La Vigilia di San Pietro
Ident. Nr.: Streit.4
ObjID: obj:870480
Credit: Leihgabe der Streitschen Stiftung
Details (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- Ausführung: um 1758/59
- Systematik/Art
- Geografische Bezüge
- Material / Technik
- Öl auf Leinwand
- Abmessungen
- Bildmaß: 119 x 186,9 cm
- Erwerbung
- Seit 1964 Leihgabe der Streitschen Stiftung, Berlin
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/870480
Objektbeschreibung
Der gebürtige Venezianer Giovanni Antonio Canal, genannt Canaletto gilt als bedeutendster italienischer Vedutenmaler der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Nachdem seine vorrangige Kundengruppe, die der englischen, zumeist adligen Reisenden auf Kavaliertour infolge des österreichischen Erbfolgekriegs am Canal Grande ausblieb, erhielt er nur noch wenige größere Aufträge. Zu diesen zählt eine vierteilige Serie für den Berliner und Wahlvenezianer Sigismund Streit (1687–1775), der ab 1709 in Venedig lebte und als Kaufmann reüssierte (Ident. Nr. Streit.1).
Schon im Frühjahr 1758 erreichte eine erste Schenkung einiger Bilder, die zuvor die Wohnräume Streits in Venedig geschmückt hatten, Berlin. Diese Bilder zumeist zeitgenössischer, in Venedig ansässiger Meister, sandte Streit zur Ausgestaltung seiner Stiftung an das Berlinische Gymnasium zum Grauen Kloster. Danach gab er gezielt weitere großformatige Gemälde in Venedig in Auftrag, die zur inhaltlich-ästhetischen Vertiefung seiner Stiftung in Berlin dienen sollten. So auch diese nächtliche Festdarstellung. Sie bildet mit drei weiteren Veduten eine Serie, deren große Gemälde Streit als „Galleriestücke“ bezeichnete. Dabei handelt es sich um zwei Stadtansichten von Venedig (Ident. Nr. Streit.3 und Streit.5) und zwei Festdarstellungen (Ident. Nr. Streit.4 und Streit.6). Je zwei der Werke bilden inhaltlich ein Paar: Das Pendant zu „La Vigilia di San Pietro“ ist „La Vigilia di Santa Marta“. Die Feste sind als Nachtstücke gestaltet, eine Besonderheit im Werk Canalettos. Die vier Gemälde standen für Streit in einem inhaltlichen Zusammenhang mit sechs Fest- und Zeremoniendarstellungen eines unbekannten Vedutisten, die er ebenso in Auftrag gegeben hatte, um sie nach Berlin zu senden (Ident. Nr. Streit.7–12).
Das Fest Vigilia di San Pietro (ital. Vorabend des Heiligen Petrus) fand alljährlich am Abend vor dem Gedenktag des Heiligen (29. Juni) vor der ihm geweihten Kirche San Pietro di Castello in Venedig statt. Es war eines der weniger bekannten Volks- bzw. Patronatsfeste, das sich aus Zeremonien zur Erinnerung an den venezianischen Sieg über eindringende Tataren im Jahr 888 entwickelt hatte. Die Kirche San Pietro di Castello war die Bischofskirche Venedigs und ab 1451 die des Patriarchen von Venedig (bis 1807).
In Canalettos Gemälde geht der Blick auf den Canal di San Pietro im Mondlicht, mit der Kirche auf der Insel Castello. Auch das Wohnhaus des Patriarchen ist zu sehen. Das Fest selbst ist als reges Treiben vor der Kirche auf der Uferbefestigung und auf dem Canal dargestellt: Unter aufgespannten Segeln werden Speisen zubereitet und verkauft, Musikanten spielen in Gondeln, ein Puppentheater erfreut Jung und Alt. Die stimmungsvolle Beleuchtung durch Mondlicht, Laternen und Feuerschein verleiht dem Werk eine geheimnisvolle Atmosphäre und demonstriert Canalettos virtuose Beherrschung von Licht und Schatten. Streit bezeichnet das Bild, dessen Wert er um 1763 in seinem „Verzeichnüß“ auf beachtliche 40 Golddukaten taxiert, als „sehr schönes Nachtstück“. Er weist insbesondere auf die meisterhafte Darstellung des Rauchers bei der Essenszubereitung hin. Ein Kupferstich nach diesem Ölgemälde erschien in der weit verbreiteten Sammlung „Prospectuum Ædium, Viarumque insigniorum Urbis Venetiarum Nautico certamine […] complectens, quas Antonius Canale coloribus expressit [&] Joannes Baptista Brustolon ære incidit“ in Venedig bei Ludovico Furlanetto 1763. Als Stecher fungierte Giovanni Battista Brustolon (1712–1796). Die Vorzeichnung des Kupferstichs stammt von Giovanni Battista Moretti (1700–1761).
