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La Vigilia di San Pietro

Ident. Nr.: Streit.4

ObjID: obj:870480

Credit: Leihgabe der Streitschen Stiftung

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Giovanni Antonio Canal (1697-1768),
Maler*in
Sigismund Streit (1687 - 1775),
Auftraggeber*in
Datierung
Ausführung: um 1758/59
Systematik/Art
Geografische Bezüge
Herstellungsort: Italien,
Land
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Bildmaß: 119 x 186,9 cm
Erwerbung
Seit 1964 Leihgabe der Streitschen Stiftung, Berlin

Objektbeschreibung

Der gebürtige Venezianer Giovanni Antonio Canal, genannt Canaletto gilt als bedeutendster italienischer Vedutenmaler der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Nachdem seine vorrangige Kundengruppe, die der englischen, zumeist adligen Reisenden auf Kavaliertour infolge des österreichischen Erbfolgekriegs am Canal Grande ausblieb, erhielt er nur noch wenige größere Aufträge. Zu diesen zählt eine vierteilige Serie für den Berliner und Wahlvenezianer Sigismund Streit (1687–1775), der ab 1709 in Venedig lebte und als Kaufmann reüssierte (Ident. Nr. Streit.1).
Schon im Frühjahr 1758 erreichte eine erste Schenkung einiger Bilder, die zuvor die Wohnräume Streits in Venedig geschmückt hatten, Berlin. Diese Bilder zumeist zeitgenössischer, in Venedig ansässiger Meister, sandte Streit zur Ausgestaltung seiner Stiftung an das Berlinische Gymnasium zum Grauen Kloster. Danach gab er gezielt weitere großformatige Gemälde in Venedig in Auftrag, die zur inhaltlich-ästhetischen Vertiefung seiner Stiftung in Berlin dienen sollten. So auch diese nächtliche Festdarstellung. Sie bildet mit drei weiteren Veduten eine Serie, deren große Gemälde Streit als „Galleriestücke“ bezeichnete. Dabei handelt es sich um zwei Stadtansichten von Venedig (Ident. Nr. Streit.3 und Streit.5) und zwei Festdarstellungen (Ident. Nr. Streit.4 und Streit.6). Je zwei der Werke bilden inhaltlich ein Paar: Das Pendant zu „La Vigilia di San Pietro“ ist „La Vigilia di Santa Marta“. Die Feste sind als Nachtstücke gestaltet, eine Besonderheit im Werk Canalettos. Die vier Gemälde standen für Streit in einem inhaltlichen Zusammenhang mit sechs Fest- und Zeremoniendarstellungen eines unbekannten Vedutisten, die er ebenso in Auftrag gegeben hatte, um sie nach Berlin zu senden (Ident. Nr. Streit.7–12).
Das Fest Vigilia di San Pietro (ital. Vorabend des Heiligen Petrus) fand alljährlich am Abend vor dem Gedenktag des Heiligen (29. Juni) vor der ihm geweihten Kirche San Pietro di Castello in Venedig statt. Es war eines der weniger bekannten Volks- bzw. Patronatsfeste, das sich aus Zeremonien zur Erinnerung an den venezianischen Sieg über eindringende Tataren im Jahr 888 entwickelt hatte. Die Kirche San Pietro di Castello war die Bischofskirche Venedigs und ab 1451 die des Patriarchen von Venedig (bis 1807).
In Canalettos Gemälde geht der Blick auf den Canal di San Pietro im Mondlicht, mit der Kirche auf der Insel Castello. Auch das Wohnhaus des Patriarchen ist zu sehen. Das Fest selbst ist als reges Treiben vor der Kirche auf der Uferbefestigung und auf dem Canal dargestellt: Unter aufgespannten Segeln werden Speisen zubereitet und verkauft, Musikanten spielen in Gondeln, ein Puppentheater erfreut Jung und Alt. Die stimmungsvolle Beleuchtung durch Mondlicht, Laternen und Feuerschein verleiht dem Werk eine geheimnisvolle Atmosphäre und demonstriert Canalettos virtuose Beherrschung von Licht und Schatten. Streit bezeichnet das Bild, dessen Wert er um 1763 in seinem „Verzeichnüß“ auf beachtliche 40 Golddukaten taxiert, als „sehr schönes Nachtstück“. Er weist insbesondere auf die meisterhafte Darstellung des Rauchers bei der Essenszubereitung hin. Ein Kupferstich nach diesem Ölgemälde erschien in der weit verbreiteten Sammlung „Prospectuum Ædium, Viarumque insigniorum Urbis Venetiarum Nautico certamine […] complectens, quas Antonius Canale coloribus expressit [&] Joannes Baptista Brustolon ære incidit“ in Venedig bei Ludovico Furlanetto 1763. Als Stecher fungierte Giovanni Battista Brustolon (1712–1796). Die Vorzeichnung des Kupferstichs stammt von Giovanni Battista Moretti (1700–1761).
Sigismund Streit, Sohn eines Berliner Huf- und Waffenschmieds sowie Bierbrauers, besuchte von 1697 bis 1701 das Berlinische Gymnasium zum Grauen Kloster. Nach dem Tod beider Eltern zog er vierzehnjährig 1701 zu Verwandten nach Altona und absolvierte eine kaufmännische Lehre. 1709 ging er nach Venedig, wo er zu Wohlstand gelangte. Der kinderlose Kaufmann stiftete später einen Teil seines Vermögens sowie seine Gemälde und zahlreiche Bücher seinem ehemaligen Gymnasium. Die Kriegszerstörung des Grauen Klosters in Berlin-Mitte im Zweiten Weltkrieg, die Nachkriegswirren und die Teilung der Stadt zogen die Überführung fast aller Streitschen Gemälde nach Berlin (West) nach sich. Seit 1964 befindet sich das Gemälde als Leihgabe der Streitschen Stiftung in der Gemäldegalerie.


