Logo

Komposition (Monat Mai)

Ident. Nr.: B 1100

ObjID: obj:965569

Credit: 1978 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Unbekannt,
Künstler*in
frühere Zuschreibung: Vladimir Tatlin (1885 - 1953),
Künstler*in
Datierung
Herstellung: 1916
Systematik/Art
Weitere Titel
Komposition (Monat Mai)
Übersetzung: Composition (The Month of May)
Provenienz
Sofia Dymschiz-Tolstaja,
393307
Privatsammlung UdSSR,
wohl 1963 - 1977
Privatbesitz Bundesrepublik Deutschland,
1977–1978
Galerie R, Nürnberg,
1978
Kauf: Land Berlin,
1978
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 52 x 39 x 2 cm (Tiefe variiert zwischen 1,3 und 2 cm)
Erwerbung
1978 Ankauf von der Galerie R, Johanna Ricard, Nürnberg, aus Sondermitteln der Deutschen Klassenlotterie Berlin

Objektbeschreibung

"Komposition“ besteht aus einer dünnen Malschicht auf einer Holzplatte. Vom „Monat Mai“ kündet die kyrillische Schrift. Die übereinandergelagert wirkenden monochromen Formen scheinen die geometrischen Formen der Malerei Vladimir Tatlins (1885-1953) von 1910 bis 1915 mit den räumlichen Konterreliefs von circa 1914 bis 1917 zu verbinden. Damit verkörpert das Gemälde einen nachvollziehbaren Übergang vom zwei- zum dreidimensionalen Raum. Ähnlich geometrisch gestaltet ist Tatlins Bild „Staro-Basmannaja“ (1913–1919; Tretjakov-Galerie, Moskau). Trotz des eng verwandt anmutenden Bildaufbaus unterscheidet es sich deutlich von der „Komposition“: Der Tiefeneindruck lässt es optisch fast zum Relief werden. In „Komposition“ hingegen, das erst seit 1977 nachweislich als Werk Tatlins ausgestellt und verkauft wurde, deutet nichts auf eine Tiefe jenseits der Bildebene hin. Die Nationalgalerie schreibt „Komposition“ nicht mehr Tatlin zu: aufgrund einer detaillierten kunsthistorischen Analyse des Werkes und der lückenhaften Provenienzangaben, die sämtlich die Nürnberger Galerie R lieferte (Bildakte in der Neuen Nationalgalerie) – sie hatte das Gemälde 1977 angeboten. Es soll aus dem Nachlass der 1963 verstorbenen, mit Tatlin befreundeten Leningrader Malerin Sofia Dymschiz-Tolstaja stammen. Weitere Hinweise auf einen Nachlass der Künstlerin sind aber nicht bekannt. Über wen das Werk nach deren Tod in eine nicht identifizierte tschechoslowakische Privatsammlung gelangt sein soll, wo es also von 1963 bis 1977 tatsächlich war, ist ebenfalls ungewiss. Neuere kunsttechnologische Analysen konnten allerdings keinen Nachweis über den Zeitpunkt der Entstehung erbringen. | Emily Joyce Evans

Letzte Aktualisierung: 28.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Fabeltier ("Horchtier")

Fabeltier ("Horchtier")

Für den Kühler eines Automobils entwarf Belling die Figur eines kleinen Tieres mit spitzer Schnauze, großen Ohren und Kugelaugen. Nicht allein aus finanziellen Erwägungen arbeitete er für die Industrie, sondern auch aus dem interdisziplinären, auf die Produktion bezogenen Ansatz des Arbeitsrates für Kunst und der Novembergruppe. Hinzu kam die zeittypische Begeisterung für Bewegung und Dynamik. Insbesondere die zunehmende Automobilisierung wurde zu einem Charakteristikum der modernen Großstadt. Für die 1921 eingeweihte Berliner Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße (AVUS) hatte Belling mit dem Architekten Wassili Luckhardt Reklamefiguren gestaltet. 1923 entwickelte er mit den Architekten Alfred Gellhorn und Martin Knauthe das Modell einer Tankstelle, und im selben Jahr entstand das „Fabel-“ oder „Horchtier“ für die Zwickauer Horchwerke AG. Der Firmengründer, August Horch, hatte bereits das Unternehmen Audi (lateinisch für „horch!, höre!“) initiiert, mit dem Horch später fusionieren sollte. Um dem Namen „Horch“ bildhaften Ausdruck zu verleihen, vergrößerte Belling ein Ohr der Tierfigur und drehte deren Kopf lauschend zur Seite. Dies war alles andere als aerodynamisch, aber auch andere Kühlerfiguren wie der 1906 etablierte Löwe bei Peugeot dienten eher repräsentativen Zwecken. Ohren und Schwanz des Tierchens lassen zudem an die Südschleife sowie die Steilkurve im Norden der AVUS denken. Bereits die ersten Prototypen der auf einem kreisrunden Schraubaufsatz befestigten Figur wurden gestohlen, eine Serienfertigung kam nicht zustande. | Dieter Scholz

