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Sich kratzende Ziege

Ident. Nr.: B I 436

ObjID: obj:965676

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Renée Sintenis (1888 - 1965),
Künstler*in
Datierung
Herstellung: 1918
Weitere Titel
Sammlungstitel: Sich kratzende Ziege
Übersetzung: Goat Scratching Itself
Provenienz
im Besitz der Künstlerin,
391106
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 14,7 x 9,5 x 6,5 cm (inkl. Sockel)
Erwerbung
1921 Ankauf von der Künstlerin

Objektbeschreibung

Schlafende und kniende Rehe, springende Gazellen, sich aufbäumende Pferde ebenso wie übermütige Fohlen, spielende Hunde oder Bären gehörten ab 1915 zum Kernbestand des bildhauerischen Œuvres von Sintenis. In den kleinformatigen Plastiken gelang es der Künstlerin, das Charakteristische eines jeden von ihnen einzufangen: in momenthaften Darstellungen, in denen sie Reflexe und ureigene Instinkte, freudige Begrüßung, ängstliche Augen, erschrecktes Aufbäumen, gebannte Aufmerksamkeit, Beschnuppern oder entspanntes Ausruhen auszudrücken wusste. Diesen genauen Blick hob Sintenis’ enger Vertrauter, der Schriftsteller Hans Siemsen, hervor: „Ihre Kunst verdankt sich ihren großen, schnellen, blitzhaft schnellen und präzisen Augen, die liebevoll und grausam richtig sehen, wie die Linse eines photographischen Apparats, und ihrem leidenschaftlichen Herzen, das nicht Recht oder Unrecht kennt, aber Liebe und Haß, oder sagen wir vielleicht lieber: Liebe und Verachtung. Ihre Tierplastiken sind äußerlich, aber nur äußerlich klein. Sie sind niemals ‚niedlich‘, sondern in der Auffassung […] des Tiers heidnisch groß und großartig“ (Hans Siemsen, Neue Plastiken. Renée Sintenis, in: Vogue, 11.4.1928, S. 42). Mit diesen kleinen, großartigen Werken feierte die Bildhauerin schon früh erste Erfolge. Bereits 1921 erwarb die Nationalgalerie gleich neun ihrer Kleinplastiken: neben dem knienden ein stehendes junges Reh (B I 433 und B I 432), zwei Fohlen (B I 430 und B I 431), drei Ziegen (B I 435, B I 436 und B I 438), einen „Schlafenden Steinbock“ (B I 434) sowie „Liegende Gazellen“ (B I 437). Offenbar war es der Ankaufskommission zu schwer gefallen, hier eine Auswahl zu treffen, woraufhin man fast alle zur Ansicht eingereichten Bronzen erwarb (Ludwig Justi an Renée Sintenis, 22.12.1920, SMB-ZA, NG 467, Bl. 583). | Maike Steinkamp

Letzte Aktualisierung: 04.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Badende

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Die Statue scheint 1909 für einen mehrfigurigen Brunnen konzipiert worden zu sein, was den Titel „Badende“ erklärt. Um 1910 wurde jedoch nur eine einzelne Bronzefigur hergestellt, die an der Fassade eines 1910/1911 errichteten Miets- und Geschäftshauses in der Hardenbergstraße 1 in Berlin-Charlottenburg ihre Aufstellung fand. Der Eigentümer dieses „Haus am Knie“ genannten Gebäudes und damit auch der Figur war der Architekt und Immobilienunternehmer Arthur Vogdt. Die Fassade hatte der junge Bruno Taut entworfen. Die Statue stand auf einem hohen Sockel am Eingang des Hauses; ihre auffallende Drehung war auf diesen Standort abgestimmt. Wegen eines Schreibens des Bildhauers Richard Scheibe wurde die Figur früher auf 1904/1905 datiert; das trifft jedoch genauso wenig zu wie die Datierung um 1906 (Ethos und Pathos. Die Berliner Bildhauerschule 1786–1914, Ausst.-Kat. Skulpturengalerie der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin, 1990, Nr. 124). Die Angabe „um 1910“ dagegen entspricht der Bauzeit des Hauses. Damals schuf Kolbe auch eine große Frauenstatue nach dem Modell der späteren Bildhauerin Renée Sintenis (Georg Kolbe, 1877–1947, Ausst.-Kat. Georg Kolbe Museum, Berlin, 1997, Abb. S. 27). Wegen der Proportionen, der aufgerichteten Haltung und des herben Gesichts dürfte die „Badende“ nach demselben Modell entstanden sein. Im Zweiten Weltkrieg wurde das „Haus am Knie“ zerstört. Die Statue gelangte in den Besitz von Kurt Reutti, der zahlreiche Kunstwerke aus Berliner Kriegsruinen rettete. 1957 war die Bronze eine der ersten Erwerbungen für die Nationalgalerie (West). | Ursel Berger

Mädchen aus Xanten

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Der Düsseldorfer Bildhauer Zimmermann schuf Plastiken für den öffentlichen Raum und für Kirchen. Er hatte an der Kunstakademie in Düsseldorf bei Alexander Zschokke studiert; kurzzeitig lebte er in Berlin (1932/1933) und Kassel (1936). Während der NS-Zeit war er beruflich erfolgreich. Das „Mädchen aus Xanten“ schuf er wohl im Auftrag der Xantener Dombauhütte. Es existierte eine Fassung aus Ton, deren Verbleib unbekannt ist. Die Bronze befand sich bereits 1937, im Jahr ihrer Entstehung, im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin. Damit changierte die Wahrnehmung der Figur: zwischen der Lesart in einem religiösen Zusammenhang und der als ideologisch geprägte, politisch sanktionierte Darstellung, die offenbar geeignet erschien, ein nationalsozialistisches weibliches Ideal zu repräsentieren. Das „Mädchen“, das eher nach einer herangereiften jungen Frau aussieht, steht solide in Lebensgröße da, die Form ist einfach und glatt. Unter der eng anliegenden Kleidung zeichnen sich die weiblichen Konturen deutlich ab, ohne Erotik auszustrahlen; die Gestalt ist kräftig, aber nicht muskulös, der Kopf mit einem Tuch bedeckt. Das Werk war wohl nie in Berlin öffentlich ausgestellt; nach 1945 geriet es, höchstwahrscheinlich aufgrund seines Besitzes durch eine NS-belastete Institution, in völlige Vergessenheit. In den 1970er-Jahren wurde es im Keller des Pergamonmuseums in einer Holzkiste gefunden und 1980 der Nationalgalerie (Ost) übergeben. | Emily Joyce Evans