Literatur: 

Rohrlach, Peter P.: La collezione di quadri nel Graues Kloster a Berlino, in: Arte Veneta V (1951), S. 198–201, hier S. 199
Zimmermann, Heinrich: Über einige Bilder der Sammlung Streit im Grauen Kloster zu Berlin, in: Zeitschrift für Kunstwissenschaft VII (1953), S. 197–224, hier S. 215–219, Abb. 13–15

Constable, William G.: Four Paintings by Antonio Canale in the Gymnasium zum Grauen Kloster, Berlin, in: Scritti di Storia dell’Arte in onore di Lionello Venturi, 1956, II, S. 81–93, Abb. 6

Constable, William G.: Canaletto. Giovanni Antonio Canal 1697–1768, Bd. I, Oxford 1962, S. 346f., Nr. 359, Abb. 359

Venedig im 18. Jahrhundert. Bilder aus der Streitschen Stiftung, hrsg. v. Erich Schleier, Ausst.-Kat. Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin, Juni–September 1974, Berlin 1974, S. 22f., Abb. 3

Gemäldegalerie Berlin, Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz. Katalog der ausgestellten Gemälde des 13.–18. Jahrhunderts, Berlin 1975, S. 83

Gemäldegalerie Berlin. Gesamtverzeichnis der Gemälde, hrsg. v. den Staatlichen Museen zu Berlin, Berlin 1986, S. 20, Abb. 1359; S. 547 

Canaletto, Ausst. Kat. Metropolitan Museum of Art, New York, 30.10.1989–21.1.1990, hrsg. v. Katharine Baetjer und Joseph G. Links, New York 1989, S. 269–273, Abb. 83
Venedigs Ruhm im Norden. Die großen venezianischen Maler des 18. Jahrhunderts, ihre Auftraggeber und ihre Sammler, Ausst. Kat. Forum des Landesmuseums Hannover, 3.12.1991–2.2.1992, Kunstmuseum Düsseldorf in Ehrenhof, 16.2.1992–26.4.1992, Hannover 1991, S. 35–36, 124f., Nr. 18

Gemäldegalerie Berlin. Gesamtverzeichnis der Gemälde, hrsg. v. den Staatlichen Museen zu Berlin, Berlin 1996, S. 26, Abb. 2493, S. 630

