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Sahara-Projekt

Ident. Nr.: NG 17/75

ObjID: obj:960883

Details (Expert)

Beteiligte
Heinz Mack (1931 ),
Künstler*in
Datierung
Herstellung: 1961
Systematik/Art
Weitere Titel
Sahara-Projekt
Übersetzung: Sahara Project
Abmessungen
Höhe x Breite: 13 Tafeln je 80 x 100 cm (einige 100 x 80)
Erwerbung
1975 Schenkung Th. K. P. Schenning, Junior-Galerie, Goslar

Objektbeschreibung

Das „Sahara-Projekt“ ist ein zentrales Werk von Mack. Die Idee, Kunst in weitläufige und unberührte Naturregionen zu bringen, entwickelte er bereits 1958. Er identifizierte den Himmel, das Meer, die Pole und die Wüsten als Räume für eine „neue Dimension der Kunst“. Hier sollten „die Reservate der Kunst wie künstliche Inseln ruhen“ (Heinz Mack, Das Sahara-Projekt, in: ZERO, 3, 1961, o.S.). Er konzipierte 13 Stationen, welche die Autonomie des Lichts und die Unbegrenztheit des Raums erfahrbar machen sollten: 1. Die Lichtstelen, 2. Die Spiegelmauer, 3. Die Segel, 4. Die Sandreliefs, 5. Künstliche Wälder und Gärten, 6. Der Maschinenpark, 7. Die Plateaus, 8. Der Corso, 9. Das Symposion, 10. Die Lichtreliefs, 11. Die Monumente des Lichts, 12. Die künstlichen Sonnen, 13. Die Erscheinungen im Himmel. 1961 wurde das „Sahara-Projekt“ erstmals publiziert. Die Edition von 13 Objekten in der Sammlung der Nationalgalerie dokumentiert die genannten Stationen. Das Projekt existierte zu diesem Zeitpunkt vorwiegend als Konzept; erst im Laufe der Jahre setzte Mack Teile davon um. 1968 wurden einzelne Stationen temporär in der tunesischen Wüste realisiert. Für den Film „TELE-MACK“ errichtete der Künstler unter anderem bis zu 13 Meter hohe Lichtstelen und legte Reihen quadratischer Spiegel aus, die das Licht reflektierten und brachen. 1976 verwirklichte Mack einen weiteren Bestandteil des „Sahara-Projekts“ in der Arktis und schuf Plexiglaskörper, Lichtblumen und Feuerflöße als schwimmende Strukturen. Die Umsetzung war dabei in allen Fällen bewusst nicht dauerhaft, das „Sahara-Projekt“ mit seiner ortsgebundenen Entgrenzung des Skulpturbegriffs lässt sich daher nur noch in Fotografie und Filmaufnahmen nachvollziehen. | Philine Pahnke

Letzte Aktualisierung: 24.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Abstraktion

Abstraktion

Das rhythmisch bewegte Bild ist das erste abstrakte Gemälde von Münter. Es entstand am 25. April 1912 in der Münchner Ainmillerstraße 36, wo sie mit ihrem Lebensgefährten Wassily Kandinsky seit 1909 zusammenwohnte. Dem Werk vorausgegangen war ein Besuch des Kunsthändlers Hans Goltz mit seiner Gattin und deren Freundin. Goltz hatte kurz zuvor „Die zweite Ausstellung der Redaktion Der Blaue Reiter“ gezeigt. Bei seinem Besuch fertigte Münter zahlreiche Zeichnungen an, auf deren Basis mehrere Gemälde entstanden. Das erste, „Nach dem Tee I“ (Toyota Sogo Co., Ltd., Toyota-shi), bildete den Ausgangspunkt für „Abstraktion“. Im Vergleich lässt sich erkennen, dass die schwarzen Striche und farbigen Flächen zurückgehen auf die Darstellung der Teegesellschaft. Links ist an einem Fenster mit grünem Vorhang Münters Gesicht in Ocker angedeutet, darunter ihre blaue Bluse; davor als schwarzer Schatten Gertrude Goltz in einem Lehnstuhl mit dunkelroter Bespannung. Die kurvig schwingenden schwarzen Parallelen bezeichnen einen leeren Schaukelstuhl, zentral positioniert finden sich ein Schränkchen mit rotem Blumenstrauß und seitlich darüber Bilder an der Wand; rechts an einer Tischplatte Goltz und Kandinsky im Zwiegespräch. Letzterer ist durch strahlendes Weiß überhöht und gleichzeitig ausgelöscht. Die extreme räumliche Kluft zwischen Münter und Kandinsky wurde interpretiert als Zeichen der Krise ihrer Partnerschaft, die 1914 auseinanderging (vgl. Reinhold Heller, Innenräume. Erlebnis, Erinnerung und Synthese in der Kunst Gabriele Münters, in: Gabriele Münter 1877–1962. Retrospektive, Ausst.-Kat. München, 1992, S. 47–66). 1915 stellte Münter ihre Experimente mit abstrakter Malerei für fast vier Jahrzehnte ein. | Dieter Scholz

