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Marktszene

Ident. Nr.: A IV 71

ObjID: obj:961778

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Theodor Rosenhauer (1901 - 1996),
Künstler*in
Datierung
Herstellung: um 1957
Systematik/Art
Weitere Titel
Sammlungstitel: Marktszene
Übersetzung: Market Scene
Provenienz
Erwerbungsart ungeklärt: Ministerium für Kultur der DDR,
spätestens 1956 - 1965
Verwahrung: Nationalgalerie,
bis 1965
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 100 x 130,5 cm
Erwerbung
1965 Überweisung des Ministeriums für Kultur der DDR

Objektbeschreibung

Selten sind die von Rosenhauer gemalten Landschaften und Orte belebt, meist zeigt er sie menschenleer, jedoch sichtbar durch diese geprägt. Noch seltener sind Menschendarstellungen, die über Staffagefiguren hinausgehen, oder gar Genrebilder. Ausnahmen sind „Der alte Bienenvater“ von 1958 (Gemäldegalerie Neue Meister, Dresden) und Bilder von der Dresdner Vogelwiese. Die für Rosenhauer untypisch erzählerische, auch ungewöhnlich stimmungsvolle „Marktszene“ – aus dem Besitz des Kulturbundes der DDR über das Ministerium für Kultur der Nationalgalerie (Ost) überwiesen – entstand wahrscheinlich im Auftrag und mit Mitteln des Kulturfonds. Je einmalig wurden hier in den 1950er-Jahren Aufträge vergeben, um Künstler zu unterstützen (vgl. Strawalde, „Vorlesende Frau mit Kindern und Hund“). Daraus erklärt sich vermutlich eine gewisse Gefälligkeit des Werkes. Dennoch ist die Szene eher zurückhaltend gestaltet. Rosenhauer zeigt, wie beim „Bienenvater“, Personen gern in Rücken- und Seitenansichten und erfasst damit vor allem Körperhaltungen. Die Menschen sind in ihrem ruhigen Tun, ihrem alltäglichen Dasein wiedergegeben. Sie sammeln sich vor dem überdachten Gemüsestand, dem wiederum durch das Haus im Hintergrund optisch Festigkeit verliehen wird. Eine kleine Welt ist liebevoll umrissen. Die Gruppe ist eingehüllt in gedämpftes Blau, dessen von der Romantik geprägter Stimmungsgehalt auch hier anklingt. | Angelika Wesenberg

Letzte Aktualisierung: 28.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Interieur (Krankes Mädchen)
Verso: Knabenporträt

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Die kleine Ansicht eines Interieurs ist vor dem eigentlichen Werk Nerlichs entstanden. Bis 1917 hatte dieser Architektur und Kunsterziehung an der Kunstakademie in Breslau studiert. Ab 1920 war er als Zeichenlehrer tätig. 1946 konnte Nerlich Schlesien in dem Sonderzug der Sowjetischen Militäradministration, in dem Gerhart Hauptmanns Leichnam nach Deutschland überführt wurde, verlassen. 1948 erhielt der Künstler die Professur für Malerei und Grafik der Architekturabteilung an der Technischen Hochschule Dresden (seit 1961 TU Dresden). Das Motiv des Krankenzimmers war in der Kunst um 1900 stark verbreitet. Im Gegensatz aber zu Edvard Munch mit seinen zahlreichen Versionen des Bildes „Krankes Kind“ wollte Nerlich keine psychische Situation erfassen: Er hat das Motiv in gestrichelter, Person und Gegenstände verunklärender Malweise als Farbstudie wiedergegeben: braun, grün und weiß in gedämpfter Tonigkeit. In seinen Anfangsjahren hatte Nerlich die Stillleben von Carl Schuch bewundert, der sich bei vergleichbar lockerem Bildaufbau häufig ebenfalls weniger vom Motiv als von Farbzusammenstellungen anregen ließ. Die Rückseite der Leinwand zeigt in frontaler Ansicht das blasse Gesicht eines kleinen Jungen über der hochgeschlossenen Jacke unter einer braunen Pelzmütze. Nerlich, der mit Architektur- und Industrieansichten, auch Landschaftsbildern bekannt wurde, hat das kleine, so andere Gemälde, das wenig nach seiner Studienzeit entstanden war, in die Ausstellungen zum 80. und 85. Geburtstag aufgenommen. Aus seinem Nachlass gelangte es in die Nationalgalerie. | Angelika Wesenberg

