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Trauernde

Ident. Nr.: A IV 420

ObjID: obj:965424

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Otto Niemeyer-Holstein (1896 - 1984),
Künstler*in
Datierung
1947
Weitere Titel
Sammlungstitel: Trauernde
Übersetzung: Mourner
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 46,5 x 60,5 cm
Erwerbung
1981 Ankauf vom Künstler, Koserow/Usedom, aus Mitteln des Kulturfonds der DDR

Objektbeschreibung

Wir sehen eine verhärmte Frau in Wintermantel und Mütze. In sich gekehrt und mit unbewegter Miene sitzt sie den Betrachter*innen frontal gegenüber. Nach der Erinnerung von Matthias Wegehaupt, dessen Eltern langjährige Freunde Niemeyer-Holsteins waren, handelt es sich bei der Dargestellten um die Bildhauerin Frau Tscherpe (Schreibweise des Namens unklar). Nach dem Zweiten Weltkrieg wohnte sie einige Jahre in Stubbenfelde bei Loddin auf Usedom und war mit Luise Wegehaupt, der Mutter Matthias’, befreundet. Später folgte sie einem Bildhauer nach Südamerika (frdl. Mitteilung von Franka Keil, Leiterin des Museums Atelier ONH in Lüttenort bei Koserow). Hinter dem Porträt ist der Flügel im alten Atelier Niemeyers zu sehen, wie gewöhnlich mit einer Decke und verschiedenen Objekten geschmückt. Man erkennt ein Glas mit Blumen und einen Teller mit Früchten, rechts eine barockisierende Kaminuhr. Auch zwei zur gleichen Zeit entstandene Stillleben in der Sammlung des Atelierhauses (WVZ Soldner/Soldner 1995/2003, Nr. 0371, 0372) zeigen die Uhr ebenso wie weitere Gegenstände auf dem Flügel. Der Hintergrund in hellen, freundlichen Farben steht im Gegensatz zu der stumm trauernden Frau. Niemeyer-Holstein gab dem Bild in seinem eigenhändig angelegten Werkverzeichnis die Nummer 1. | Angelika Wesenberg

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz

Bauer, Weihwasser nehmend

Bauer, Weihwasser nehmend

Den Türrahmen fast vollständig ausfüllend, mit schweren Pantinen und großem Hut bekleidet, tritt ein Bauer auf dem in dunklen, erdigen Farben gehaltenen Gemälde von Egger-Lienz über die Schwelle einer einfachen Holzstube. Dabei taucht er seine Hand in ein Weihwasserbecken neben der Tür, ein durchaus übliches Ritual der Reinigung in katholischen Privathaushalten zur Entstehungszeit des Bildes. Ebenso wie dieses Spätwerk des Künstlers ist das gesamte Œuvre des Malers, der an der Münchner Akademie der bildenden Künste studiert hatte, von einer religiös gefärbten, realistischen und gleichsam idealisierenden Darstellung der bäuerlichen Alltagswelt geprägt. Die Formensprache ist dabei auf das Wesentliche reduziert. 1909 schrieb der damals im österreichischen Exil lebende Leo Trotzki anlässlich einer Ausstellung der Wiener Secession über Egger-Lienz’ Arbeiten: „Bei Egger gibt es nichts Überflüssiges. Er hält sich keinen Augenblick bei Einzelheiten auf. Die Farben sind ohne Nuancen, die Schatten der Gestalten nur schematisch angedeutet“ (Leo Trotzki, Die Wiener Secession, in: ders., Literatur und Revolution, Essen 1994, S. 478). Der Künstler selbst sagte über sich: „Ich male keine Bauern, sondern ‚Formen‘, so scheint es mir“ (Brief an O. Kunz, 12.5.1924, zit. nach Wilfried Kirschl, Albin Egger-Lienz, Wien 1977, S. 436). Wahrgenommen wird Egger-Lienz’ Werk dennoch vor allem durch das dominierende Sujet des Bauern und einfachen Mannes, das letztlich auch die konservative, teils nationalistische Rezeption seiner Arbeit bestimmt hat. | Maike Steinkamp