Blick auf den Canal Grande. Venedig und die Sammlung des Berliner Kaufmanns Sigismund Streit, Ausst.-Kat. Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin, 6.9.2002–12.1.2003, hrsg. v. Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin, Berlin 2002 (Bilder im Blickpunkt), Kat. 9, S. 74–88, S. 130, Abb. 12

Streit, Sigismund: Verzeichnüß Aller Bücher, Gemählde und Andere Sachen, so ich von Venedig und Padua aus, am Gymnasio zum Grauen Closter in Berlin in verschiedener Zeit gesandt habe, hrsg. v. Peter P. Rohrlach und Susanne Knackmuß, Berlin 2006
(Veröffentlichungen aus den Sammlungen des Berlinischen Gymnasiums zum Grauen Kloster, Bd. 1), S. 183–188, Abb. 21, S. 274, 324, Abb. 43


Inventarnummer der Streitschen Stiftung: Streitsche Stiftung Nr. 0165

Letzte Aktualisierung: 22.10.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Friedrich der Große vor der Schlacht bei Torgau

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Im Jahre 1741 trat Rode in die Werkstatt des preußischen Hofmalers Pesne ein. Hier konnte er seine künstlerischen Fähigkeiten optimal erschließen. Sicher auch auf dessen Anregung hin begab sich Rode um 1749 auf eine mehrjährige Studienreise nach Paris. Anfang der fünfziger Jahre weilte er gemeinsam mit dem Maler Adolf Friedrich Harper in Rom und Venedig. Hier hatten es ihm die glühenden Farben der Bilder von Tizian und Tintoretto angetan. Seit etwa 1753 lebte Rode wieder in Berlin. Die Erfahrungen der Studienreisen prägten sein künstlerisches Selbstverständnis. Mit nur unwesentlichen Modifikationen behielt er seinen Stil bis zum Lebensende bei. Seit 1770 wurde Rode in den Unterlagen der Berliner Kunstakademie als »Historien-Mahler« geführt. Mehrfach hatte er bereits erfolgreich für Friedrich den Großen gearbeitet. Dieser muss Rodes Stücke sehr geschätzt haben. So überrascht es nicht, dass er den Maler 1783 umgehend auf die vakante Akademiepräsidentenstelle berief. Mit der Reorganisation der Akademie unter ihrem Präsidenten Rode und dessen Stellvertreter Daniel Nikolaus Chodowiecki im Jahre 1786 ist auch dem neuen allgemeinen Interesse an vaterländischer Geschichte und ihrer Bewahrung in Artefakten entsprochen worden. Fortan unterstützte die Akademie zeitgemäße Kunst durch die Formulierung geeigneter Prämierungsgrundsätze. Sie sollte gewissermaßen »aus der uns allen sehr interessanten Brandenburgischen Geschichte« schöpfen, wie Chodowiecki im Mai 1786 in einem Vortrag äußerte. Einen Höhepunkt bedeuteten die von Christoph Friedrich Nicolai zwischen 1788 und 1792 veröffentlichten sechs Hefte: Anekdoten von König Friedrich II. von Preußen und von einigen Personen, die um ihn waren. Es handelt sich hierbei um eine geprüfte frühe Quellenliteratur. Diese Veröffentlichungen haben auch Rodes Ereignisbilder zur vaterländischen Geschichte maßgeblich bestimmt. Er war der erste Maler in Brandenburg-Preußen, der sich bemühte, Historiographie frei von barockem Pathos in weltliche Ereignisbilder umzusetzen. Damit hatte der Künstler sich weitgehend vom klassischen Historienbild gelöst, wo die Taten exponierter Personen in mythologische oder religiöse Handlungen eingebettet