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Fußschale ("scodella") mit Darstellung einer Frau mit zwei Kindern (Wöchnerinnenterrine)

Ident. Nr.: K 2132

ObjID: obj:903658

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Werkstatt der Familie Patanazzi (1543-1683)
Datierung
Ausführung: um 1580
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe: 11,4 cm (mit Henkel)
Durchmesser: 15,3 cm

Objektbeschreibung

Gefäß mit hoher Wandung, leicht eingezogener Gürtellinie, einem Einsatzring für den niedrigen Fuß und zwei abstehenden Griffen mit Löwenmasken und Voluten. Auf dem gemuldeten Grund der Schale ist in einem Rundbild eine Frau in orangefarbenem Gewand mit zwei nackten kleinen Kindern vor zwei Gebäuden dargestellt. Die Figuren und die Bauwerke sind mit Dunkelbraun und Orange gemalt und mit wenig Weiß gehöht. Die Wandung des Gefäßes ist innen und außen mit flüchtig gemalten Grotesken in den Farben Braun, Blau , gelb und Schwarz auf weißer Grundierung verziert. Die gliedernden horizontalen Bänder und die Griffe sind mit Gelb und Hellbraun staffiert. Am Fuß und zwischen den Henkelvoluten kleine Ornamente. Fuß und Griffe sind innen blau getönt. // Die Schale ist ein Beispiel eines sog. Wöchnerinnen-Geschirrs. Diese bestanden aus fünf Teilen: einer Fußschale ("scodella"), wie diese, mit Deckel oder auch Servierteller ("tagliere"), einer kleineren Fußschale ("ongaresca") und einem Salzgefäß mit Deckel. Sämtliche Teile ließen sich stapeln. Die Frau mit zwei kleinen Kindern stellt den Bezug zur Geburt dar und ist zugleich Sinnbild der christlichen Tugend der Nächstenliebe. // Lit.: Tjark Hausmann: Majolika. Berlin 1972 (Bestandskatalog Kunstgewerbemuseum), Kat. Nr. 223; Jacqueline Marie Musacchio: The Art and Ritual of Childbirth in Renaissance Italy, New Haven, London, S. 113 // ClKa

Letzte Aktualisierung: 25.02.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth]MAKR