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Beweinung Christi

Ident. Nr.: 1898,219

ObjID: obj:887731

Details (Expert)

Beteiligte
Monvaerni-Meister (1467/1500-1501/1515)
Datierung
um 1500
Abmessungen
Höhe x Breite: 24 x 22,5 cm ohne Rahmen
Höhe x Breite: 32,6 x 38 cm mit Rahmen

Objektbeschreibung

Im Mittelpunkt der Darstellung sitzt Maria unter dem Kreuz, die Hände klagend vor der Brust gefaltet. Sie blickt auf das Antlitz ihres Sohnes, dessen starrer Körper auf ihrem Schoß liegt. Johannes zur Linken hält den Kopf Christi mit der Dornenkrone in einem goldbestickten Tuch: Magdalena, zur rechten kniend, hat die linke Hand des Toten ergriffen und beugt sich zu ihr herab. Hinter dieser die Bildbreite füllenden Figurengruppe stehen im Mittelgrund seitlich die Kreuze, an denen die beiden Schächer, mit gebrochenen Knochen und blutenden Wunden, angebunden sind. Dem linken, „guten“ Schächer ist der Kopf auf die Brust gesunken, der Oberkörper des rechten, „bösen“ Schächers ist nach vorn gefallen. Der Hintergrund bietet Ausblick in eine weite Landschaft mit der Silhouette Jerusalems, einer befestigten Stadt mit Turmgruppen, am lichten Horizont. Der Himmel ist über und über mit Sternen und gestreckten Haufenwölkchen überzogen.
Die Proportionen der Figuren wirken regellos, die Gestalten besitzen auffallend kleine Köpfe im Verhältnis zu ihren Körpern. Das scheint nicht auf die Vorlage zurück zu gehen, wie der Vergleich mit anderen Werken zeigt. Einzelne Farbeffekte, wie die rot-gelben Kugelfrüchte an den Bäumen oder die gelb-grüne Dornenkrone Christi, können als spezifisch für den eigenwilligen Umgang des Emailleurs mit seinen farblichen Mitteln angesehen werden. Diese Farbeffekte basieren auf solchen mittelalterlicher Emailkunst. Ungewöhnlich ist das Fehlen von „Edelsteinen“ aus farbigen Glasflüssen, kugeligen Glasperlen (cabochons) in Nimben und Gewandsäumen vor allem, die für die frühen Werke Limousiner Emailmalerei sonst charakteristisch sind.
Ein Prototyp dieser in vielen Varianten auch in Malerei und Skulptur verbreiteten Pietà ließ sich bislang nicht bestimmen. Das ikonographische Vorbild ist aufgrund des Figuren- und Faltenstils in der niederländischen Kunst oder deren Einflußbereich zu vermuten. Aufgrund der hart geschnittenen Gesichtszüge diente als unmittelbare Vorlage womöglich ein Holzschnitt.
Das Format der Tafel und der Vergleich mit anderen Werken legen nahe, daß es sich hierbei um die Mitteltafel eines Triptychons gehandelt haben könnte. Die schmaleren Seitenflügel hätten dann womöglich Figuren stehender Heiliger gezeigt.
SN

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Pokal mit Genien und Schraubfuß

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Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth]MAKR

Ausfall aus einer belagerten Stadt

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Das kleine, von einem schmalen silbergelben Rahmen eingefasste Kabinettstück ist auf Nahsicht angelegt. Rechts im Bild erblickt man eine Stadt, die durch eine hohe Mauer und dicke wehrhafte Türme, einen Festungsgraben und einen niedrigen Wall geschützt ist. Von den Hausdächern wehen breite, gelbweiß gestreifte Fahnen, und links auf einer halbrunden Bastion zeigen dicke Rauchwolken, dass dort soeben zwei Feldschlangenabgeschossen wurden. Aus dem Stadttor rechts quillt ein breiter Strom von Fußsoldaten, bewaffnet mit Lanzen und Musketen, und strebt, angeführt von einem berittenen Offizier, den feindlichen Truppen am linken Bildrand entgegen, die sie freilich schon mit angelegten Gewehren erwarten. Während die ersten Söldner das Gefecht bereits eröffnet haben, sieht man im Hintergrund eine Kompanie Reiter mit erhobenem gelb-weiß gestreiftenBanner, die sich in gestrecktem Galopp der feindlichen Kavallerie entgegenwirft.Die Darstellung ist mit Sorgfalt gezeichnet, Stadtmauer, Dächer, Pferde und einzelne Kleidungsstücke sind in hellem Eisenrot, Rahmen und Fahnen in orangegelbem Ton, Bäume und Rasen in sehr lichtem Silbergelb koloriert. Ob die Scheibe als Einzelstück Verwendung fand, ist nicht gewiss, ihres schmalen Formats wegen mag sie auch als Oberbild etwa eines Wappens gedient haben.Anhaltspunkte für die Datierung bietet die Tracht der Soldaten, deren knielange Pluderhosen wie die von hohen Stoffhüten verdeckten Helme ab 1540/50 in Mode waren. Die Stadt weist eine vage Ähnlichkeit zu Nürnberg auf, doch lässt sich die Glasmalerei wegen ihres schmalen Formats mit keinem der dort erhaltenen Stücke vergleichen. Vielmehr erinnert die Schlachtenszene an typische Sujets in den Oberbildern der SchweizerScheiben, weshalb man annehmen möchte, dass sie von dorther stammt.CVMA 98776