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Doppelköpfiger Reichsadler mit Herzschild Österreich und vier Szenen eines Turniers

Ident. Nr.: 1907,164

ObjID: obj:890079

Details (Expert)

Beteiligte
Werkstatt: Veit Hirschvogel (der Ältere) (1461–1525),
Glasmaler*in
Entwurf: Hans Suess von Kulmbach (ca. 1480 - 1522),
Maler*in
Datierung
um 1508
Abmessungen
Durchmesser x Tiefe: 32,5 x 0,9 cm

Objektbeschreibung

Die Rundscheibe besteht aus einem Wappenschild in der Mitte, vier an diesen anschließenden Passfeldern, kleinen Zwickeln zwischen ihnen und
einem umlaufenden, von den Passfeldern überschnittenen Rand. Der Wappenschild zeigt den doppelköpfigen, nimbierten und gezüngten Reichsadler in Schwarz vor Gelb mit dem Herzschild Österreich. Die vier Passfelder (oben beginnend und im Uhrzeigersinn nummeriert) zeigen ein Turnier in vier Szenen: Auf den Feldern 2 und 4 galoppieren die in Rennzeug gekleideten Ritter begleitet von ihren Knappen in der Rennen genannten Turnierform aufeinander zu; die Helmzierden der Ritter sind auf Feld 4 eine stehende Frau, auf Feld 2 zwei Garnwinden. Die drei berittenen Trompetenbläser, vielleicht Herolde, auf Feld 1 wie auch die beiden, in die Farben der Ritter gekleideten Narren auf Feld 3 sind Nebenfiguren des Turniers. Bemerkenswert ist die genaue Wiedergabe der Turnierharnische: bei beiden Rittern sind Rennhut, Renntartsche, Brechscheibe und Dilge sowie die Rossstirn gut erkennbar, beim Ritter in Feld 2 überdies der Rüsthaken. Die Ballien genannte Schranke im Hintergrund von Feld 2 zeichnet den Ort als Turnierplatz aus, hatte aber beim Rennen, das auf freier Bahn stattfand, keine Funktion.
Die Scheibe gehört in einen Zusammenhang von mindestens dreizehn weiteren, meist erhaltenen Zeichnungen und Scheiben, die zwischen 1480/90 und 1530 geschaffen wurden. Zugrunde liegt ein nicht erhaltener Scheibenriss, der dem Hausbuchmeister zugeschrieben wird und der aus zwei themengleichen, nur in Einzelheiten verschiedenen Rundscheiben zu rekonstruieren ist; die Zeichnung dürfte vor 1490 entstanden sein. Nach diesem ersten Riss bzw. aufgrund der nach ihm geschaffenen Zeichnungen oder Scheiben, wird ein nicht erhaltener Scheibenriss entstanden sein; vermutlich hat Hans von Kulmbach ihn geschaffen. Nach diesem zweiten Riss entstand eine auf 1508 datierte Rundscheibe in The Walters Art Museum Baltimore (Acc. 46.76), bei der sich die Darstellung von Feld 1 in Feld 3 findet.
Die überwiegend aus weißen Gläsern bestehende Scheibe, vermehrt um rote und blaue Scherben, lebt vor allem vom virtuosen Umgang mit variiertem Silbergelb sowie unterschiedlichen Braun- und Schwarzloten. Frei gelegte Stellen bedeuten Höhungen der Objekte im Licht, gewischte Lote und Schraffuren schaffen Plastizität. Dabei zeugt der Einsatz der negativen wie positiven Mittel, die insgesamt zeichnerisch eingesetzt sind, von sicherem Umgang und überzeugender Umsetzung eines mutmaßlichen Risses, der sich in einer vermutlich gleichzeitigen, Hans von Kulmbach zugeschriebenen Zeichnung erhalten hat.
Für eine Datierung in die Zeit um 1508 wie für die Ausführung dieser und der zugehörigen Scheiben (Inv. Nr. 1907,163-165) in der Hirsvogel-Werkstatt spricht die Nähe zu der 1508 datierten Scheibe mit Turnierszenen nach Entwurf des Hans von Kulmbach in The Walters Art Museum Baltimore (Acc. 46.76).
CVMA 98710

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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