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Der Mann mit dem Goldhelm

Ident. Nr.: 811A

ObjID: obj:865524

Credit: Eigentum des Kaiser Friedrich Museumsvereins

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Unbekannt,
Maler*in
Umkreis: Rembrandt Harmensz van Rijn (1606 - 1669),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1650/60
Systematik/Art
Weitere Titel
Der Mann mit dem Goldhelm
Übersetzung: The Man with the Golden Helmet
Geografische Bezüge
Herstellungsort: Holland,
Region
Material / Technik
Leinwand
Abmessungen
Bildmaß: 67,5 x 50,7 cm
Erwerbung
1897 Ankauf im Kunsthandel P. & D. Colnaghi, London

Objektbeschreibung

Der „Mann mit Goldhelm“ ist heute unlösbar mit der Berliner Gemäldegalerie und ihrer wechselhaften Geschichte verknüpft. Kein anderes Bild hat aufgrund seiner enormen Popularität und Strahlkraft eine derart wichtige Rolle für die Sammlung gespielt.
In der lebensgroßen Büste eines nach schräg rechts gewendeten, älteren Mannes mit Prunkhelm und eisernem Halskragen meinte man lange ein Porträt des zehn Jahre älteren Bruders von Rembrandt, Adriaen, erkennen zu können. Tatsächlich stellt das Bild kein Porträt im herkömmlichen Sinne dar. Vielmehr handelt es sich hierbei um ein sogenanntes Tronie, also eine porträtähnliche Kopf- oder Charakterstudie mit starker Konzentration auf das dargestellte Gesicht. Obgleich diese Art von Bildern in der Regel nach einem lebenden Model gemalt wurde, sind sie nicht der Gattung des Porträts zuzurechnen. Da Tronies häufig als Demonstrationsstücke malerischer Virtuosität dienten, trat der ikonographische Inhalt meist in den Hintergrund. Dies gilt mit Sicherheit auch für den „Mann mit Goldhelm“. Das besondere Augenmerk des Künstlers lag hier fraglos auf der überzeugenden Wiedergabe der Bildpartie, die sich deutlich vom restlichen Bild abhebt und die bereits früh als „Hauptsache“ der Darstellung identifiziert wurde: dem reich verzierten Helm. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um eine zeitgenössische Kopfbedeckung, sondern um eine spanische oder italienische Sturmhaube des ausgehenden 16. Jahrhunderts. Derartig aufwendig verzierte und vergoldete Helme konnten sich nur die höchsten und mächtigsten Würdenträger leisten. Bei dem dargestellten Goldhelm handelt es sich somit um eine große Rarität und Kostbarkeit, die der Maler im Bild durch Beleuchtung und pastose Malweise entsprechend aufwendig inszenierte.
Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts taucht das Werk aus einer Schweizer Privatsammlung auf, ohne zuvor in Fachkreisen bekannt oder publiziert gewesen zu sein. Wilhelm von Bode erwarb das Bild 1897, nachdem er in ihm ein eigenhändiges Werk des Malers erkannt und den Dargestellten mit Rembrandts Bruder identifiziert hatte. Entscheidend für seine Zuweisung an Rembrandt dürfte der Vergleich mit einem signierten Werk des Malers gewesen sein, dass 1891 für das Mauritshuis in Den Haag angekauft wurde und das sowohl dasselbe Model als auch dieselbe Malweise aufweist (Vergleichsabbildung). In der Folge erlangte „Der Mann mit Goldhelm“ als eigenhändiges Werk Rembrandts größte Beliebtheit und stand stellvertretend für Bodes herausragende Kennerschaft.
1986 wurde das Bild nach ausführlichen kunsttechnologischen und kunsthistorischen Untersuchungen endgültig abgeschrieben und dem Rembrandt Umkreis zugeordnet. Auch den neuesten Untersuchungen zufolge, stammt das Gemälde nicht von Rembrandts Hand, wurde jedoch höchstwahrscheinlich in Amsterdam in der Zeit von 1650-1660 produziert. Dies legt u.a. die typische Ausprägung des Bildes als eigenständiges Kunstwerk einer späten Tronie nahe. Der charakteristische Einsatz von Smalte sowie die Verwendung eines bestimmten, auch auf anderen Bildern des Rembrandtkreises auftauchenden Modells lassen zudem den Schluss zu, dass der Maler in Rembrandts Werkstatt gearbeitet haben muss, zumindest jedoch engen Kontakt zu dieser gehabt haben dürfte. Katja Kleinert und Claudia Laurenze-Landsberg | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
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The Man with the Golden Helmet is today inextricably linked to the Berlin Gemäldegalerie and its eventful history. No other painting has played such an important role in the collection, thanks to its enormous popularity and aura.

