Auschwitz (II)
Ident. Nr.: A IV 640
ObjID: obj:961727
n/a
Kontakt
Einrichtung:
Neue Nationalgalerie
E-Mail:
nng@smb.spk-berlin.deDetails (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- 1981
- Material / Technik
- Dispersionsfarbe auf Papier auf Pappe
- Abmessungen
- Höhe x Breite: 89 x 100 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/961727
Objektbeschreibung
Schon während der Shoah hatten Künstler*innen versucht, das Grauen der Verfolgung und Ermordung von Jüdinnen und Juden in ganz Europa durch die Nationalsozialisten darzustellen. Ihre Erfahrungen konnten unterschiedlicher kaum sein. Leo Haas (1901–1983) hatte Auschwitz überlebt, Bedřich Fritta (1906–1944) wurde dort ermordet. Ihre Zeichnungen und Skizzen waren im Angesicht des Völkermordes entstanden. Lea Grundig (1906–1977) schuf ihren drastischen Zyklus „Im Tal des Todes“ in den 1940er-Jahren aus der Perspektive des Exils in Palästina, wohin ihr die Flucht geglückt war. Horst Strempel (1904–1975), später Zickelbeins Lehrer in Berlin-Weißensee, war kein Jude, hatte aber 1941 die französische Lagerhaft erlebt. Seine Eindrücke verarbeitete er nach dem Krieg in seinem monumentalen Gemälde „Nacht über Deutschland“ (A III 257). So unterschiedlich ihre Erfahrungen auch waren, eines hatten diese Künstler*innen gemeinsam: Sie stellten den Holocaust figürlich dar, malten Menschen im Lager, Szenen der Transporte und Todesmärsche, der Arbeit und der Vernichtung. Zickelbein verzichtete darauf, die Geschichte des im Bildtitel genannten Ortes zu erzählen.Err wählte die Abstraktion als Mittel, sich möglicherweise fragend, ob das geht bzw. ob es überhaupt anders gehen kann? In der Bildmitte steht eine weiße Mauer, an der Blut herabläuft. Das Gemälde wirkt entstellt, seine Farben sind bis auf das Rot schmutzig, womit Zickelbein vielleicht Lea Grundigs „Die Erde von Auschwitz“ zitiert (Standort unbekannt), eine dunkle Leinwand, übersät mit Spuren nackter Füße, die von Springerstiefeln zertrampelt worden sind. Am unteren Bildrand fällt die Widmung „All den Herrlichen“ ins Auge. In den 1980er-Jahren schuf Zickelbein eine Reihe von Arbeiten mit dem Titel „Auschwitz“ mit variierenden Widmungen. Der Kunsthistoriker Lothar Lang nannte diese Bilder einmal – ohne direkten Bezug auf „Auschwitz“ – „panische Landschaften“. Das trifft es. | Sven Haase
Letzte Aktualisierung: 19.12.2025
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