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Darstellung der Personifikation der Justitia

Ident. Nr.: K 9164

ObjID: obj:899201

Details (Expert)

Datierung
1. Hälfte 15. Jahrhundert
Geografische Bezüge
Material / Technik
Holz, Bein, Spiegelglas (erneuert)
Abmessungen
Höhe x Breite: 39,3 x 25 cm

Objektbeschreibung

Die im ausgehenden 14. und besonders im 15. Jahrhundert in Venedig tätige Bildschnitzerfamilie der Embriachi stellte fast fabrikmäßig vor allem Klappaltärchen, kleine Truhen, Kästchen, auch Luxusgerät, wie Spiegel und Kämme her, die mit figürlichen Reliefs, zumeist in Knochen-, seltener in Elfenbeinschnitzerei, verziert sind. Für ihre Erzeugnisse ist charakteristisch, daß die Reliefs nur wenige, sich wiederholende Motive zeigen; auch wurden sie jeweils in größerer Zahl angefertigt und dann nach Bedarf entsprechend verwendet.
Diesem achtseitgen Spiegelrahmen sind, eingefaßt von schmalen Leisten in geometrisch gemusterter Horn- und Bein-Marketerie, trapezförmige Reliefs aufgelegt, davon sieben mit Genien vor einem Blattkranz, im achten oberen Feld zwei spitze Schilde. Solchen Schilden sind erst nachträglich die Wappen des jeweiligen Käufers aufgemalt worden. Bekrönt wird der Spiegel von einem giebelartigen Aufsatz, darin eine erhöht thronende, geflügelte Tugendpersonifikation, eine Personifikation der Justitia, der Gerchtigkeit, der sich zwei Jungfrauen zuwenden. Darstellungen von Tugenden und Genien kehren an Kästchen dieser Werkstatt wieder, dort zumeist am Deckel.
Dietrich Kötzsche

Letzte Aktualisierung: 07.04.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Pokal mit Genien und Schraubfuß

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Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth]MAKR