In this life-sized head of an elderly man with a splendid helmet and an iron gorget, turned diagonally to the right, it was long thought that a portrait of Rembrandt’s brother Adriaen, who was ten years older, had been identified. In fact, the painting does not represent a portrait in the conventional sense. It is rather a so-called tronie, a head or character study similar to a portrait with a strong emphasis on the depicted face. Although works of this kind were usually painted from a living model, they are not to be assigned to the portrait genre. As the purpose of a tronie was often to demonstrate virtuosity as a painter, the iconographic content usually took a back seat. This undoubtedly applies to The Man with the Golden Helmet. The artist’s particular attention was in this case unquestionably devoted to convincingly rendering the part of the work that is clearly distinguished from the rest of the painting, and was identified at an early date as the “main thing” about the picture: the sumptuously decorated helmet. This is not, however, contemporary headgear, but a Spanish or Italian war helmet of the late 16th century. Such elaborately adorned and gilded helmets were affordable only for the highest-ranking and most powerful office holders. The depicted golden helmet is thus an item of great rarity and preciousness, which the painter displayed in the work with appropriate lavishness through the lighting and pastose style of painting.

The work emerged from a Swiss private collection only in the late 19th century, without having previously been known in expert circles or having been published. Wilhelm von Bode acquired the painting in 1897, having identified it as a work by the hand of Rembrandt himself and the subject as his brother. A decisive factor in his attribution to Rembrandt may have been comparison with a signed work by the artist that was bought in 1891 for the Mauritshuis in The Hague and appears to show both the same model and the same manner of painting. Subsequently The Man with the Golden Helmet came to enjoy great popularity as work by Rembrandt’s own hand, and to represent Bode’s outstanding connoisseurship.

In 1986, following thorough investigation using technological and art-historical methods, the attribution was withdrawn once and for all, and it was designated a work by Rembrandt’s circle. According to the most recent examinations, too, the painting does not derive from Rembrandt himself but was most probably produced in Amsterdam in the period between 1650 and 1660. This is indicated by, among other things, the typical manner of the picture as an autonomous work of art in the form of a late tronie. Moreover, the characteristic use of smalt and of a particular model, who also appears on other paintings from Rembrandt’s circle, permit the conclusion that the artist must have worked in Rembrandt’s studio, or at least have been in close contact with him. Katja Kleinert und Claudia Laurenze-Landsberg | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 03.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Friedrich der Große vor der Schlacht bei Torgau

