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Interimspokal aus dem Lüneburger Ratssilber

Ident. Nr.: 1874,380

ObjID: obj:895997

Details (Expert)

Beteiligte
zugeschrieben: Jochim Worm (Meister 1536 - 1558),
Goldschmied*in
Datierung
wohl 1552/1553
Abmessungen
Höhe x Durchmesser: 60 x 22,5 cm (oben)
Gewicht: 3917 g

Objektbeschreibung

Fußzarge, Christusfigur und Drache, Deckelbekrönung und Wappenschild gegossen. Ränder und vollplastische Köpfe der Kuppa gesondert gearbeitet. Beschlagornament des Deckels und Fußunterseite unvergoldet. Marken auf dem Stützzylinder unter dem Fuß. – Kopf der Deckelfigur verloren.
Vierpassiges, horizontal gegliedertes und dicht reliefiertes Gefäß. Prall gewölbter Fuß mit getrepptem Rand, eingeschnürt von einer Zahnschnittzarge. Weinranken auf gepunztem Grund, oben mit Teufelsfigürchen, unten eingefaßt von Beschlagwerk. Als Schaft Gestalt des segnenden Christus auf krötenähnlichem Drachen mit geringeltem Schwanz und Köpfen von Papst, Teufel (als gefallener, geflügelter Engel) und Türke. Auf dem Haupt Dornenkrone und kapitellartiger Laubkranz, als Abschluß flacher Blattkranz. Kuppa stark eingeschnürt, aufgelegt ein Kranz mit gerolltem Akanthus und Rosetten, unten zwischen Fruchtdekor je zwei vollplastische Frauen- bzw. Kriegerköpfe in Kartuschen, oben vier ovale, sich herauswölbende und von Beschlagwerk mit Fruchtgirlanden und grotesken Masken gerahmte Darstellungen. Diese werden durch Inschriften auf dem vierpassigen, konischen Mündungsrand erläutert:
1. Christi Taufe im Jordan: HIC EST FILIVS MEVS DlLECTVS IN QUO MIHI BENE COMPLACITVM EST: MATE 3 (Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Mt 3,17). 2. Die Verklärung Christi: HIC EST FILIVS MEVS DILECT(VS) IN QUO MIHI BENE COMPLACVI IPSVM AVDITE: MAT. 17 (Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören. Mt 17,5). 3. Predigt des Apostels Paulus: ETIA(M) Sl NOS AVT ANGEL(VS) E COELO PREDICAVERIT VOBIS EVANGELIVM PRETER ID QUOD P(RAE)DICAVIM(VS). GALA I (Auch wenn wir oder ein Engel vom Himmel das Evangelium predigte, anders denn wir euch gepredigt haben, der sei verflucht. Gal 1,8). 4. Die Versuchung Christi durch den Teufel: ABI SATANA SCRIPTVM EST ENIM DOM(INVM) DEVM TVVM ADORABIS ET ILLVM SOLV(M) COLES. MAT 4 (Hebe dich hinweg von mir, Satan, denn es steht geschrieben: Du sollst anbeten Gott, deinen Herrn, und ihm dienen. Mt 4,10).
Entsprechend der Kuppa befinden sich vier gewölbte Reliefmedaillons auch auf dem Deckel. Darin kniend je zwei betende Figuren: Papst und Kardinal, Kaiser und König, Ritter und Fürst (?), Priester und Mönch, die sich auf die bekrönende Deckelfigur, die babylonische Hure auf dem siebenköpfigen Ungeheuer, beziehen. Sockelaufbau aus profiliertem Ring, grob bearbeitetem Wulst mit Laub- und Beschlagwerkdekor nebst vier Köpfen und garnrollenförmigem Gebilde. Auf der Rückseite der Figur nachträglich angebrachter reliefierter Wappenschild der Stifter Heinrich Witzendorff und Elisabeth Töbing. Im Deckelinneren emailliertes Wappen der Besteller Franz Witzendorff und Ursula Garlop sowie geritzte Jahreszahl (15)74. Den Anlaß erklärt eine auf dem Fußrand gravierte Inschrift: INTERIM ORTVM AVGVSTAE VINDELICORVM SVB CAROLO QUINTO IMPERATORE MAXIMO ANNO SALVTIS MDCXLVIII EX TINCTVM VERO AVSPICIIS MAVRITII ELE(C)TORIS ET CONFOEDERATORV(M) AN(N)O 1552 (Das Interim hat in Augsburg unter Kaiser Karl V. im Jahre des Heils 1548 begonnen, wurde aber durch den Kurfürsten Moritz und die Verbündeten ausgelöscht im Jahre 1552). Im Inneren der Kuppa eine Reihe übereinander angebrachter Knöpfe als Marken für die Trinker.

