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Buckelpokal mit hl. Christophorus aus dem Lüneburger Ratssilber

Ident. Nr.: 1874,373

ObjID: obj:885735

Details (Expert)

Beteiligte
Kord Olbrecht (Meister 1516, zwischen 1528 und 1537 mehrfach für den Rat tätig, gest. 1540),
Goldschmied*in
Datierung
1528
Abmessungen
Höhe x Durchmesser: 67 x 21 cm (oben)
Gewicht: 2875 g

Objektbeschreibung

Fußzarge, innerer Ring der Schaftkrause, Blattkranz des Deckels, Blütenkorb und Figur gegossen. Fußunterseite unvergoldet. Kuppa in den Schaft eingesteckt und durch einen Stift gesichert. Deckelreif zusammen mit dem Kranz aufgesteckt und vernietet. Deckelbekrönung sechsteilig. Marken (zweimal) unter dem Fußrand. Sehr qualitätvolle Arbeit. – Ast des Christophorus abgebrochen.
Der Pokal ist dem wenig kleineren Lübecker (Inv. Nr. 1874,374) weitgehend nachgebildet, unterscheidet sich jedoch in charakteristischer, den Zeitgeschmack verratender Weise: Er zeigt eine gleichmäßigere, flachere Buckelung, eine geringere Torsion von Kuppa und Deckel, eine schärfere Schaftgratung wie eine schematischere Behandlung des Blattdekors – Merkmale eines nicht mehr von der Natur inspirierten, sondern eher wieder an der Architektur orientierten Formwillens. Auf dem Knauf die Figur des hl. Christophorus mit dem Christuskind. Er stützt sich auf einen Ast, an dem das emaillierte Wappen des Stifters Ludolph Garlop befestigt ist. Dieses erscheint neben dem seiner Gemahlin Wobbeke von Tzerstede nochmals am Fuß. Am Deckelrand eingravierte Inschrift: D(OMl)N(V)S LVDOLPHVS GARLOP PROCONSVL DEDIT / OBIIT ANNO DOMINI 1486 IN PROFESTO ANDREE APOSTOLI (Herrn Ludolf Garlop, Bürgermeister, hat es gegeben. Er starb im Jahre des Herrn 1486 am Tage vor dem des Apostel Andreas).

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Pokal mit Genien und Schraubfuß

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Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth]MAKR