Sigismund Streit, Sohn eines Berliner Huf- und Waffenschmieds sowie Bierbrauers, besuchte von 1697 bis 1701 das Berlinische Gymnasium zum Grauen Kloster. Nach dem Tod beider Eltern zog er vierzehnjährig 1701 zu Verwandten nach Altona und absolvierte eine kaufmännische Lehre. 1709 ging er nach Venedig, wo er zu Wohlstand gelangte. Der kinderlose Kaufmann stiftete später einen Teil seines Vermögens sowie seine Gemälde und zahlreiche Bücher seinem ehemaligen Gymnasium. Die Kriegszerstörung des Grauen Klosters in Berlin-Mitte im Zweiten Weltkrieg, die Nachkriegswirren und die Teilung der Stadt zogen die Überführung fast aller Streitschen Gemälde nach Berlin (West) nach sich. Seit 1964 befindet sich das Gemälde als Leihgabe der Streitschen Stiftung in der Gemäldegalerie.
Rohrlach, Peter P.: La collezione di quadri nel Graues Kloster a Berlino, in: Arte Veneta V (1951), S. 198–201, hier S. 199
Canaletto, Ausst. Kat. Metropolitan Museum of Art, New York, 30.10.1989–21.1.1990, hrsg. v. Katharine Baetjer und Joseph G. Links, New York 1989, S. 269–273, Abb. 83
Inventarnummer der Streitschen Stiftung: Streitsche Stiftung Nr. 0165
Schon im Frühjahr 1758 erreichte eine erste Schenkung einiger Bilder, die zuvor die Wohnräume Streits in Venedig geschmückt hatten, Berlin. Diese Bilder zumeist zeitgenössischer, in Venedig ansässiger Meister, sandte Streit zur Ausgestaltung seiner Stiftung an das Berlinische Gymnasium zum Grauen Kloster. Danach gab er gezielt weitere großformatige Gemälde in Venedig in Auftrag, die zur inhaltlich-ästhetischen Vertiefung seiner Stiftung in Berlin dienen sollten. So auch diese nächtliche Festdarstellung. Sie bildet mit drei weiteren Veduten eine Serie, deren große Gemälde Streit als „Galleriestücke“ bezeichnete. Dabei handelt es sich um zwei Stadtansichten von Venedig (Ident. Nr. Streit.3 und Streit.5) und zwei Festdarstellungen (Ident. Nr. Streit.4 und Streit.6). Je zwei der Werke bilden inhaltlich ein Paar: Das Pendant zu „La Vigilia di San Pietro“ ist „La Vigilia di Santa Marta“. Die Feste sind als Nachtstücke gestaltet, eine Besonderheit im Werk Canalettos. Die vier Gemälde standen für Streit in einem inhaltlichen Zusammenhang mit sechs Fest- und Zeremoniendarstellungen eines unbekannten Vedutisten, die er ebenso in Auftrag gegeben hatte, um sie nach Berlin zu senden (Ident. Nr. Streit.7–12).
Das Fest Vigilia di San Pietro (ital. Vorabend des Heiligen Petrus) fand alljährlich am Abend vor dem Gedenktag des Heiligen (29. Juni) vor der ihm geweihten Kirche San Pietro di Castello in Venedig statt. Es war eines der weniger bekannten Volks- bzw. Patronatsfeste, das sich aus Zeremonien zur Erinnerung an den venezianischen Sieg über eindringende Tataren im Jahr 888 entwickelt hatte. Die Kirche San Pietro di Castello war die Bischofskirche Venedigs und ab 1451 die des Patriarchen von Venedig (bis 1807).
In Canalettos Gemälde geht der Blick auf den Canal di San Pietro im Mondlicht, mit der Kirche auf der Insel Castello. Auch das Wohnhaus des Patriarchen ist zu sehen. Das Fest selbst ist als reges Treiben vor der Kirche auf der Uferbefestigung und auf dem Canal dargestellt: Unter aufgespannten Segeln werden Speisen zubereitet und verkauft, Musikanten spielen in Gondeln, ein Puppentheater erfreut Jung und Alt. Die stimmungsvolle Beleuchtung durch Mondlicht, Laternen und Feuerschein verleiht dem Werk eine geheimnisvolle Atmosphäre und demonstriert Canalettos virtuose Beherrschung von Licht und Schatten. Streit bezeichnet das Bild, dessen Wert er um 1763 in seinem „Verzeichnüß“ auf beachtliche 40 Golddukaten taxiert, als „sehr schönes Nachtstück“. Er weist insbesondere auf die meisterhafte Darstellung des Rauchers bei der Essenszubereitung hin. Ein Kupferstich nach diesem Ölgemälde erschien in der weit verbreiteten Sammlung „Prospectuum Ædium, Viarumque insigniorum Urbis Venetiarum Nautico certamine […] complectens, quas Antonius Canale coloribus expressit [&] Joannes Baptista Brustolon ære incidit“ in Venedig bei Ludovico Furlanetto 1763. Als Stecher fungierte Giovanni Battista Brustolon (1712–1796). Die Vorzeichnung des Kupferstichs stammt von Giovanni Battista Moretti (1700–1761).