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Rote Kasel mit den Wappen des Erzbischofs Albrecht von Brandenburg (1490-1545)

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Die Kasel im Zuschnitt des 18. Jahrhunderts mit rundem Halsausschnitt und Schlitz ist aus rotem, broschiertem Seidendamast gefertigt und mit nicht zusammengehörigen Besätzen, einem Stab auf der Vorderseite und einem Kreuz auf der Rückseite, geschmückt. Im Zuge der Anpassung an die Form des 18. Jahrhunderts ist die Kasel gekürzt und ringsum mit einer schmalen gelben Seidenborte eingefasst worden. Eine etwas breitere, ähnliche Borte dient als Einfassung von Kreuz und Stab. Zwei unter den Kreuzarmen applizierte runde Wappenschilde weisen die Kasel als eine Stiftung Albrechts von Brandenburg aus. Die Wappen: In einem Kranz aus ineinander geschlungenen Ranken sind rechts die Wappen von Brandenburg (roter Adler), Stettin (roter Greif) und Zollern( Schwarz/Silber geviert) vereint. Die linke Wappenkombination verweist auf die geistlichen Herrschaften des Erzbischofs: Mainz (sechsspeichiges Rad), Magdeburg (Rot/Silber quergeteilt) und Halberstadt (Rot/Silber längsgespalten). Ein Samtbehang im Domschatz von Halberstadt zeigt ebenfalls runde, von Ranken gerahmte Wappen, allerdings steht hier bei den Wappen der geistlichen Herrschaften jenes von Halberstadft an erster Stelle. Dies belegt, dass dieser Behang eine Stiftung Albrechts an Halberstadt war. In Berlin hingegen besetzt das Mainzer Rad die erste Stelle, wodurch die Stiftung für Mainz gesichert ist. Albrecht von Brandenburg war seit 1513 Erzbischof von Magdeburg sowie Administrator des Bistums von Halberstadt und ab 1514 Erzbischof und Kurfürst von Mainz. 1518 erfolgte die Erhebung Albrechts zum Kardinal. Ab diesem Zeitpunkt wurden seine Wappen mit dem Kardinalshut versehen. Dieser fehlt auf unserer Kasel. So dürfen wir annehmen, dass die Stiftung der Kasel zwischen 1514 und 1518 erfolgt. Das Gewebe:Das Muster des prunkvollen Seidengewebes zeigt siebenfach geschweifte Rosetten, darin Granatapfelmotive in einem Blatt- und Blütenkranz. Jede Rosette ist mit Blüten besetzt und wird von einer dreifachen Granatapfelblüte bekrönt. Kielbögen aus abgetreppten Ranken stellen die Verbindung zur darüber angeordneten Rosette her. Zwischen den Kielbögen sitzen Varianten der Granatapfelmotive. Alte Knicke, Brüche und die gestückelte Vorderseite belegen, dass der Damast in Zweitverwendung verarbeitet wurde.Kaselkreuz:Das in der Länge beschnittene Kaselkreuz auf der Rückseite zeigt vor goldfarbenem Grund Christus am Kreuz mit den Trauernden Maria, Johannes Evangelista und darunter Maria Magdalena, die den Kreuzstamm umarmt. Über dem Kruzifixus schwebt in einem Wolkenband segnend Gottvater mit einer Weltkugel, in den Kreuzbalken die Apostel Petrus und Paulus mit ihren Attributen. Der bis nach unten durchgeführte Stamm verbindet die Kreuzigungsszene mit der Darstellung der trauernden Maria Magdalena. Kaselkreuze mit nahezu identischer Ikonographie, doch unterschiedlicher stilistischer und materieller Ausführung sind zahlreich erhalten und bezeugen die weite Verbreitung dieses Typus vom Mittelrhein bis nach Mittel- und Süddeutschland. Kaselstab:Der Stab zeigt in Spiralsonnenrahmen zwei untereinander angeordnete männliche Heilige. Ihre hochrechteckige Form lässt vermuten, dass es sich um ehemalige Besätze eines Chormantels handelt, die durch die Spiralsonnen zur passenden Breite ergänzt wurden. Die Figuren wurden direkt auf den Leinengrund gestickt, ihr schlechter Erhaltungszustand erlaubt keine Zuordnung. Ein schmales rotes Seidenbändchen trennt die Darstellungen. Beide Heilige stehen auf Rasenstücken sowie drei ovalen, grünen Blättern, die die Standfläche hervorheben. Ähnliche goldgerahmte Spitzblätter vor ehemals rotem Fond umgeben den unteren Heiligen, während der obere Heilige von Ranken mit fünfblättrigen Rosenblüten hinter fangen wird.Provenienz:Die Kasel wurde vor 1888 auf Anordnung des Kronprinzen Friedrich III aus der katholischen Kirche zu Weinolsheim, Rheinhessen für das Hohenzollernmuseum in Berlin erworben. Ehemals zugehörig waren: Stola, Manipel, Velum und Bursa. Einzig das Velum ist heute noch erhalten, alle anderen Teile müssen als Kriegsverlust gewertet werden. CWVeröffentlicht in: Kreuzwege. Die Hohenzollern und die Konfessionen 1517-1740. Ausstellungskatalog Berlin 2017. Hrsg: Mathis Leibetseder.