Roter Turm

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Gliederpuppe

Gliederpuppe

Die dargestellte Gliederpuppe gehörte zur Ausstattung von Lachnits Atelier in der Dresdner Akademie, wie ein Foto von 1948 belegt. Hier zeigt er die Puppe in Angriffshaltung, mit lauerndem Blick und gestikulierenden Händen in weißen Handschuhen, an einem auffällig kahl wirkenden Tischende. Das angesprochene Gegenüber sieht man nicht, doch ist es über das aufgeschlagene Buch, durch Apfel, Flasche und Tasse, das drapierte Tischtuch in warmen Farben als aufgeschlossen und lebensvoll charakterisiert. Lachnit wie auch seine Kollegen sahen 1948 die künstlerische Lehre an der Akademie bedroht. Das Direktorenamt ging von dem erkrankten Hans Grundig an den Architekten Mart Stam über, welcher strukturelle Veränderungen vorsah. Bald auch wurde öffentlich am Beispiel Lachnits der „Formalismus“ in der bildenden Kunst angeklagt. Mit der Gliederpuppe als Agitator, unpersönlich und automatenhaft kommunizierend, fand Lachnit eine Symbolfigur für die erneuten Bedrängnisse des künstlerischen Schaffens, Kunst und Politik waren wiederum in Konflikt geraten. Er bereitete das Bild mit zahlreichen Kohle- und Aquarellzeichnungen vor, stellte darin die Gliederpuppe unterschiedlich drapiert und in verschiedenen Positionen, allein oder in einer Gruppe dar, bis er sie in dem Gemälde endlich bildbestimmend vor die leere Wandfläche setzte: Das Objekt erscheint nun als bedrohliches Subjekt, die ursprünglich Hilfskonstruktion einer Puppe hat sich als Apparatschik verselbstständigt. | Angelika Wesenberg

Fabeltier ("Horchtier")

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Für den Kühler eines Automobils entwarf Belling die Figur eines kleinen Tieres mit spitzer Schnauze, großen Ohren und Kugelaugen. Nicht allein aus finanziellen Erwägungen arbeitete er für die Industrie, sondern auch aus dem interdisziplinären, auf die Produktion bezogenen Ansatz des Arbeitsrates für Kunst und der Novembergruppe. Hinzu kam die zeittypische Begeisterung für Bewegung und Dynamik. Insbesondere die zunehmende Automobilisierung wurde zu einem Charakteristikum der modernen Großstadt. Für die 1921 eingeweihte Berliner Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße (AVUS) hatte Belling mit dem Architekten Wassili Luckhardt Reklamefiguren gestaltet. 1923 entwickelte er mit den Architekten Alfred Gellhorn und Martin Knauthe das Modell einer Tankstelle, und im selben Jahr entstand das „Fabel-“ oder „Horchtier“ für die Zwickauer Horchwerke AG. Der Firmengründer, August Horch, hatte bereits das Unternehmen Audi (lateinisch für „horch!, höre!“) initiiert, mit dem Horch später fusionieren sollte. Um dem Namen „Horch“ bildhaften Ausdruck zu verleihen, vergrößerte Belling ein Ohr der Tierfigur und drehte deren Kopf lauschend zur Seite. Dies war alles andere als aerodynamisch, aber auch andere Kühlerfiguren wie der 1906 etablierte Löwe bei Peugeot dienten eher repräsentativen Zwecken. Ohren und Schwanz des Tierchens lassen zudem an die Südschleife sowie die Steilkurve im Norden der AVUS denken. Bereits die ersten Prototypen der auf einem kreisrunden Schraubaufsatz befestigten Figur wurden gestohlen, eine Serienfertigung kam nicht zustande. | Dieter Scholz