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Blume und Fruechte

Ident. Nr.: NG MB 136/2000

ObjID: obj:959281

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Paul Klee (1879 - 1940),
Künstler*in
Datierung
1927
Weitere Titel
Sammlungstitel: Blume und Fruechte
Übersetzung: Flower and Fruits
Originaltitel: Fleur et fruits
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1940
Nachlass/Vermächtnis: Lily Klee, Bern,
1940–1946
Douglas Cooper, London/Argilliers,
1946–1984
Nachlass/Vermächtnis: Churchglade Ltd./William A. McCarty-Cooper, Schweiz,
vermutlich 1984 - vermutlich 1991
Nachlass/Vermächtnis: Nachlass William A. McCarty-Cooper,
1991–11.5.1992
Kauf: Heinz Berggruen, Berlin/Paris,
11.5.1992–2000
Material / Technik
Feder auf Papier auf Karton
Abmessungen
Höhe x Breite: 35,3/35,8 x 30/30,3 cm cm
Erwerbung
2000 Ankauf von Heinz Berggruen mit Unterstützung der Bundesregierung und des Landes Berlin

Objektbeschreibung

Klee war ein manischer Zeichner, darin Leonardo da Vinci (1452–1519) oder Adolph Menzel (1815–1905) verwandt. Seit der Kindheit mit der linken Hand zeichnend blieb er den „Urformen“ in der Natur immer auf der Spur. Im Jahre 1927 legte er sich eine Sammlung von getrockneten Pflanzen in Glaskästen an, im Weimarer Park an der Ilm studierte er die Strahlung von Blattadern und die Ringe eines gefällten Baumes. Das innere Skelett der Dinge erkennen, um zur freien Gestaltung des Sujets zu gelangen: „Der Mensch seziert das Ding und veranschaulicht sein Inneres an Schnittflächen […]. Das ist die sichtbare Verinnerlichung, teils durch das Mittel des einfach scharfen Messers, teils mit Hilfe feinerer Instrumente, welche die materielle Struktur oder materielle Funktion klar vor Augen zu bringen vermögen“ (Paul Klee, Wege des Naturstudiums, Weimar/München 1923, S. 24 f.). Ebenfalls 1927 entstand eine Serie solch aufgeschnittener Blumen und Früchte, mit spitzer Feder in Tusche frei schwebend auf das Papier gebracht. Sechs aufgeschnittene, zwiebelähnliche Früchte kreisen in einem imaginären Raum, vom inneren Kern – dem Punkt als Ausgang – wird die Eigenbewegung der Motive durch die schwingende Lagerung der aktiven Linie bis zu ihrem äußeren Rand getrieben. Diese kreisende Bewegungsform löst die Früchte und die schlanke Blume von innen her aus ihrer irdischen Gebundenheit, Klee hat sie in skurrile, metamorphotische Naturwesen verwandelt, die so in der Natur nicht existieren. | Roland März

Letzte Aktualisierung: 28.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Museum Berggruen

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Pferd und Stier

Pferd und Stier

Von dem Sujet dieser Zeichnung, die sich motivisch ausschließlich auf den Kampf eines Stieres mit einem am Boden liegenden Pferd beschränkt und Hintergründe weglässt, entstanden Ende März 1921 weitere, im Musée Picasso, Paris, aufbewahrte Varianten: Jene mit der Inventarnummer MP958 zeigt die Köpfe beider Tiere nach links gewandt, das Pferd liegt am Boden, hat noch den Kopf ausgestreckt, der Stier steht dahinter. Die beiden Radierungen MP2017 und MP2018 geben den Stier mit gesenktem Kopf wieder, wie er von links seine Hörner in den ausgestreckten, nach rechts gewandten Pferdehals rammt. Bei der Berliner Zeichnung ist der Kampf am stärksten sexuell konnotiert. Die Haltung des liegenden Pferdes erinnert an so manche anatomische Überdehnung, die Picasso seine Frauenakte einnehmen ließ. Es ist schier unmöglich, wie das Tier seine beiden Vorderbeine wie eine auf dem Bauch liegende Person ihre Arme in beide Richtungen von sich gestreckt hat, die Hinterbeine aber abspreizt wie eine auf dem Rücken liegende Person ihre Beine, dazu noch den Hals um 180 Grad dreht. So beobachtet das Pferd mit Entsetzen, wie sich zwischen seine Hinterbeine das eine Stierbein schiebt und der Bulle mit seinem Körper Bauch und Flanke belastet. Das Museum Ludwig in Köln besitzt eine Zeichnung mit annährend identischer Komposition (Inv.-Nr. L/Z 2001/048), nur, dass der Stier dort hinter dem Pferd steht, das durch die Geschlechtsorgane als Hengst zu erkennen ist. Eine pauschale Geschlechterzuordnung Pferd – Frau und Stier – Mann griffe für eine Interpretation also zu kurz. | Gabriel Montua

