Hieratischer Papyrus mit einem Brief des Generals Pianchi an den Schreiber der Nekropole Tjaroi
Ident. Nr.: P 10487
ObjID: obj:808504
Kontakt
Einrichtung:
Ägyptisches Museum und Papyrussammlung
E-Mail:
aemp@smb.spk-berlin.deDetails (Expert)
- Beteiligte
- Weitere Titel
- Sammlungstitel: Hieratischer Papyrus mit einem Brief des Generals Pianchi an den Schreiber der Nekropole TjaroiÜbersetzung: Hieratic papyrus with a letter of general Pianchi to the scribe of the necropolis Tjaroi
- Geografische Bezüge
- Material / Technik
- Papyrus (Material); beidseitig, beschriftet (Technik)
- Abmessungen
- Höhe x Breite x Tiefe: 10,5 x 21,8 x 0,02 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/808504
Objektbeschreibung
Aus einem Konvolut mit Briefen des Generals Pianchi, heute auch als „Fall abgekürzter Justiz“ bekannt. Der hier vorliegende Brief ist die Nr. 1.
1.
Brief an den Schreiber der Nekropole Tjaroi. Ein offenbar
schwerwiegender Vorfall hatte sich in Theben ereignet: Zwei Polizisten
hatten über eine geheime Angelegenheit gesprochen. Genaueres wussten
selbstverständlich alle Beteiligten, aus dem erhaltenen Text erfahren
wir freilich nichts. Die Sache war heikel und erforderte schnelles
Handeln ohne Aufsehen. General Paianch, Sohn des Herihor, der als
Hohenpriester und General den oberägyptischen „Gottesstaat des Amun“
regierte, nahm sich der Angelegenheit an: „Der General des Pharaos an
den Schreiber der Nekropole Tjaroi:
Alle Dinge, von denen du geschrieben hast, sind zur Kenntnis genommen
worden. Bezüglich dessen, was du über die beiden Polizisten gesagt hast,
dass sie diese Reden führten, triff dich mit Nodjmet und mit
Paischuben, sie sollen (Leute) schicken und die beiden Polizisten zu
diesem (Paianchs) Haus bringen und jemanden holen, der bei ihren
Redereien wirklich dabei war. Wenn sie dann wissen, dass sie es gesagt
haben, so sollt ihr sie zwei Männern übergeben, diese sollen sie nachts
ins Wasser werfen. Und keiner im Lande soll etwas erfahren.“
Dieser Brief enthält noch eine weitere dienstliche Anweisung zur Bereitstellung von Gold und Silber.
2.
In fast gleichlautenden Schreiben befahl er den auch aus anderen
Urkunden bekannten Beamten Tjaroi und Paischuben von der
Nekropolenverwaltung, die beiden Polizisten zu verhaften, ihnen in
Gegenwart eines Zeugen der Indiskretion ihr Vergehen aufzuzeigen, zwei
zuverlässige Männer zu holen - einer sollte Paischuben sein - und die
Überführten töten und nachts im Nil verschwinden zu lassen. Zu
Stillschweigen wurden die Adressaten ausdrücklich verpflichtet.
3.
Ein dritter Brief informierte Nodjmet, die Mutter des Paianch und
Leiterin des Harems im Tempel des Gottes Amun-Re, über den Vorfall.
Diskretion musste ihr nicht auferlegt werden, hier war sie
selbstverständlich.
Möglich vielleicht,
dass die Beteiligten eine Anklage wegen Mordes fürchteten, sie bewahrten
jedenfalls diese drei Briefe zusammengerollt, mit Leinen umwickelt und
versiegelt an einem sicheren Ort auf.
I. Müller / J. Moje
Letzte Aktualisierung: 03.07.2026
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