wurden.Ein Zeugnis dieser neuen Reflexionsweise ist unser Gemälde, für dessen thematische Rahmenhandlung ein Hauptgefecht des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) gewählt wurde. Nachdenklich lehnt der König an einer Eiche, die als Kompositionsachse dient. Er behütet den Schlaf seines treuen Dieners, des Husarengenerals Hans Joachim von Zieten. Eine Soldatenfrau, glücklich über das in der Nähe befindliche Feuer, stellt einen Topf mit Kartoffeln in den provisorischen Herd, ohne die Herrschaften zu bemerken. Eifrig facht sie die Glut an, so dass Asche in des Königs Gesicht geblasen wird. Dieser aber lässt sie gnädig gewähren, während er sich mit seinem Mantel schützt. Die Figuren sind in ein gedachtes ungleichschenkliges Dreieck gespannt, wodurch eine geradezu klassische Statuarik entsteht. Eine schöne Landschaft umschließt die Gruppe. Sie ist das Resultat von Rodes vielfältigen Naturstudien im Harz, im märkischen Oderland sowie in Schlesien. Das Licht des Lagerfeuers hebt die Akteure der Haupthandlung hervor. Damit hatte sich Rode die Möglichkeit eröffnet, die Glut eines gedämpften Kolorits zu verwenden, wie er es während seiner venezianischen Studienzeit kennen- und schätzengelernt haben dürfte. Eine flüchtige Zeichnung zur Vorbereitung der Komposition von Rodes Hand wird im Berliner Kupferstichkabinett aufbewahrt. Das Gemälde wurde auf der Berliner Akademieausstellung des Jahres 1793 gezeigt. Es gehört zu einer locker gefügten Fridericiana, die zwischen 1786, respektive 1791, und 1795 entstand. Von den ursprünglich strenggenommen – acht Bildern sind nur vier erhalten. Erstaunlicherweise ist zu Lebzeiten des Malers keines von ihnen verkauft worden. Offenbar entsprachen die hier geschilderten Charaktereigenschaften des verblichenen Königs – Bescheidenheit, Furchtlosigkeit und Witz – sowie die Verwendung zeitgenössischer Kostüme nicht den Vorstellungen des Publikums, dem das zeitlos Erhabene vorzuschweben schien.| 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2010SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. rechts unten am Stein: B. Rode / 1791._____________________________________________________________An anecdote relates that the king leant thoughtfully against an oak. He is watching over the sleep of his faithful servant, the Hussar General Zieten. A soldier’s wife is placing a pot of potatoes on the provisional hearth, without noticing the gentlemen. She is fanning the ashes so enthusiastically that ash is being blown in the king’s face. However, he graciously allows her to continue, while he protects himself with his cloak. The glow of the campfire highlights the protagonists. The painting was shown at the 1793 Berlin Academy exhibition (picture no. 2). It belongs to the so-called Fridericiana, a loose set of paintings by Rode created between 1786 and 1795, that were subsequently declared to be a series and depict important events of the biography of Frederick the Great (1712–1786). The Fridericiana ideologically follows the Brandenburgiana, a series of paintings by Rode created between 1757 and 1763 depicting events from Brandenburg-Prussian history.