Gebeugter männlicher Torso

Gebeugter männlicher Torso

Fleck studierte in Leipzig und Dresden und ließ sich 1966 in Frankfurt (Oder) nieder, wo ihre Laufbahn als freischaffende Künstlerin begann. Als der „Gebeugte männliche Torso“ entstand, hatte sie soeben erst begonnen, in Sandstein zu arbeiten. Zu der Form des Torsos sagte sie: „Die ziemlich kleinen Blöcke selbst bringen einen ja auf diese Idee“ (Regina Fleck, gesehen von Manfred Tschirner, in: Sonntag, 13.6.1976). Fleck begriff ihre Torsi nicht als Fragmente, sondern als in sich vollständigen Ausdruck. Der damals verwendete Untertitel „Studie zu einem Gequälten“ offenbart, dass es ihr neben der Beschäftigung mit dem menschlichen Körper auch um eine psychologische Bedeutung ging. Der Fokus auf Emotionen und einen Teil des Körpers hat den Effekt einer konzentrierten Momentaufnahme, die gleichzeitig viele Bilder von der Haltung der gesamten Figur vorstellbar macht. 1979 wurde Fleck der Will-Lammert-Preis der Akademie der Künste der DDR verliehen. In der Begründung der Jury heißt es, Fleck komme „in neuen Arbeiten [wie ‚Gebeugter männlicher Torso‘] zu Lösungen, in denen die geschlossene Form der klassischen Skulptur aufgegeben ist“. (Akademie der Künste, Berlin, AdK-O 1836, Bl. 2) Verfasser der Laudatio war der Kunstwissenschaftler Manfred Tschirner, der damals in der Galerie Junge Kunst, Frankfurt (Oder), arbeitete und die Künstlerin kannte; später wechselte er zur Nationalgalerie (Ost), die den Torso 1985 erwarb. | Emily Joyce Evans

Sturm auf Hiddensee
Verso: Landschaft

Sturm auf Hiddensee Verso: Landschaft

1892 in München geboren, kam Cassel 1909 nach Dresden. Dort setzte er seine zuvor in Erfurt begonnene Ausbildung an der Kunstgewerbeschule fort, in deren Verlauf er Otto Dix, Otto Griebel und Bernhard Kretzschmar kennenlernte. Nach dem Ersten Weltkrieg bewegte er sich im Kreis der Dresdner Sezession Gruppe 1919, ohne dass er dieser beigetreten wäre. 1921 zog er sich mit seiner jungen Familie nach Wehlen in der Sächsischen Schweiz zurück. Fortan verlebte er die Sommermonate in einem einfachen Schmiedehaus im Steinbruch. War der Ortswechsel ursprünglich finanziell motiviert, wurden die unmittelbare Nähe zur Natur und die Zivilisationsferne mehr und mehr zum Bedürfnis, welches sich auch künstlerisch Bahn brach. Dabei bediente sich Cassel alternierend Ausdrucksweisen, die expressionistisch, von Emil Nolde, aber auch naiv geprägt sein konnten. Eine lineare Entwicklung des Œuvre gab es nicht; mit diesem Stilpluralismus überraschte Cassel schon seine Zeitgenossen. Unmittelbare Naturerfahrung ist auch in dem Bild „Sturm auf Hiddensee“ das Thema. Zwei Figuren beschauen die überwiegend in intensiven Blau- und Grüntonen gehaltene Szenerie, die durch die grelle Beleuchtung von Laubwerk und Haus im rechten Vordergrund dramatisch aufgeladen ist. Ohne den roten wehenden Mantel der linken Figur würde das Paar farblich und gestalterisch vollständig in die Komposition eingebunden sein und somit in Gänze in diesem Naturschauspiel aufgehen. Ein Aufenthalt Cassels auf Hiddensee lässt sich für 1927 nachweisen, ob er auch im Folgejahr dort weilte oder es sich hier um eine künstlerische Nachlese handelt, ist nicht feststellbar. | Katharina Wippermann

