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Nacht über Deutschland

Ident. Nr.: A III 257

ObjID: obj:961883

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Horst Strempel (1904 - 1975),
Künstler*in
Datierung
Herstellung: 1945/1946
Weitere Titel
Sammlungstitel: Nacht über Deutschland
Übersetzung: Night over Germany
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1948
Kauf: Magistrat von Groß-Berlin,
1948–1951
Material / Technik
Öl auf Sackleinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 229 x 324 cm gesamt
Erwerbung
1948 Ankauf vom Künstler für die Galerie des 20. Jahrhunderts. 1951 Schenkung des Magistrats von Groß-Berlin (Ost)

Objektbeschreibung

Die Wirkungsmacht des Bildes wurde 1947 bei seiner ersten Präsentation in der Berliner Galerie Franz deutlich. Hier hatte der Künstler ein Meisterwerk erschaffen, „dessen Anklage aufwühlt, dessen Stummheit spricht“ (Nacht-Express, 15.4.1947). Der Kunsthistoriker Edwin Redslob nannte das düstere Triptychon, das mit seinem Bezug zur christlichen Malerei auch deren Antithese formulierte, den „Altar der Hitlerzeit“ (Der Tagesspiegel, 12.4.1947). Die Abrechnung mit dem Nationalsozialismus fiel brutal aus und zielte auf die schonungslose Aufdeckung der Verbrechen. In der Mitteltafel hat Strempel eigene Lagererfahrungen verarbeitet – sie legt die Barbarei in den KZs offen. Der linke Flügel stellt die Angst im Bunker während der Bombennächte dar, der rechte zeigt eine versteckte jüdische Familie. Lediglich die Predella deutet mit dem Widerstand im Untergrund die vage Hoffnung auf Befreiung an. Adolf Jannasch schlug noch im selben Jahr die Erwerbung für die Berliner „Galerie des 20. Jahrhunderts“ vor. Wie zaghaft die Aufarbeitung des Naziterrors war, zeigt die Geschichte des Flügels zur Judenverfolgung. Während hier die gelben Sterne auf der Brust der Eltern nur angedeutet sind, war in der ersten Fassung die Beschriftung „Jude“ klar erkennbar (Horst Strempel, Ausst.-Kat. Galerie Franz, Berlin, 1947, o. S.). Die Mutter blickte die Betrachter:innen voller Entsetzen an und schien um Hilfe zu rufen. Diese plastische Darstellung war wohl zu viel: Nach Intervention Jannaschs gestaltete Strempel sie um. Wie Hans Grundigs „Den Opfern des Faschismus“ (um 1947; Galerie Neue Meister, Dresden) gehört „Nacht über Deutschland“ zu den Hauptwerken der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem NS-Staat, verschwand jedoch für Jahrzehnte im Depot. | Sven Haase

Letzte Aktualisierung: 04.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Badende

Badende

Die Statue scheint 1909 für einen mehrfigurigen Brunnen konzipiert worden zu sein, was den Titel „Badende“ erklärt. Um 1910 wurde jedoch nur eine einzelne Bronzefigur hergestellt, die an der Fassade eines 1910/1911 errichteten Miets- und Geschäftshauses in der Hardenbergstraße 1 in Berlin-Charlottenburg ihre Aufstellung fand. Der Eigentümer dieses „Haus am Knie“ genannten Gebäudes und damit auch der Figur war der Architekt und Immobilienunternehmer Arthur Vogdt. Die Fassade hatte der junge Bruno Taut entworfen. Die Statue stand auf einem hohen Sockel am Eingang des Hauses; ihre auffallende Drehung war auf diesen Standort abgestimmt. Wegen eines Schreibens des Bildhauers Richard Scheibe wurde die Figur früher auf 1904/1905 datiert; das trifft jedoch genauso wenig zu wie die Datierung um 1906 (Ethos und Pathos. Die Berliner Bildhauerschule 1786–1914, Ausst.-Kat. Skulpturengalerie der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin, 1990, Nr. 124). Die Angabe „um 1910“ dagegen entspricht der Bauzeit des Hauses. Damals schuf Kolbe auch eine große Frauenstatue nach dem Modell der späteren Bildhauerin Renée Sintenis (Georg Kolbe, 1877–1947, Ausst.-Kat. Georg Kolbe Museum, Berlin, 1997, Abb. S. 27). Wegen der Proportionen, der aufgerichteten Haltung und des herben Gesichts dürfte die „Badende“ nach demselben Modell entstanden sein. Im Zweiten Weltkrieg wurde das „Haus am Knie“ zerstört. Die Statue gelangte in den Besitz von Kurt Reutti, der zahlreiche Kunstwerke aus Berliner Kriegsruinen rettete. 1957 war die Bronze eine der ersten Erwerbungen für die Nationalgalerie (West). | Ursel Berger

Mädchen aus Xanten

Mädchen aus Xanten

Der Düsseldorfer Bildhauer Zimmermann schuf Plastiken für den öffentlichen Raum und für Kirchen. Er hatte an der Kunstakademie in Düsseldorf bei Alexander Zschokke studiert; kurzzeitig lebte er in Berlin (1932/1933) und Kassel (1936). Während der NS-Zeit war er beruflich erfolgreich. Das „Mädchen aus Xanten“ schuf er wohl im Auftrag der Xantener Dombauhütte. Es existierte eine Fassung aus Ton, deren Verbleib unbekannt ist. Die Bronze befand sich bereits 1937, im Jahr ihrer Entstehung, im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin. Damit changierte die Wahrnehmung der Figur: zwischen der Lesart in einem religiösen Zusammenhang und der als ideologisch geprägte, politisch sanktionierte Darstellung, die offenbar geeignet erschien, ein nationalsozialistisches weibliches Ideal zu repräsentieren. Das „Mädchen“, das eher nach einer herangereiften jungen Frau aussieht, steht solide in Lebensgröße da, die Form ist einfach und glatt. Unter der eng anliegenden Kleidung zeichnen sich die weiblichen Konturen deutlich ab, ohne Erotik auszustrahlen; die Gestalt ist kräftig, aber nicht muskulös, der Kopf mit einem Tuch bedeckt. Das Werk war wohl nie in Berlin öffentlich ausgestellt; nach 1945 geriet es, höchstwahrscheinlich aufgrund seines Besitzes durch eine NS-belastete Institution, in völlige Vergessenheit. In den 1970er-Jahren wurde es im Keller des Pergamonmuseums in einer Holzkiste gefunden und 1980 der Nationalgalerie (Ost) übergeben. | Emily Joyce Evans