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Christus als Schmerzensmann

Ident. Nr.: F 772

ObjID: obj:884026

Details (Expert)

Datierung
um 1590
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Breite: 9 x 5,7 cm

Objektbeschreibung

Der kostbare Anhänger ist ein Kleinod von höchstem handwerklichem und künstlerischem Rang. Die Vorderseite ist als Mikroarchitektur in Form einer Ädikula – einer Bogenstellung zwischen zwei Säulen – gestaltet. In der Mitte erscheint Christus als Schmerzensmann. Die Werkzeuge seines Martyriums sind hinter ihm aufgerichtet: Kreuz mit Leiter, Hammer und Zange, Essigschwamm, Lanze und Dornenkrone. Zu seinen Füßen erscheinen die Würfel, mit denen die Schächer um seinen Rock spielten und links steht auf einem Säulenstumpf der Hahn, bis zu dessen Krähen ihn der Apostel Petrus dreimal verleugnet hatte (Mk 14,66–72; Mt 26,69–75; Lk 22,56–62; Joh 18,15–18, 25–27).
Die Rückseite des Anhängers zeigt in kräftigen, transluziden Emailfarben symmetrisch komponierte Grotesken – ein charakteristisches Renaissance-Ornament, das sich an antiken Wandbemalungen in der 1479 wiederentdeckten Domus Aurea des Kaisers Nero (reg. 54–68) in Rom orientierte. In ein feingliedriges, um eine Hermenfigur angeordnetes Ranken- und Bogenwerk sind Darstellungen von Vasen, Trophäen, Früchten und Vögeln verwoben. Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts verwendeten die Goldschmiede zur vereinfachten Produktion und leichteren Wiederholung solcher Tiefschnittschmelze Patrizen aus Blei oder Zinn, nach denen die goldenen Trägerplatten des Emails im Gussverfahren hergestellt wurden und bei denen die Gruben für das Email anschließend nur noch nachgestochen werden mussten.
Der aus Antwerpen stammende Goldschmied Erasmus Hornick (1524/27–1583) hatte die Grundform dieses Anhängertyps entwickelt und 1565 in Nürnberg in einer Folge von Radierungen veröffentlicht. Nach deren Vorbild, stilistisch aber deutlich fortgeschrittener ist unser Anhänger mit Christus als Schmerzensmann wohl um 1590 in Augsburg, vielleicht als Werk des David Altenstetter (um 1547–1617), entstanden. LL

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Konfektschale mit Hirsch im Gehege in Distel- und Eichenkranz aus dem Lüneburger Ratssilber

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Hirsch, Eichenkranz sowie Figürchen und Blätter im Schalengrund gegossen. Schalenrand gesondert gearbeitet. Fußrand und -zarge, Schalenrand, innerer Rand der Schalenbuckel, Reliefs des Fonds sowie Mittelteil mit Ausnahme des Hügels vergoldet. Hügel mit Resten grünen, transluziden Emails, Schale mit einer Art Bajonettverschluß am Fuß befestigt. Ein Schalenbuckel beschädigt.Schalenkörper in der Grundform und der Art des Dekors dem des vorhergehenden Stückes nahe verwandt, Wölbungen flacher, Umzäunung des Hügels abweichend, Hirsch wohl nach demselben Modell gegossen. Sechspassiger, breitrandiger und gebuckelter Fuß, Zarge mit durchbrochenen Vierpässen in Rauten. Gedrehter Schaft aus mehreren Reihen gegenläufig angeordneter und miteinander verschränkter Fischblasenbuckel. Schale durch 14 Halbbuckel gegliedert, Rand gekehlt und profiliert. Auf dem gepunzten Fond getriebenes, aus einem Stamm entspringendes Astwerk, darum herum aufgelegte Akanthuswedel, Hirsche, Hunde und ein Jäger mit Spieß und Jagdhorn. In gekehlten Stufen hochgewölbtes Mittelteil, bekrönt von einem liegenden Hirsch auf einem Hügel mit Flechtwerkzaun, Türchen und Vorhängeschloß. Auf den Stufen ein Distel- und ein von acht Rosetten gehaltener Eichenkranz.Die beiden am Zaun befestigten emaillierten Wappen gehören Cord Lange (gest. 1506) und seiner Frau Ghebeke Schomaker (gest. 1502). Die Stiftung an den Rat dürfte noch zu Lebzeiten des Bürgermeisters erfolgt sein. Sehr wahrscheinlich entstand das Stück in derselben Werkstatt wie Inv. Nr. 1874,395, gehört aber mit seinem gedrehten Schaft – in der ungefügen, quellenden Buckelung technisch offenbar noch nicht beherrscht – einer späteren stilistischen Phase an .