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Die drei venezianischen Stadtkämmerer

Ident. Nr.: 316

ObjID: obj:863069

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Jacopo Tintoretto (1518 - 1594),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1571
Systematik/Art
Weitere Titel
Sammlungstitel: Die drei venezianischen Stadtkämmerer
Übersetzung: Three Venetian State Chamberlains
Geografische Bezüge
Herstellungsort: Italien,
Land
Material / Technik
Leinwand
Abmessungen
Bildmaß: 208 x 177 cm prüfen
Erwerbung
1841/42 Ankauf durch G. F. Waagen von dem Kunsthändler Baldeschi, Rom

Objektbeschreibung

Das Bild stammt aus dem Palazzo dei Camerlenghi (Sitz der Finanzverwaltung der Republik Venedig) am Rialto und befand sich im ersten der Amtsräume des Magistrato dei Camerlenghi di Comune. Die drei Kämmerer, die jeweils 16 Monate lang gemeinsam amtierten, knien in ihren Amtsroben vor dem HI. Markus, dem Stadtpatron Venedigs, der mit gekreuzten Beinen auf einem thronartigen Podest sitzt. Vorn links der Markuslöwe, sein Attribut. Der Heilige, auf dessen Schoß ein aufgeschlagenes Buch liegt, beugt sich in ernster Ermahnung zu den drei Camerlenghi herab und unterweist sie in ihren Amtspflichten. Der Abzählgestus der Hände und die Inschrift am oberen Rand des Podestes „TRES ET UNUS“ bedeuten den Hinweis, dass die Kämmerer ihr Amt gemeinsam auszuüben und „eine wie die Trinität unauflösbare Einheit zu bilden hätten“ (Hadeln 1911/12). Die Inschrift am unteren Rand des Podestes „PENSATE LA FIN“ ist als Mahnung zu verstehen, an das Ende der Amtszeit zu denken. Die drei Wappen am Sockel und die unter dem mittleren Wappen angebrachte Jahreszahl 1569 erlauben es, die Kämmerer als Marco da Molin, Carlo Cornaro und Niccolò Zane, Angehörige des venezianischen Adels, zu identifizieren. Marco da Molin starb vermutlich bald nach dem Amtsantritt, an seine Stelle trat bereits am14. 5. 1569 Giovanni Surian. Niccolò Zane war erst am 10, 11. 1569 bestellt worden und versah das Amt bis zum 9. 3. 1571. Dem Brauch entsprechend wurde das Bild vermutlich erst nach dem Ausscheiden des letzten Amtsinhabers gestiftet, also erst 1571 bei Tintoretto in Auftrag gegeben. Die nachträglich angebrachte Jahreszahl 1569 bezeichnet das gemeinsame Amtsjahr der drei Dargestellten. – Hinter ihnen stehen zwei Sekretäre. Der Hintergrund zeigt einen mit Platten ausgelegten Platz (den Molo?) und den Ausblick auf die Lagune. Wie der Röntgenbefund erweist, war an dieser Stelle ursprünglich eine hochragende Architektur mit Arkaden und pyramidenartigen Turmbekrönungen vorgesehen und bereits ausgeführt. Auch befand sich die Gestalt des Heiligen ursprünglich höher, der Kopf scheint fast bis an den oberen Bildrand gereicht zu haben. […] 
Nach Boschinis Beschreibung (1664) war das Bild über einer Tür angebracht. Daneben, in der Mitte der Wand, hing eine Darstellung des Markuslöwen von Carpaccio, auf deren anderer Seite Tintorettos Bild der „HI. Justina mit den drei Tesorieri“ (1580, Museo Correr). Es hat fast genau die gleichen Maße wie das Berliner Bild, ist gewissermaßen gegensinnig komponiert und wird im allgemeinen als Gegenstück des Berliner Bildes angesehen; allerdings fehlt in den alten Beschreibungen der Hinweis, dass es ebenfalls eine Supraporte war. Im gleichen Raum befand sich außerdem Tintorettos bedeutende querformatige „Madonna mit den Tesorieri" von 1566 (Venedig, Akademie, Nr. 210) ferner eine Darstellung „Der HI. Markus in der Luft den drei Camerlenghi erscheinend“ (verschollen). | Gemäldegalerie. Katalog der ausgestellten Werke Gemälde des 13.-18. Jahrhunderts 1975, S. 432-433

SIGNATUR / INSCHRIFT: unten (am Podest, oberer Rand) TRES ET VNNVS
unten (am Podest, unterer Rand) PENSATE LA FIN