Denkmal für einen spanischen Kommunisten

Denkmal für einen spanischen Kommunisten

Im Spanischen Bürgerkrieg 1936–1939 kämpften Sozialisten und Kommunisten für die gewählte republikanische Regierung gegen die im Lager des Putschisten Francisco Franco zusammengeschlossenen Rechten, Faschisten und Konservativen. Die Erinnerung an die Niederlage der Republikaner und die Ehrung der Kämpfer wurde in der DDR ab den 1960er-Jahren vermehrt gepflegt. Der Krieg wurde in Kino- und Fernsehfilmen thematisiert, und deutsche Interbrigadisten wurden für ihren Einsatz an der Seite der spanischen Republikaner geehrt. Vor diesem Hintergrund war es naheliegend, dass Alvermanns „Denkmal für einen spanischen Kommunisten“ in seiner Einzelausstellung 1979 in der DDR gezeigt wurde. Auf einem Damenschreibtisch mit Schublade ist eine menschengroße Puppe wie eine Leiche mit einem Tuch bedeckt aufgebahrt, die Beine ragen über die Tischkante hinaus. Es wäre eine ernsthafte Verkörperung der Opfer, stünde auf dem Tuch nicht das römisch-katholische Dogma „EXTRA ECCLESIAM NULLA SALUS“: „Außerhalb der Kirche kein Heil“. Nach seinem Tod wird der Kommunist von der Kirche eingeholt und für die eigene Sache reklamiert. Alvermanns Werk reflektiert gewissermaßen die damalige Lage in Spanien, wo unter dem Franco-Regime die katholische Kirche das politische, gesellschaftliche und kulturelle Leben dominierte. Als einzige der 13 auf der Einzelausstellung gezeigten Assemblagen Alvermanns wurde dieses „Denkmal“ im Jahr 1982 erneut ausgestellt. | Emily Joyce Evans

Und sie bewegt sich doch! (Galilei II)

Und sie bewegt sich doch! (Galilei II)

Im Jahr 1968 erhielt Cremer den Auftrag für eine öffentliche Großplastik im Zentrum von Karl-Marx-Stadt (heute erneut Chemnitz), die dem Thema „Befreiung der Wissenschaft“ gewidmet sein sollte. Gleichzeitig wurde Horst Zickelbein beauftragt, ein Wandbild zum Thema „Leben des Galilei“ zu entwickeln. Schnell stieß Cremer auf die angebliche Aussage Galileo Galileis (1564–1642) „und sie bewegt sich doch“ und nahm sie zum Ausgangspunkt; wichtig war auch Cremers Verbundenheit Verbundenheit mit Bertolt Brecht, der 1938 „Das Leben des Galilei“ verfasst hatte. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse des Astronomen, der das heliozentrische Weltbild des Kopernikus bestätigte, und der Prozess der römisch-katholischen Kirche gegen ihn, in dessen Verlauf die Inquisition ihn zwang, seinen Theorien abzuschwören, sind das Thema von Brechts Theaterstück wie auch von Cremers Plastik. Galilei kniet und erhebt die Hand zum Schwur. Die Falten seines Gewandes gehen in den Scheiterhaufen über, dem er als Strafe für die „Häresie“ übergeben werden soll. Der Titel der Arbeit und die Sonnenkugel auf der linken Hand weisen jedoch auf die spätere Anerkennung der Leistungen Galileis hin. An der Sonne befindet sich eine kleine Erdkugel; beide Elemente dieser Plastik können sich drehen. Wie in vielen seiner Arbeiten verbindet Cremer zwei scheinbar entgegensetzte Momente: Galileis erzwungenen Widerruf sowie die spätere Bestätigung und Würdigung seiner Forschung. | Emily Joyce Evans

Abstraktion

Abstraktion

Das rhythmisch bewegte Bild ist das erste abstrakte Gemälde von Münter. Es entstand am 25. April 1912 in der Münchner Ainmillerstraße 36, wo sie mit ihrem Lebensgefährten Wassily Kandinsky seit 1909 zusammenwohnte. Dem Werk vorausgegangen war ein Besuch des Kunsthändlers Hans Goltz mit seiner Gattin und deren Freundin. Goltz hatte kurz zuvor „Die zweite Ausstellung der Redaktion Der Blaue Reiter“ gezeigt. Bei seinem Besuch fertigte Münter zahlreiche Zeichnungen an, auf deren Basis mehrere Gemälde entstanden. Das erste, „Nach dem Tee I“ (Toyota Sogo Co., Ltd., Toyota-shi), bildete den Ausgangspunkt für „Abstraktion“. Im Vergleich lässt sich erkennen, dass die schwarzen Striche und farbigen Flächen zurückgehen auf die Darstellung der Teegesellschaft. Links ist an einem Fenster mit grünem Vorhang Münters Gesicht in Ocker angedeutet, darunter ihre blaue Bluse; davor als schwarzer Schatten Gertrude Goltz in einem Lehnstuhl mit dunkelroter Bespannung. Die kurvig schwingenden schwarzen Parallelen bezeichnen einen leeren Schaukelstuhl, zentral positioniert finden sich ein Schränkchen mit rotem Blumenstrauß und seitlich darüber Bilder an der Wand; rechts an einer Tischplatte Goltz und Kandinsky im Zwiegespräch. Letzterer ist durch strahlendes Weiß überhöht und gleichzeitig ausgelöscht. Die extreme räumliche Kluft zwischen Münter und Kandinsky wurde interpretiert als Zeichen der Krise ihrer Partnerschaft, die 1914 auseinanderging (vgl. Reinhold Heller, Innenräume. Erlebnis, Erinnerung und Synthese in der Kunst Gabriele Münters, in: Gabriele Münter 1877–1962. Retrospektive, Ausst.-Kat. München, 1992, S. 47–66). 1915 stellte Münter ihre Experimente mit abstrakter Malerei für fast vier Jahrzehnte ein. | Dieter Scholz