Sigismund Streit, Sohn eines Berliner Huf- und Waffenschmieds sowie Bierbrauers, besuchte von 1697 bis 1701 das Berlinische Gymnasium zum Grauen Kloster. Nach dem Tod beider Eltern zog er vierzehnjährig 1701 zu Verwandten nach Altona und absolvierte eine kaufmännische Lehre. 1709 ging er nach Venedig, wo er zu Wohlstand gelangte. Der kinderlose Kaufmann stiftete später einen Teil seines Vermögens sowie seine Gemälde und zahlreiche Bücher seinem ehemaligen Gymnasium. Die Kriegszerstörung des Grauen Klosters in Berlin-Mitte im Zweiten Weltkrieg, die Nachkriegswirren und die Teilung der Stadt zogen die Überführung fast aller Streitschen Gemälde nach Berlin (West) nach sich. Seit 1964 befindet sich das Gemälde als Leihgabe der Streitschen Stiftung in der Gemäldegalerie.
Literatur:
Zimmermann, Heinrich: Über einige Bilder der Sammlung Streit im Grauen Kloster zu Berlin, in: Zeitschrift für Kunstwissenschaft VII (1953), S. 197–224, hier S. 215–219, Abb. 13–15
Constable, William G.: Four Paintings by Antonio Canale in the Gymnasium zum Grauen Kloster, Berlin, in: Scritti di Storia dell’Arte in onore di Lionello Venturi, 1956, II, S. 81–93, Abb. 6
Constable, William G.: Canaletto. Giovanni Antonio Canal 1697–1768, Bd. I, Oxford 1962, S. 346f., Nr. 359, Abb. 359
Venedig im 18. Jahrhundert. Bilder aus der Streitschen Stiftung, hrsg. v. Erich Schleier, Ausst.-Kat. Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin, Juni–September 1974, Berlin 1974, S. 22f., Abb. 3
Gemäldegalerie Berlin, Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz. Katalog der ausgestellten Gemälde des 13.–18. Jahrhunderts, Berlin 1975, S. 83
Gemäldegalerie Berlin. Gesamtverzeichnis der Gemälde, hrsg. v. den Staatlichen Museen zu Berlin, Berlin 1986, S. 20, Abb. 1359; S. 547
Venedigs Ruhm im Norden. Die großen venezianischen Maler des 18. Jahrhunderts, ihre Auftraggeber und ihre Sammler, Ausst. Kat. Forum des Landesmuseums Hannover, 3.12.1991–2.2.1992, Kunstmuseum Düsseldorf in Ehrenhof, 16.2.1992–26.4.1992, Hannover 1991, S. 35–36, 124f., Nr. 18
Gemäldegalerie Berlin. Gesamtverzeichnis der Gemälde, hrsg. v. den Staatlichen Museen zu Berlin, Berlin 1996, S. 26, Abb. 2493, S. 630
Blick auf den Canal Grande. Venedig und die Sammlung des Berliner Kaufmanns Sigismund Streit, Ausst.-Kat. Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin, 6.9.2002–12.1.2003, hrsg. v. Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin, Berlin 2002 (Bilder im Blickpunkt), Kat. 9, S. 74–88, S. 130, Abb. 12
Streit, Sigismund: Verzeichnüß Aller Bücher, Gemählde und Andere Sachen, so ich von Venedig und Padua aus, am Gymnasio zum Grauen Closter in Berlin in verschiedener Zeit gesandt habe, hrsg. v. Peter P. Rohrlach und Susanne Knackmuß, Berlin 2006
(Veröffentlichungen aus den Sammlungen des Berlinischen Gymnasiums zum Grauen Kloster, Bd. 1), S. 183–188, Abb. 21, S. 274, 324, Abb. 43
Letzte Aktualisierung: 22.10.2026
Kontakt
Einrichtung:
Gemäldegalerie
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