrigen Rückenlehne ansetzende, schmale Rückenpfeiler unbeschriftet geblieben sind. Die Inschrift der linken Seite lautet: „Der König gebe ein Opfer an Osiris-den-Herrscher, zu-Gast-im-Fayûm, damit jener gebe ein Totenopfer den Ka des Priesters der Isis, Wärters des Horus, Priesters der Bastet (namens) Hor-achbit, Sohnes des Gleichbetitelten Harsomtus.“ Die Inschrift der rechten Seite lautet: „Der König gebe ein Opfer an Sobek von Schedet, damit jener gebe ein Totenopfer den Ka des Priesters des Sobek-Horus, Dieners im Tempel-Sanktuar, berichterstattenden Priesters, der seinen Herrn ankleidet im Tempel von Krokodilopolis (namens) Hor-achbit, Sohnes des Gleichbetitelten Harsomtus.“Ein lokaler Priester namens Hor-achbit hat also nach Auskunft der Inschriften diese Statue gestiftet. Er war den Titeln gemäß für zahlreiche Gottheiten zuständig, wenn auch Ämterhäufungen in der Spätzeit nicht unbedingt der Realität entsprochen haben müssen und jene vielleicht teilweise eher Rang- denn Amtstitel waren. Priester der Isis, als Mutter des Sobek von Schedet, sind im Fayûm nur äußerst selten belegt. Auch für Bastet-Priester sind nur zwei weitere Belege vorhanden, so dass diese Statue eine wichtige Quelle für das spätzeitliche Kultgeschehen im Fayûm darstellt, zumal wir vom Haupttempel von Schedet in dieser Zeit nicht allzuviel wissen. Hor-achbit selbst ist aus anderen Quellen übrigens bislang nicht bekannt.Die Nennung von Schedet als Kultort einer Lokalform des krokodilgestaltigen Gottes Sobek verweist dabei auf die ursprüngliche Aufstellung. In diesem Ort im Fayûm, griechisch Krokodilopolis, heute Medinet al-Fayûm, wurde die Statue von Heinrich Brugsch gefunden. Dies spricht dafür, dass sie einst in den Ortstempel des lokalen Sobek in der Hauptstadt des Fayûm gestiftet worden sein dürfte(Jan Moje)

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