Erwachende

Erwachende

Figur und Landschaft in der Grenzsituation von Nacht und Tag, Schlaf und Erwachen, Aufstehen und Davoneilen. Ein marionettenhafter Kopf mit magischem Auge, darüber das Zeichen der Nacht. Doch der Morgen bricht an, die Gestirne gehen auf. Am Horizont die Tanne und ein spiraliges Gewächs, die Natur regt sich. Die halb liegende, halb sitzende Gestalt der „Erwachenden“ ist eingewoben in das schwingende Lineament von Erdreich und Himmel. Durchgängige Wellen stoßen auf segmentierte Körperpartien. Der Stachel der Bewegtheit geht vom schwarzen Pfeil aus, der in den Schoß der metamorphotischen Figur führt, Gestalt und Landschaft sind im „Wellenbad“ der Bänder in schaukelnder Balance gehalten. Locker umspielen die Linien und Kreuzschraffuren die kontrapunktisch geführte Figuration, in der sich die Natur zum Menschen und der Mensch zur Natur verwandelt. Mensch, besinne dich auf dich selbst und auf deine Bezüge zu Natur und Kosmos. Bewegt war auch die Wanderschaft dieses bedeutenden frühen Streifenbildes von Klee, über das Heinz Berggruen 1997 im „Berliner Kurier“ berichtete: „Anfang der 60er Jahre lebte ich als Kunsthändler in Paris. Heute kaum vorstellbar – aber den Klee verkaufte ich für umgerechnet 600 Mark nach Kalifornien. Ich spüre immer mal Bildern nach, die von mir in die Welt gingen, und frage gelegentlich an, ob sich etwas zurückkaufen läßt. Die Kalifornier freuten sich, dass ihr Klee jetzt in einem Berliner Museum hängt und so ihren Lebensabend sichert.“ | Roland März

Der Verliebte

Der Verliebte

Der Verliebte – der in seiner Form auf die Zeichnung „Kopfträger“ aus dem Jahr 1922 (Zentrum Paul Klee, Bern) zurückgeht – hebt ab, schwankt wie ein hohler Globus im siebten Himmel, ein aufgeblasenes, kopflastiges Wesen mit verkümmertem Körper. In seinem grauen Gehirn lagert diagonal das korsettierte Mädchen, ihr Kopf mit Locken und Herzmund, unten ganz Marionette mit gespreizten Schenkeln und hochhackigen Schuhen, ein „zweites Gesicht“ sitzt in der Scham. Der eifersüchtige Egomane glotzt verbiestert, die Hampelfrau als Objekt sexueller Begierde. Mit Ironie hat Klee die erotischen Sehnsüchte in der Balance gehalten und sie zugleich zerstört. Die Lithografie „Der Verliebte“ entstand in einer Auflage von 100 Exemplaren für die 1923 in Weimar erschienene „Meistermappe des Staatlichen Bauhauses“ mit acht Blättern von Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky, Gerhard Marcks, László Moholy-Nagy, Georg Muche, Oskar Schlemmer, Lothar Schreyer und eben Klee. Dessen Blatt wurde in der gesamten Auflage auf einer roten Tonfläche gedruckt, während das vorliegende Werk aus dem Museum Berggruen – in dieser Form ein Unikat – als erster Zustand der Lithografie in Schwarz-Weiß die spätere Zutat des violinschlüsselartigen Gebildes am Körper des Mannes und die Inschrift „der Verliebte“ noch nicht enthält. Klee hat den ersten Zustand handschriftlich bezeichnet: „1923 91 Der Verliebte Probedruck des schwarzen Steines erster Zustand, handaquarelliert Klee“. | Roland März

