Der Heilige
Ident. Nr.: B 54/1
ObjID: obj:961973
n/a
Kontakt
Einrichtung:
Neue Nationalgalerie
E-Mail:
nng@smb.spk-berlin.deDetails (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- 1914
- Weitere Titel
- Sammlungstitel: Der HeiligeÜbersetzung: The Saint
- Provenienz
- im Besitz des Künstlers,
1952Kauf: Galerie des 20. Jahrhunderts, Berlin (West),
1952–1968 - Material / Technik
- Öl auf Papier auf Leinwand
- Abmessungen
- Höhe x Breite: 130,5 x 97 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/961973
Objektbeschreibung
Christliche Motive spielten im Schaffen Melzers bereits vor dem Ersten Weltkrieg eine große Rolle. Während Expressionisten wie Ludwig Meidner oder Karl Schmidt-Rottluff derartige Stoffe auch inhaltlich aktualisierten und als Vorlagen für Kommentare zur Gegenwart nutzten, fand Melzers Aneignung nur auf formaler Ebene statt und folgte den überlieferten Bildtraditionen. Ein Rezensent, der Melzers Monotypien „Farbenschnitte“ nannte, befand, dass in dessen religiösen Bildern „der Rausch gleichsam nach innen gekehrt ist. Auf einem der schönsten Blätter, ‚Der Heilige‘ genannt, steht der Jüngling in jener schlaffen Haltung, die letzte Weltabgewandtheit kennzeichnet, er lässt die Hände und den Kopf hängen, wie im Schlaf, aber um ihn herum führen die Gestalten seiner religiösen Inbrunst: Christus, die Marien, Engel, einen sonderbaren Reigen auf. Dies Bild kann zur Erklärung des visionären Ursprungs Melzer’scher Kunst dienen, es ist eigentlich ein Bekenntnis und ein Symbol seines Schaffens“ (Ignaz Beth, Moritz Melzer, in: Kunst und Künstler, 15. Jg. [1917], S. 319 f.). Melzers Gemälde speist sich aber auch aus der Kunstgeschichte: Der Körper des toten Christus’ im Hintergrund scheint Rogier van der Weydens „Grablegung Christi“ (um 1450; Uffizien, Florenz) entnommen zu sein, Kopf- und Handhaltung der Hauptfigur Melzers dagegen der Darstellung Maria Magdalenas in van der Weydens „Kreuzabnahme“ (um 1435/1440; Prado, Madrid). Entsprechend dürfte „Der Heilige“ bei Melzer den dunkelrot gewandeten Jünger Johannes meinen, auf dessen Schoß ein Tuch der blau gekleideten Maria liegt. | Dieter Scholz
Letzte Aktualisierung: 19.12.2025
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