Vorstadtsängerin
Ident. Nr.: B 64/30
ObjID: obj:959610
n/a
Kontakt
Einrichtung:
Neue Nationalgalerie
E-Mail:
nng@smb.spk-berlin.deDetails (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- 1921/1922
- Weitere Titel
- Sammlungstitel: VorstadtsängerinÜbersetzung: Singer from the Suburbs
- Provenienz
- im Besitz des Künstlers,
1953Kauf: Galerie des 20. Jahrhunderts, Berlin (West),
1953–1968 - Material / Technik
- Öl auf Leinwand
- Abmessungen
- Höhe x Breite: 130 x 98 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/959610
Objektbeschreibung
Die Bühne der Vorstadtsängerin ist ein schmales Podest vor einer einfachen Gasthauswand mit einem schief hängenden Spiegel zwischen zwei Kugellampen. Publikum wird nicht gezeigt. Dafür sind ein leerer Stuhl und der schmale Streifen eines roten Vorhangs am linken Bildrand zu sehen. Die Schiefe des Spiegels und die prismatischen Reflexionen in ihm setzen sich in den grünlichen Schatten, die die Lampen auf die weiße Wand werfen, und in den merkwürdigen Versprüngen des Dielenbodens fort – ein Erbe der kubistischen Phase Fritschs. Jene sacht verschobene Raumstruktur bildet den Rahmen für den Auftritt der Sängerin, die isoliert, mit gekreuzten Händen, offenem Mund, roten Bäckchen und schiefem Blusenausschnitt, ganzfigurig in der Bildmitte steht. Im Prinzip ist die Komposition dieselbe wie die des Selbstbildnisses (B 77/22), und in ihrer fast naiven Monumentalität lässt sie sich als Hommage an den Mut zum Schönen in einer existenziell erschütterten Nachkriegszeit verstehen. Trotz der präzis-kontrollierten Darstellung der kleinbürgerlichen Umgebung enthält sich Fritsch auch hier des ätzenden Sarkasmus eines George Grosz oder der brutalen Bloßstellung sozialer Missstände eines Otto Dix. Das raffiniert zwischen kühlen und warmen Tönen, blakenden Lichtern und differenzierten Halbschatten changierende Kolorit verleiht dem leicht verschrobenen Arrangement einen eigentümlich unsentimentalen Lyrismus. | Kyllikki Zacharias
Letzte Aktualisierung: 19.12.2025
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nng@smb.spk-berlin.de