Letzte Aktualisierung: 29.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Im Jahre 1902 erwarb das Museum durch den Kaiser-Friedrich-Museums-Verein aus dem Gymnasium zu Glatz, einer Stadt im Grenzbereich zwischen Schlesien und Nordböhmen, ein Hauptwerk der Böhmischen Schule. Die nach ihrer Herkunft Glatzer Madonna benannte Altartafel legt Zeugnis ab für die Blüte der Kunst am Hof Karls IV. zu Prag. Sie zeigt die Gottesmutter mit dem Kind auf einem architektonisch reich gestalteten Thron. Ein Engel setzt ihr eine Krone auf. In der Hand hält sie ein Lilienszepter. Ein Reichsapfel liegt in ihrem Schoß, ein Engel reicht ihr, die Knie beugend, einen weiteren dar. Diese Attribute kennzeichnen Maria als »regina coeli«, als Himmelskönigin. Der Christusknabe in ihrem Schoß hält eine Schriftrolle als einen Hinweis auf die »Schrift«, die nun erfüllt sei. Zwei Engel oben halten ein kostbares Ehrentuch, zwei weitere neigen sich aus Fenstern und schwingen Weihrauchfässer. Ein Engel links weist mit großer Gebärde auf die Gestalt des Stifters am Fuß des Thrones hin. 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Sie war ursprünglich nach italienischen Vorbildern von kleineren Darstellungen rahmenartig eingefaßt. Eine Schrift des 17. Jahrhunderts berichtet über den damaligen Zustand, wonach als kleine Bilder um die Tafel herum angeordnet waren: die Geburt Christi, die Beschneidung Christi, die Flucht nach Ägypten und Jesus im Tempel, also wohl eine Folge von Szenen aus dem Marienleben (Depictae in parvis imaginibus curae Divae Virginis ut …). Der Stifter am Fuß des Throns ist durch seine Amtszeichen, Pallium und Patriarchalkreuz, als Erzbischof ausgewiesen. Seine bischöflichen Insignien bringt er wie ein Opfer auf den Stufen des Throns dar. Anhand seiner Würdezeichen ist der Stifter der Tafel zu identifizieren. Es ist Ernst von Pardubitz, der erste Erzbischof Prags. Er ging in Glatz zur Schule, studierte in Italien und Paris und wurde 1343 zum Bischof ernannt. 1344 erwirkte er von Papst Clemens VI. in Avignon die Erhebung Prags zum Erzbistum. Prag wurde damit vom Erzbistum Mainz unabhängig und selbständig. Um 1350 gründete der Erzbischof in Glatz ein Augustinerchorherrenstift. In die Kirche dieses Klosters stiftete er möglicherweise unsere Altartafel. Wilhelm H.Köhler | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019_____________________________In 1902, with the help of the Kaiser Friedrich Museumsverein, the museum acquired one of the major works of the Bohemian School from the secondary school in Glatz (Kłodzko), a town in the border area between Silesia and Northern Bohemia. The altar panel known as the Virgin of Kłodzko, named after the place where it comes from, testifies to the flourishing of the arts at the Prague court of Charles IV. It shows the Mother of God with the Christ child sitting on a throne of elaborate architecture. An angel is placing a crown on her head. In her hand, she holds a scepter of lilies. An imperial orb lies in her lap, while a kneeling angel holds out a second one to her. These attributes identify Mary as regina coeli, the queen of heaven. The Christ child in her lap is holding a scroll as a reference to the “scriptures” that have now been fulfilled. Two angels at the top of the painting hold a precious cloth of honour; two others are leaning out of the windows swinging censers. An angel on the left is gesturing towards the figure of the patron at the foot of the throne. The throne, made of precious materials, is divided into many sections and as such is intended to represent a celestial edifice. Marble and precious stones in various colours confirm this impression. Noteworthy is its back made of wooden planks, perhaps cedar, the wood used to build Solomon’s Temple. Two lions can be seen intwo temple-like enclosures above the throne. Like the cedar planks, they recall the description of Solomon’s throne and temple. The symbolic reference to the throne suggests that the Christ child is the New Solomon and thus places his mother, in whose lap he lies, on a par with the throne itself. Mary is thus also identified as the seat of divine wisdom. Myriad symbolic allusions are woven into the depiction. A star above the throne in the gold ground recalls Mary’s epithet: stella maris or “star of the sea”.The surviving panel is incomplete. It was originally framed by smaller depictions, a design that followed Italian models. A 17th-century text tells us about the small images that were once placed around the central image: the Nativity, the Circumcision of Christ, the Flight into Egypt and Jesus in the Temple, evidently a series of scenes from the Life of the Virgin: “Depictae in parvis imaginibuscurae Divae Virginis ut […]”. The patron at the foot of the throne is identifiable as an archbishopthrough his official insignia, pallium and patriarchal cross. He lays his bishop’s insignia on the steps of the throne like a sacrifice. The patron of the panel can be identified: it is Ernst of Pardubice, Prague’s first archbishop, who attended school in Glatz (Kłodzko), studied in Italy and Paris and was appointed a bishop in 1343. In 1344, he succeeded in having Prague raised to the status of an archbishopric by Pope Clemens VI in Avignon. Prague thus became independent of the archbishopric of Mainz and an archbishopric in its own right. Around 1350, the archbishop founded an Augustinian canonical seminary in Glatz (Kłodzko). He may have donated this altar panel to the monastery church. Wilhelm H.Köhler | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019