Details (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- Ausführung: 1708
- Geografische Bezüge
- Material / Technik
- Glas in Hilfsmodel geblasen, geschnitten
- Abmessungen
- Höhe x Durchmesser: 10,2 x 8,9 cmWandungsstärke: 0,6 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/898773
Objektbeschreibung
Sich konisch weitender Becher aus dickwandigem, farblosem Glas mit
Manganstich, der Abriss am Boden ist ausgekugelt, der Mündungsrand
verwärmt. Die Schauseite der Wandung ist mit einem geschnittenen Oval
dekoriert, in dem der brandenburgische Adler mit ausgebreiteten
Schwingen, in der rechten Klaue ein Zepter, in der linken ein Palmzweig,
über einem Landschaftssockel mit Häusern und Blumen dargestellt ist;
darüber der Spruch "SUB UMBRA ALARUM TVARUM" (unter dem Schatten deiner
[Schwingen]), darunter die Jahreszahl "1708". Die Gegenseite trägt
ebenfalls ein Oval, efeuumrankt, darin die Inschrift "Unter Ho / hem
Adlers Schat / ten höflich wieder / umb die Waffen".
Dieses Vivatglas auf das preußische Königtum könnte anlässlich mehrerer
Anlässe im Jahr 1708 entstanden sein. Infrage kommt die dritte
Eheschließung König Friedrichs I. (1657–1713) mit Herzogin Sophie Luise
von Mecklenburg-Schwerin (1685–1735). Der militärische Bezug könnte auf
das siegreiche Gefecht der preußischen Armee bei der Festung Orsoy gegen
die Franzosen am 28. August 1708 verweisen. Die Darstellung Preußens
als Schutzmacht mag als Hinweis auf ein weiteres historisches Ereignis
gedeutet werden: Am 25. April 1708 brannte nahezu die gesamte Stadt
Crossen a. d. Oder (heute Krosno Odrzańskie) nieder. Auf Vermittlung von
Kronprinz Friedrich Wilhelm (1688–1740) zahlte die Feuerkasse
schließlich die schuldige Summe für den Wiederaufbau aus.
Als Hersteller des Bechers infrage kommen neben der Potsdamer
Hofglasmanufaktur zwei neumärkische Glashütten, die ihre Waren 1708 mit
Schnitt veredelten: Marienwalde und Tornow. Die eher einfache Qualität
macht letztere wahrscheinlicher. [Verena Wasmuth]
MAKR
Letzte Aktualisierung: 22.06.2026
Kontakt
Einrichtung:
Kunstgewerbemuseum
E-Mail:
kgm@smb.spk-berlin.de