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Konfektschale auf drei Schildhaltern mit Hirsch im Gehege aus dem Lüneburger Ratssilber

Ident. Nr.: 1874,395

ObjID: obj:893887

Details (Expert)

Datierung
um 1480
Abmessungen
Höhe x Durchmesser: 20 x 36,5 cm
Gewicht: 2686 g

Objektbeschreibung

Fußgestell, Zinnenring (an der Schale) und Figuren gegossen. Fußgestell außen, Schilde, Schalenrand, Fond, Kranz, Sockelmitte mit Zaun und Hirsch vergoldet, der Hügel mit Resten grünen, transluziden Emails. Tragefiguren durch einen Zinnenring verbunden, der an eine Manschette gelötet ist. Auf dieser sitzt die Schale, gehalten von einem Zungenkranz. - Eine Frucht im aufgelegten Blattkranz der Schale und Geweih des Hirsches verloren.
Das Gerät lehnt sich im Aufbau an die Evangelisten- und die Kirchenväterschale (Inv. Nr. 1874, 394 und 1874, 393) an. Die tragenden Schildhalter sind nach einem Modell gegossen. Im Fond der tiefen Schale getriebenes Geäst mit Blättern und Früchten (Feigen?). Im Zentrum ein Hügel mit liegendem Hirsch, umgeben von einem Flechtzaun mit überdachtem Tor und Vorhängeschloß. Aufgelegt ein Kranz aus Blättern und Früchten und vier Wappen.
Eines der Wappen dürfte das des Besitzers sein, des Ratsherren Johannes junior von dem Lohe, der 1468 Sülfmeister und 1480 Kämmerer wurde (gest. 1482). Das zweite Wappen von dem Lohe verweist im Verein mit dem der Godenstede auf die Eltern, Johannes von dem Lohe (gest. 1471) und dessen erste Frau Gesche von Godenstede, das vierte Wappen ist das der Großmutter mütterlicherseits Tibbecke von Töbing, die seit 1466 Witwe war. Wie die Kämmereirechnungen verzeichnen, kam die Schale 1482 aus dem Nachlaß des Johannes von dem Lohe auf das Rathaus: "Hr. Johan vam lo 129m 9s hyrto noch syne beste suluere schale de quam vpp dat Radthus vnd wogh." Kurz wird sie im Inventar von 1555/56 erwähnt: "Ein grote sulueren schale her Johan van Loess."

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Großer Gießlöwe aus dem Lüneburger Ratssilber

Großer Gießlöwe aus dem Lüneburger Ratssilber

Körper aus zweiteiliger Form, Vordertatzen und Hinterbeine mit Schenkeln gesondert gegossen. Sorgfältig ziseliert und, so das Fell, punziert. Wohl ehemals ganz vergoldet, am Hinterteil abgegriffen. Racheninneres rot und die Augen (in Resten) schwarz kalt bemalt. Marken auf der Innenseite des Eingußdeckels und auf der Rückseite des Wappens.Den Rachen drohend geöffnet, die muskulösen Hinterbeine rückwärts in den Boden gestemmt und den Schwanz s-förmig nach oben geschlagen, erscheint das mächtige Tier in Angriffspose. Es faßt mit der rechten Pranke den Wappenschild des Stifters, hält im Maul ein sich gabelndes, in zwei Drachenköpfen endigendes Rohr und trägt auf dem Rücken einen zweibeinigen Drachen. Ein weiterer Drache ringelt sich an der linken Vorderpranke des Löwen. Über dem emaillierten Allianzwappen der Familien Stöterogge und Stoketo die Widmungsinschrift: D HARVIC(VS) STOTEROGGE P(RO)TH(O)CO(N)SVL INCLITO DEDIT SENATVI 1540 (Herr Bürgermeister Hartwig Stöterogge schenkte ihn dem berühmten Senat 1540).Hartwig I Stöterogge war 1499 zum Bürgermeister von Lüneburg gewählt worden und starb 1539. Er war seit 1486 mit Margareta Stoketo verheiratet und Vater von Nikolaus I Stöterogge, der dem Rat den Jesse-Pokal (s. Inv. Nr.1874,381) schenkte. Der Gießlöwe wird bereits im Inventar von 1555/56 erwähnt: "Ein grott sulueren Louw thom dele vorguldet, so her Hartich Stoterogge ethwan Burgermester dem Rade gegeuen."

Wappen des Sixtus Oelhafen

Wappen des Sixtus Oelhafen

Das in leuchtenden Farben ausgeführte Medaillon zeigt vor rotem Strahlenkranz und von einer gelben Rahmenbordüre mit Ranken und stilisierten Blüten umschlossen das Wappen der Oelhafen. Die Familie entstammte einem Zürcher Stadtgeschlecht, das sich im 14. und 15. Jahrhundert nach Nördlingen, Lauingen, Leipzig und Breslau verbreitete, 1546 den kaiserlichen Wappen- oder Adelsbrief erhielt, jedoch erst 1729 ratsfähig wurde.Ihr bedeutendstes Mitglied war der in Nördlingen geborene Sixtus Oelhafen (um 1456–1539), der als oberster Sekretär gleich drei Kaisern diente – Kaiser Friedrich III., Maximilian I. und Karl V. Sixtus Oelhafen ließ sich 1499 in Nürnberg nieder, erwarb 1519 das Bürgerrecht und wurde im gleichen Jahr Genannter des Größeren Rats. Sein Dienst beim Kaiser brachte ihm den Ruf eines geschickten Politikers ein, der sein diplomatischesTalent auch zum Nutzen der Reichsstädte einsetzte und allseits geachtet wurde. Kaiser Friedrich hatte ihn bereits im Jahr 1489 durch die Vermehrung und Verbesserung seines Wappens ausgezeichnet, das ursprünglich nur einen gelben dreibeinigen Kessel mit Henkel zwischen zwei geschlossenen blauen Hörnern zeigte, der seitdem jedoch wie hier in Blau von einem nach rechts steigenden gelben Löwen getragen wird.Die meisterliche Zeichnung des Löwen verrät ebenso wie das fein ziselierte und ohne Schablone aus dem Halbton radierte Rankenwerk die Hand des Augustin Hirsvogel (vgl. Inv. Nr. K 7022 und K 7197). Verwandte Tier- und Rankenmotive begegnen immer wieder in seinen Stichen. An der geschweiften und gezackten Form des Schildes, dem Blattwerk auf dessen Oberkante und an dem stilisierten Pflanzenornament der Rahmenbordürezeigt sich seine Hinwendung zur Frührenaissance. Wie in der Werkstatt seines Vaters, Veit Hirsvogel d.Ä., üblich, versah er die roten Gläser mit eingeritztem Brandzeichen, hier einem J. Das kleine Medaillon dürfte noch in seiner Nürnberger Zeit entstanden sein, mithin vor 1536. CVMA 98782