Die Apostel Petrus und Johannes, segnend

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Das Bild stammt von einer beidseitig bemalten Prozessionsfahne, die Vasari für die Compagnia dello Spirito Santo malte. Auf der anderen Seite war das Pfingstwunder dargestellt. Es befindet sich heute in der Bildergalerie, Potsdam Sanssouci. Beide Szenen stehen inhaltlich in unmittelbarem Zusammenhang. Nach der Ausgießung des Heiligen Geistes zu Pfingsten treten Petrus und Johannes gemeinsam auf, um als Jünger Christi dessen Lehre zu verbreiten. Auf den göttlichen Auftrag verweist die Taube des Heiligen Geistes, die über der Szene schwebt. Laut Apostelgeschichte hält Petrus eine wirkungsvolle Predigt und heilt im Beisein von Johannes einen Lahmen (Apg. 3,1-10). Er ist der Stellvertreter Christi auf Erden, ist befähigt, Wunder zu tun und kann darüber hinaus als Repräsentant der Kirche angesehen werden. Mit den Darstellungen auf der Prozessionsfahne, die zu Pfingsten durch die Stadt getragen wurde, verwiesen die Mitglieder der Bruderschaft auf ihre eigene Jüngerschaft und ihre Aufgabe als Verkünder des Evangeliums. Vasari war als Maler und Baumeister in Arezzo, Florenz und Rom tätig. Auf vielen Reisen sammelte er Material für die Lebensbeschreibungen italienischer Künstler, die heute eine der wichtigsten Quellen der Kunstgeschichte sind. | Prestel-Museumsführer - Gemäldegalerie Berlin, 2017__________________________________________________The picture conies from a processional banner painted on both sides that Vasari painted for the Compagnia dello Spirito Santo. The miracle of Pentecost was depicted on the other side. This work is now in the Bildergalerie in Potsdam- Sanssouci. The two scenes are closely linked in terms of content. After the outpouring of the Holy Spirit at Pentecost, Peter and John appeared together to spread Christ’s teaching as his disciples. The pentecostal dove hovering over the scene refers to the divine mission. The account adds that sick people were healed by Peter’s shadow as he passed by (Acts of the Apostles 3, 1-10). He is Christ’s representative on earth, is able to perform miracles and can also be seen as representing the whole church. The members of the Brotherhood were identifying their own discipleship and their mission to proclaim the gospel in the images on the processional banner that was carried through the city at Whitsuntide. Vasari worked as a painter and architect in Arezzo, Florence and Rome. He travelled a great deal, and collected material for accounts of Italian artists’ lives, which are important sources of art history. | Prestel Museum Guides - Gemäldegalerie Berlin, 2017

