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Kniendes Mädchen

Ident. Nr.: B I 444

ObjID: obj:958376

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Hermann Haller (1880 - 1950),
Künstler*in
Datierung
1921/1922
Weitere Titel
Sammlungstitel: Kniendes Mädchen
Übersetzung: Kneeling Girl
Geografische Bezüge
Provenienz
Oskar Reinhardt, Winterthur,
1922
Schenkung: Berlin, Nationalgalerie (Kronprinzen-Palais),
1922–9.11.1937
Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, Berlin,
9.11.1937–1939
Rückgabe an die Nationalgalerie,
1939
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 132 x 72 x 64 cm
Erwerbung
1922 Geschenk von Oskar Reinhart, Winterthur. 1937 als "entartet" beschlagnahmt. 1939 an die Nationalgalerie zurückgegeben.

Objektbeschreibung

Die Bronzefigur kniet auf einem flachen Sockel. Ihre geöffneten Beine bilden ein Dreieck, dessen Form der Sockel aufnimmt. Mit aufrechtem Oberkörper schaut sie nach vorn, während sie mit angewinkelten Ellenbogen und abgespreizten Armen die Hände parallel zum Boden hält, als würde sie sich auf einer unsichtbaren Fläche abstützen. Der weibliche nackte Körper wirkt fast knabenhaft, die Gliedmaßen sind extrem schmal und überlang ausgebildet, der Kopf hingegen erscheint eher klein, wie es von Wilhelm Lehmbrucks Figuren, besonders seiner „Knienden“ (vgl. B II 47), bekannt ist. Augen und Lippen sind geschlossen und erwecken einen Eindruck der Konzentration. Durch den gewölbten Brustkorb bei eingezogenem Bauch scheint das Einatmen sichtbar zu werden. Die trotz der zierlichen Gliedmaßen kraftvolle, rhythmisch federnde Pose liegt abseits jeder Alltagsbewegung, vielleicht visualisiert sie die Suche nach Gleichgewicht. Haller lebte seit 1914 zumeist in Zürich, wo sich während des Ersten Weltkriegs eine Intellektuellen- und Künstlerszene versammelte und der Ausdruckstanz auf den Bühnen begeisterte. Hier sah er unter anderem Auftritte von Mary Wigman. Die Leidenschaft für den Tanz konnte Haller auch bei seinen winterlichen Aufenthalten in Berlin (1920–1923) nähren: Dort lernte er die Ballerina Carina Ari kennen, von der er eine Plastik anfertigte, die 1922 in der Wanderausstellung „Das schwedische Ballett“ gezeigt wurde (heute Atelier Hermann Haller, Zürich). Zwar stellt das „Kniende Mädchen“ mit seiner expressiven, ungewöhnlichen Pose keine namentlich bekannte Tänzerin dar, doch es verwundert nicht, dass sein Entstehen in jene tanzbegeisterte Zeit fällt. | Anja Pawel

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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