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Im Jahre 1741 trat Rode in die Werkstatt des preußischen Hofmalers Pesne ein. Hier konnte er seine künstlerischen Fähigkeiten optimal erschließen. Sicher auch auf dessen Anregung hin begab sich Rode um 1749 auf eine mehrjährige Studienreise nach Paris. Anfang der fünfziger Jahre weilte er gemeinsam mit dem Maler Adolf Friedrich Harper in Rom und Venedig. Hier hatten es ihm die glühenden Farben der Bilder von Tizian und Tintoretto angetan. Seit etwa 1753 lebte Rode wieder in Berlin. Die Erfahrungen der Studienreisen prägten sein künstlerisches Selbstverständnis. Mit nur unwesentlichen Modifikationen behielt er seinen Stil bis zum Lebensende bei. Seit 1770 wurde Rode in den Unterlagen der Berliner Kunstakademie als »Historien-Mahler« geführt. Mehrfach hatte er bereits erfolgreich für Friedrich den Großen gearbeitet. Dieser muss Rodes Stücke sehr geschätzt haben. So überrascht es nicht, dass er den Maler 1783 umgehend auf die vakante Akademiepräsidentenstelle berief. Mit der Reorganisation der Akademie unter ihrem Präsidenten Rode und dessen Stellvertreter Daniel Nikolaus Chodowiecki im Jahre 1786 ist auch dem neuen allgemeinen Interesse an vaterländischer Geschichte und ihrer Bewahrung in Artefakten entsprochen worden. Fortan unterstützte die Akademie zeitgemäße Kunst durch die Formulierung geeigneter Prämierungsgrundsätze. Sie sollte gewissermaßen »aus der uns allen sehr interessanten Brandenburgischen Geschichte« schöpfen, wie Chodowiecki im Mai 1786 in einem Vortrag äußerte. Einen Höhepunkt bedeuteten die von Christoph Friedrich Nicolai zwischen 1788 und 1792 veröffentlichten sechs Hefte: Anekdoten von König Friedrich II. von Preußen und von einigen Personen, die um ihn waren. Es handelt sich hierbei um eine geprüfte frühe Quellenliteratur. Diese Veröffentlichungen haben auch Rodes Ereignisbilder zur vaterländischen Geschichte maßgeblich bestimmt. Er war der erste Maler in Brandenburg-Preußen, der sich bemühte, Historiographie frei von barockem Pathos in weltliche Ereignisbilder umzusetzen. Damit hatte der Künstler sich weitgehend vom klassischen Historienbild gelöst, wo die Taten exponierter Personen in mythologische oder religiöse Handlungen eingebettet wurden.Ein Zeugnis dieser neuen Reflexionsweise ist unser Gemälde, für dessen thematische Rahmenhandlung ein Hauptgefecht des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) gewählt wurde. Nachdenklich lehnt der König an einer Eiche, die als Kompositionsachse dient. Er behütet den Schlaf seines treuen Dieners, des Husarengenerals Hans Joachim von Zieten. Eine Soldatenfrau, glücklich über das in der Nähe befindliche Feuer, stellt einen Topf mit Kartoffeln in den provisorischen Herd, ohne die Herrschaften zu bemerken. Eifrig facht sie die Glut an, so dass Asche in des Königs Gesicht geblasen wird. Dieser aber lässt sie gnädig gewähren, während er sich mit seinem Mantel schützt. Die Figuren sind in ein gedachtes ungleichschenkliges Dreieck gespannt, wodurch eine geradezu klassische Statuarik entsteht. Eine schöne Landschaft umschließt die Gruppe. Sie ist das Resultat von Rodes vielfältigen Naturstudien im Harz, im märkischen Oderland sowie in Schlesien. Das Licht des Lagerfeuers hebt die Akteure der Haupthandlung hervor. Damit hatte sich Rode die Möglichkeit eröffnet, die Glut eines gedämpften Kolorits zu verwenden, wie er es während seiner venezianischen Studienzeit kennen- und schätzengelernt haben dürfte. Eine flüchtige Zeichnung zur Vorbereitung der Komposition von Rodes Hand wird im Berliner Kupferstichkabinett aufbewahrt. Das Gemälde wurde auf der Berliner Akademieausstellung des Jahres 1793 gezeigt. Es gehört zu einer locker gefügten Fridericiana, die zwischen 1786, respektive 1791, und 1795 entstand. Von den ursprünglich strenggenommen – acht Bildern sind nur vier erhalten. Erstaunlicherweise ist zu Lebzeiten des Malers keines von ihnen verkauft worden. Offenbar entsprachen die hier geschilderten Charaktereigenschaften des verblichenen Königs – Bescheidenheit, Furchtlosigkeit und Witz – sowie die Verwendung zeitgenössischer Kostüme nicht den Vorstellungen des Publikums, dem das zeitlos Erhabene vorzuschweben schien.| 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2010SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. rechts unten am Stein: B. Rode / 1791._____________________________________________________________An anecdote relates that the king leant thoughtfully against an oak. He is watching over the sleep of his faithful servant, the Hussar General Zieten. A soldier’s wife is placing a pot of potatoes on the provisional hearth, without noticing the gentlemen. She is fanning the ashes so enthusiastically that ash is being blown in the king’s face. However, he graciously allows her to continue, while he protects himself with his cloak. The glow of the campfire highlights the protagonists. The painting was shown at the 1793 Berlin Academy exhibition (picture no. 2). It belongs to the so-called Fridericiana, a loose set of paintings by Rode created between 1786 and 1795, that were subsequently declared to be a series and depict important events of the biography of Frederick the Great (1712–1786). The Fridericiana ideologically follows the Brandenburgiana, a series of paintings by Rode created between 1757 and 1763 depicting events from Brandenburg-Prussian history.