Thronende Madonna / Glatzer Madonna

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Im Jahre 1902 erwarb das Museum durch den Kaiser-Friedrich-Museums-Verein aus dem Gymnasium zu Glatz, einer Stadt im Grenzbereich zwischen Schlesien und Nordböhmen, ein Hauptwerk der Böhmischen Schule. Die nach ihrer Herkunft Glatzer Madonna benannte Altartafel legt Zeugnis ab für die Blüte der Kunst am Hof Karls IV. zu Prag. Sie zeigt die Gottesmutter mit dem Kind auf einem architektonisch reich gestalteten Thron. Ein Engel setzt ihr eine Krone auf. In der Hand hält sie ein Lilienszepter. Ein Reichsapfel liegt in ihrem Schoß, ein Engel reicht ihr, die Knie beugend, einen weiteren dar. Diese Attribute kennzeichnen Maria als »regina coeli«, als Himmelskönigin. Der Christusknabe in ihrem Schoß hält eine Schriftrolle als einen Hinweis auf die »Schrift«, die nun erfüllt sei. Zwei Engel oben halten ein kostbares Ehrentuch, zwei weitere neigen sich aus Fenstern und schwingen Weihrauchfässer. Ein Engel links weist mit großer Gebärde auf die Gestalt des Stifters am Fuß des Thrones hin. In der vielgliedrigen Gestalt des aus kostbaren Materialien bestehenden Throns soll gleichsam ein himmlisches Gebäude anschaulich werden. Marmor und Edelsteine verschiedener Farbe bestimmen den Eindruck. Auffällig ist daneben die aus Brettern gefügte Rückwand, womit vielleicht Zedernholz gemeint ist, das beim Bau des Salomonischen Tempels Verwendung fand. In zwei tempelartigen Gehäusen oben sieht man zwei Löwen. Sie erinnern, wie auch die Bretter aus Zedernholz, an die Beschreibung des Thrones und Tempels Salomos. Der Sinnbezug auf den Salomonischen Thron deutet den Christusknaben als Neuen Salomo und setzt seine Mutter, in deren Schoß er ruht, dem Salomonischen Thron gleich. Maria wird so auch gekennzeichnet als Sitz der göttlichen Weisheit. Vielfältiger Art sind die in die Darstellung verwobenen symbolischen Anspielungen. Ein Stern über dem Thron im Goldgrund erinnert an den Beinamen Marias: »stella maris«, Maria als der Stern des Meeres. Die uns erhaltene Tafel ist unvollständig. Sie war ursprünglich nach italienischen Vorbildern von kleineren Darstellungen rahmenartig eingefaßt. Eine Schrift des 17. Jahrhunderts berichtet über den damaligen Zustand, wonach als kleine Bilder um die Tafel herum angeordnet waren: die Geburt Christi, die Beschneidung Christi, die Flucht nach Ägypten und Jesus im Tempel, also wohl eine Folge von Szenen aus dem Marienleben (Depictae in parvis imaginibus curae Divae Virginis ut …). Der Stifter am Fuß des Throns ist durch seine Amtszeichen, Pallium und Patriarchalkreuz, als Erzbischof ausgewiesen. Seine bischöflichen Insignien bringt er wie ein Opfer auf den Stufen des Throns dar. Anhand seiner Würdezeichen ist der Stifter der Tafel zu identifizieren. Es ist Ernst von Pardubitz, der erste Erzbischof Prags. Er ging in Glatz zur Schule, studierte in Italien und Paris und wurde 1343 zum Bischof ernannt. 1344 erwirkte er von Papst Clemens VI. in Avignon die Erhebung Prags zum Erzbistum. Prag wurde damit vom Erzbistum Mainz unabhängig und selbständig. Um 1350 gründete der Erzbischof in Glatz ein Augustinerchorherrenstift. In die Kirche dieses Klosters stiftete er möglicherweise unsere Altartafel. Wilhelm H.Köhler | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019_____________________________In 1902, with the help of the Kaiser Friedrich Museumsverein, the museum acquired one of the major works of the Bohemian School from the secondary school in Glatz (Kłodzko), a town in the border area between Silesia and Northern Bohemia. The altar panel known as the Virgin of Kłodzko, named after the place where it comes from, testifies to the flourishing of the arts at the Prague court of Charles IV. It shows the Mother of God with the Christ child sitting on a throne of elaborate architecture. An angel is placing a crown on her head. In her hand, she holds a scepter of lilies. An imperial orb lies in her lap, while a kneeling angel holds out a second one to her. These attributes identify Mary as regina coeli, the queen of heaven. The Christ child in her lap is holding a scroll as a reference to the “scriptures” that have now been fulfilled. Two angels at the top of the painting hold a precious cloth of honour; two others are leaning out of the windows swinging censers. An angel on the left is gesturing towards the figure of the patron at the foot of the throne. The throne, made of precious materials, is divided into many sections and as such is intended to represent a celestial edifice. Marble and precious stones in various colours confirm this impression. Noteworthy is its back made of wooden planks, perhaps cedar, the wood used to build Solomon’s Temple. Two lions can be seen intwo temple-like enclosures above the throne. Like the cedar planks, they recall the description of Solomon’s throne and temple. The symbolic reference to the throne suggests that the Christ child is the New Solomon and thus places his mother, in whose lap he lies, on a par with the throne itself. Mary is thus also identified as the seat of divine wisdom. Myriad symbolic allusions are woven into the depiction. A star above the throne in the gold ground recalls Mary’s epithet: stella maris or “star of the sea”.The surviving panel is incomplete. It was originally framed by smaller depictions, a design that followed Italian models. A 17th-century text tells us about the small images that were once placed around the central image: the Nativity, the Circumcision of Christ, the Flight into Egypt and Jesus in the Temple, evidently a series of scenes from the Life of the Virgin: “Depictae in parvis imaginibuscurae Divae Virginis ut […]”. The patron at the foot of the throne is identifiable as an archbishopthrough his official insignia, pallium and patriarchal cross. He lays his bishop’s insignia on the steps of the throne like a sacrifice. The patron of the panel can be identified: it is Ernst of Pardubice, Prague’s first archbishop, who attended school in Glatz (Kłodzko), studied in Italy and Paris and was appointed a bishop in 1343. In 1344, he succeeded in having Prague raised to the status of an archbishopric by Pope Clemens VI in Avignon. Prague thus became independent of the archbishopric of Mainz and an archbishopric in its own right. Around 1350, the archbishop founded an Augustinian canonical seminary in Glatz (Kłodzko). He may have donated this altar panel to the monastery church. Wilhelm H.Köhler | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019