Frau R. auf Reisen im Süden

Frau R. auf Reisen im Süden

Vor den dämonischen Gesichtern und Schauspielermasken von 1925 (vgl. etwa „Monsieur Perlenschwein“; Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf) entstanden im Jahr 1924 einige „Bildnisse“ mit dem Prototyp der karikierten Frau aus gutbürgerlichem Hause. Sie folgen alle dem gleichen Kompositionsschema: frontale Halbfigur mit großem Kopf und verkümmerter Schulterpartie, horizontale Streifen im Hintergrund. Die stacheldrahtige „Frau R.“ glüht und verglüht wie im Backofen, das Gelb der Sonne noch am Hutrand und auf dem Nasenrücken, doch die Augen und die Brosche am Hals sind bereits verkohlt: Eine Touristin als flambierte Frau, zur Maske erstarrt, da bewegt sich nichts mehr außer der sich kräuselnden Frisur. Das Physiognomische des Menschen hat Klee früh schon in seiner ganzen Spannweite fasziniert: „Und jede Gestaltung, jede Kombination wird ihren besonderen konstruktiven Ausdruck haben, jede Gestalt ihr Gesicht, ihre Physiognomie. – Die gegenständlichen Bilder blicken uns an, heiter oder streng, mehr oder weniger gespannt, trostreich oder furchtbar, leidend oder lächelnd. In allen Gegensätzen auf der psychisch-physiognomischen Dimension blicken sie uns an, die sich bis auf die Tragik und die Komik erstrecken können“ (Paul Klee, Kunst-Lehre. Aufsätze, Vorträge, Rezensionen und Beiträge zur bildnerischen Formlehre, Leipzig 1987, S. 81). Die Figur als grimassierende Maske, hinter der sich Leere und Oberflächlichkeit, Dämonie und Wahn verbergen. | Roland März

Die Badenden

Die Badenden

Ikonografisch reiht sich diese Tuschzeichnung zu den vielen Bade- und Strandszenen Picassos; allerdings entstand sie, wie der Künstler unten rechts neben dem Datum vermerkte, fernab vom Meer in Boisgeloup, einem 60 Kilometer nördlich von Paris gelegenen Schloss, das er in den 1930er-Jahren teilweise bewohnte, um vorrangig Plastiken zu schaffen. Die Figuren folgen seinem Ende der 1920er-Jahre etablierten Typus für Badende: kleiner Kopf auf langem Hals bei gerüstartigem und oftmals verwinkeltem Körperbau. Sie sind hier besonders fantasiereich gestaltet, die Frau rechts oberhalb des Wassers hat auf ihrer linken Seite Arm und Bein vertauscht, die Brüste befinden sich direkt über dem Gesäß am Rücken. Interessant ist bei dieser Komposition, dass sie auf geripptes Papier gesetzt ist, die Grundstruktur des Trägermediums somit die mehrfach von Picasso gesetzten Wasserlinien (zwei Wellenlinien in Weiß sowie darüber der Horizont) als angedeutetes Wellenspiel verstärkt. Angela Schneider interpretiert im Bestandskatalog des Museums Berggruen das Bild als Metapher für Picassos persönliche Liebessituation: Die Fischfrau rechts im Wasser sei Marie-Thérèse Walter (1909–1977), die zweimal von seiner von ihm getrennten Ehefrau Olga (1891–1955) attackiert werde. Bemerkenswerterweise schenkte Picasso das Bild einer weiteren seiner Partnerinnen, Dora Maar, die er 1936 kennenlernte und die es bis zu ihrem Tod 1997 behielt (Picasso und seine Zeit, Bestandskat. Museum Berggruen, Berlin, 2010, S. 146). | Gabriel Montua

Stadtbild Knossos

Stadtbild Knossos

In breiten Zügen sind die Wasserfarben in Gelb und Rot flüssig auf das Papier gestrichen, oben ein helles Blau mit der Stimmung des lichterfüllten Südens. Darüber liegt die in kräftigem Schwarz der Kleisterfarbe konturierte, spontan hingesetzte Fassade eines wuchtigen Palastes wie ein dunkles Gitter der Unnahbarkeit. Eine getupfte Straße mit archetypischen Passanten davor; die Fassade ist in der gesamten Bildfläche voll ausgespannt, mit einem schmucklosen Tor in der Mitte, dessen schwarzer Strich symbolisch in die Welt des Verschwindens weist. Rechts ist ein schmaler Streifen mit drei Fenstern zu sehen und links – betont im hellen Lichte stehend – eine schmale, hohe, turmähnliche Partie mit separatem Eingang und einem idolhaft anmutenden „Gesicht“ mit herabhängenden Mundwinkeln. Bei genauerer Betrachtung allerdings weist Klees „Stadtbild Knossos“ im archäologischen Befund nicht die geringste Ähnlichkeit mit den Ausgrabungsrelikten bei Knossos auf. In Griechenland und Knossos ist der Künstler nie gewesen, doch um den Mythos der asymmetrischen Palastanlage aus dem 20. bis 16. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung hat der Maler gewusst. Für ihn gehörte die überlieferte Kultur von Antike und Renaissance immer zum Bezugsfeld seiner Kunst. Im Angesicht des nahenden Todes arbeitete der schwer erkrankte Künstler intensiver denn je an seinem Spätwerk, nach „der Teppich“ (NG MB 145/2000) entstand im März 1940 das „Stadtbild Knossos“. Wenig später starb Klee. | Roland März