Die Apostel Petrus und Johannes, segnend

Die Apostel Petrus und Johannes, segnend

Das Bild stammt von einer beidseitig bemalten Prozessionsfahne, die Vasari für die Compagnia dello Spirito Santo malte. Auf der anderen Seite war das Pfingstwunder dargestellt. Es befindet sich heute in der Bildergalerie, Potsdam Sanssouci. Beide Szenen stehen inhaltlich in unmittelbarem Zusammenhang. Nach der Ausgießung des Heiligen Geistes zu Pfingsten treten Petrus und Johannes gemeinsam auf, um als Jünger Christi dessen Lehre zu verbreiten. Auf den göttlichen Auftrag verweist die Taube des Heiligen Geistes, die über der Szene schwebt. Laut Apostelgeschichte hält Petrus eine wirkungsvolle Predigt und heilt im Beisein von Johannes einen Lahmen (Apg. 3,1-10). Er ist der Stellvertreter Christi auf Erden, ist befähigt, Wunder zu tun und kann darüber hinaus als Repräsentant der Kirche angesehen werden. Mit den Darstellungen auf der Prozessionsfahne, die zu Pfingsten durch die Stadt getragen wurde, verwiesen die Mitglieder der Bruderschaft auf ihre eigene Jüngerschaft und ihre Aufgabe als Verkünder des Evangeliums. Vasari war als Maler und Baumeister in Arezzo, Florenz und Rom tätig. Auf vielen Reisen sammelte er Material für die Lebensbeschreibungen italienischer Künstler, die heute eine der wichtigsten Quellen der Kunstgeschichte sind. | Prestel-Museumsführer - Gemäldegalerie Berlin, 2017__________________________________________________The picture conies from a processional banner painted on both sides that Vasari painted for the Compagnia dello Spirito Santo. The miracle of Pentecost was depicted on the other side. This work is now in the Bildergalerie in Potsdam- Sanssouci. The two scenes are closely linked in terms of content. After the outpouring of the Holy Spirit at Pentecost, Peter and John appeared together to spread Christ’s teaching as his disciples. The pentecostal dove hovering over the scene refers to the divine mission. The account adds that sick people were healed by Peter’s shadow as he passed by (Acts of the Apostles 3, 1-10). He is Christ’s representative on earth, is able to perform miracles and can also be seen as representing the whole church. The members of the Brotherhood were identifying their own discipleship and their mission to proclaim the gospel in the images on the processional banner that was carried through the city at Whitsuntide. Vasari worked as a painter and architect in Arezzo, Florence and Rome. He travelled a great deal, and collected material for accounts of Italian artists’ lives, which are important sources of art history. | Prestel Museum Guides - Gemäldegalerie Berlin, 2017