Schlafzimmer

Schlafzimmer

Um 1963 bezog Böttcher sein erstes Berliner Wohnatelier, es lag in der Kastanienallee im Bezirk Prenzlauer Berg. Der Malerkollege Wolfgang Leber erinnert: „Das Atelier war einfach und glich eigentlich eher einer Notunterkunft aus der Nachkriegszeit. Es schien mir immer wie ein ehemaliger Laden oder eine Produktenhandlung, ein nicht sehr großer hoher Eckraum ohne Heizung […], und ein schmaler einfenstriger Raum dahinter, welcher über eine kleine Treppe erreichbar war. […] Dieses Atelier hatte für Manfred Böttcher, neben der Enge, noch einen weiteren Nachteil. Es lag in unmittelbarer Nähe des Künstlerbedarfs Weise.“ (Ausst.-Kat. Akademie der Künste, Berlin 1992, S.14 f.) Der ehemals berühmte Laden für Künstlerbedarf verstärkte noch den damals üblichen Kontakt der Künstlerfreunde über häufige Besuche in den Ateliers. Böttcher hat Atelier und Schlafraum um 1967 mehrfach dargestellt. Bestimmt werden diese Bilder durch die für den Maler typische Farbmodulation aus Braun- und Weißtönen. Die Enge des Ateliers (A IV 476) führte zu kleinteiligen Kompositionen von poetischem Klang, die über eine einheitliche Farbgebung zusammengehalten sind. Bilder und Möbel bilden ein flirrendes Flächenmuster. Das Bild „Schlafzimmer“ (A IV 320) erinnert in der Komposition – Akt vor dunklem Hintergrund zwischen weißen Flächen – an das Bild „Sitzender Akt“ des Malerfreundes Harald Metzkes von 1966 (A IV 348). Auch von diesem Motiv schuf Böttcher Varianten. | Angelika Wesenberg

Kandalakscha am Weißen Meer

Kandalakscha am Weißen Meer

In den Jahren nach 1923 unternahm Vogeler zahlreiche Reisen in die Sowjetunion, bis er sich 1931 endgültig dort niederließ. Noch in Deutschland war der Künstler 1924 der KPD beigetreten. Nachdem er zunächst im Rahmen seiner Tätigkeit an der „Kommunistischen Universität der Nationalen Minderheiten des Westens“ in verschiedenen Regionen der Sowjetunion unterwegs gewesen war, fuhr er im Sommer 1925 erstmals im Auftrag der russischen Sektion der Internationalen Roten Hilfe (MOPR) nach Karelien und Murmansk. Dort sollte er sich in den folgenden Jahren am häufigsten aufhalten. Während der Reise von 1925 fertigte er zahlreiche Studien an, die er nach seiner Rückkehr nach Deutschland in vier Komplexbildern verarbeitete. Eine dieser Studien ist „Kandalakscha am Weißen Meer“. Sie gibt eines der Eisenbahnerdörfer an der neuen Strecke zwischen Leningrad (Sankt Petersburg) und der nördlich des Polarkreises gelegenen Hafenstadt Murmansk wieder. Doch Vogeler zeigt auf seinem Bild nicht den industriellen Fortschritt des Dorfes: die Fischkonservenfabrik, das Sägewerk oder die Eisenbahnwerkstatt, die er in seinem Reisebericht beschrieben hat (Heinrich Vogeler, Karelien, 1925, in: Peter Elze (Hrsg.), Reisebilder aus der Sowjetunion, Worpswede 1988, S. 120). Vielmehr bildete er in einer impressionistisch anmutenden Malweise und mit heller Farbigkeit die alte, direkt an der Kandalakscha-Bucht gelegene Fischerkolonie ab. Das Motiv integrierte er später in sein Komplexbild „Karelien und Murmansk“ (A III 273), in dem er es mit Szenen des industriellen Umbruchs kombinierte. | Maike Steinkamp