Sitzender Akt

Sitzender Akt

Beide Zeichnungen („Sitzender Akt“, NG MB 43/2000, und „Zwei Akte und Panflötenspieler“, NG MB 44/2000) zeigen Picassos Auseinandersetzung mit der Antike. Der „Sitzende Akt“ weist Ähnlichkeiten zu den Parthenonskulpturen auf, welche Picasso bereits 1895 zu Studienzwecken gezeichnet hatte (John Richardson, A Life of Picasso, Band 1: 1881–1906, London/New York 1991, S. 516, Anm. 10). Die weibliche Figur sitzt weggedreht vom Betrachter im Profil mit aufgestütztem Ellenbogen, ihre Beine übereinandergeschlagen. Ihre rechte Hand hat sie auf ihrem Knie abgelegt. Die gesamte Zeichnung setzt sich aus energisch gesetzten Schraffuren zusammen, aus denen die Figur heraustritt, wodurch sie wie im Dunkeln verborgen erscheint. Bei „Zwei Akte und Panflötenspieler“ handelt es sich um eine Studie zu dem Gemälde „La Flûte de Pan“ (1923; Musée Picasso, Paris), welches Picasso bis zu seinem Lebensende in seinem Besitz behielt. Im Vorfeld dieses Werkes fertigte er rund hundert Skizzen an, in denen er unterschiedlichste Kompositionen ausprobierte. In dieser Zeichnung sieht man den Panspieler rechts im Bild liegend und auf seine Ellenbogen gestützt sein Instrument spielen, während hinter ihm zwei weibliche Figuren erhöht auf einer Sitzgelegenheit weilen, die an das Gemälde aus Paris erinnert. Die im Bild links befindliche kniende Figur hält einen Stock in ihrer Hand, mit dem sie sich einer Schildkröte am Boden annähert, wobei die mittlere Figur sie beobachtet und ihren Kopf auf der Hand abstützt. Gegensätzlich zu dem „Sitzenden Akt“ hat Picasso hier die Schraffur minimiert, welche man nur im Hintergrund wiederfindet. Stattdessen werden die Figuren durch eine starke Schattensetzung akzentuiert. | Susanne Weber

Frauenbildnis

Frauenbildnis

Auf die Frage, warum er den Krieg nicht male, gab Picasso die inzwischen berühmte Antwort: „Ich habe den Krieg nicht gemalt, weil ich nicht die Art Maler bin, der wie ein Fotograf darauf aus ist, etwas abzubilden. Aber ich bin sicher, dass der Krieg Eingang genommen hat in die Bilder, die ich geschaffen habe“ (zit. nach Franz Meyer, Picasso und die Zeitgeschichte, in: Picasso im Zweiten Weltkrieg, 1939 bis 1945, Ausst.-Kat., Köln, 1988, S. 97). Der Krieg zeigt sich unter anderem auch – nach Christian Zervos – in der veränderten Palette, die sich von einer lauten Buntheit zu graugrünen Tönen gewandelt hat, der Farbe der deutschen Uniformen (Brigitte Léal, in: Picasso and Portraiture, Ausst.-Kat., New York, 1996, S. 399). In dem sehr eng gefassten Bildausschnitt sehen wir das im Verhältnis zum Oberkörper übertrieben große Gesicht. Diese Form der Disproportionierung gibt der Dargestellten, vermutlich Dora Maar (1907–1997), den Anschein einer Zwergin, die an Diego Velázquez’ „Las Meninas“ (1656; Prado, Madrid) erinnert. In die gegeneinander verschobenen, aufgeklappten Gesichtshälften mischen sich die Züge von Picassos Hund Kazbek (ebd., S. 396). Der Hund wie auch der Gestus der aufgestützten Hand zählen zu dem klassischen Repertoire der Melancholie. Sie spricht auch aus den großen braunen Augen, die mit unendlicher Traurigkeit ins Leere gewandt sind. Das gespaltene Gesicht verharrt in stummem Leiden, dem jede Aggressivität fehlt. | Angela Schneider