Logo

Frühbürgerliche Revolution in Deutschland

Ident. Nr.: A IV 602

ObjID: obj:966001

Details (Expert)

Beteiligte
Werner Tübke (1929 - 2004),
Künstler*in
Datierung
Herstellung: 1979-1981
Weitere Titel
Sammlungstitel: Frühbürgerliche Revolution in Deutschland
Übersetzung: Early Bourgeois Revolution Germany
Material / Technik
Tempera und Öl auf Holz
Abmessungen
Höhe x Breite: fünf Tafeln je 139 x 244 cm
Erwerbung
1988 Ankauf vom Künstler, Leipzig

Objektbeschreibung

Die Holztafeln mit einer Breite von insgesamt mehr als zwölf Metern bilden zusammen das „Modello“ des Bauernkriegsdenkmals in Bad Frankenhausen im Maßstab 1:10. Anfang der 1970er-Jahre war im Zentralkomitee der SED die Idee aufgekommen, ein monumentales Panorama zu errichten, um zur 450-Jahrfeier 1975 an die Schlacht der aufständischen Bauern unter Führung des Reformators Thomas Müntzer gegen hessisch-braunschweigische und sächsische Fürstenheere zu erinnern. Dem marxistischen Geschichtsverständnis entsprechend galt es, diesem Höhepunkt der „frühbürgerlichen Revolution“ ein Denkmal zu setzen, da sich hier, wenn auch vorerst vergebens, zum ersten Mal jenes Klassenverständnis geregt habe, dem die DDR als „Arbeiter- und Bauernstaat“ ihre Existenz verdankte. 1976 unterschrieb Tübke den Vertrag mit dem federführenden Ministerium für Kultur der DDR. Nur zwei Monate nach Eröffnung der Gedenkstätte im Jahr 1989 wurde die Berliner Mauer geöffnet. Prinzipiell ist das Riesengemälde nicht als illusionistischer Rundum-Schnappschuss des Schlachtgeschehens angelegt, wie es der ursprünglichen Idee eines Panoramas entsprechen würde. Stattdessen entfaltet Tübke ein symbolisches Welttheater, in dem die Schlacht von Bad Frankenhausen als Episode und Kristallisationspunkt in ein allgemein menschliches und insofern kosmisches Kreislaufdrama eingebettet ist. Die vom Staat intendierte revolutionäre Stoßkraft in Richtung eines triumphalen Höhe- und Erlösungspunktes in der Zukunft wird so grundsätzlich umgelenkt in eine reflexive Kreisbewegung existenzieller, unausweichlicher Tragik. | Oliver Seifert

Letzte Aktualisierung: 04.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Badende

Badende

Die Statue scheint 1909 für einen mehrfigurigen Brunnen konzipiert worden zu sein, was den Titel „Badende“ erklärt. Um 1910 wurde jedoch nur eine einzelne Bronzefigur hergestellt, die an der Fassade eines 1910/1911 errichteten Miets- und Geschäftshauses in der Hardenbergstraße 1 in Berlin-Charlottenburg ihre Aufstellung fand. Der Eigentümer dieses „Haus am Knie“ genannten Gebäudes und damit auch der Figur war der Architekt und Immobilienunternehmer Arthur Vogdt. Die Fassade hatte der junge Bruno Taut entworfen. Die Statue stand auf einem hohen Sockel am Eingang des Hauses; ihre auffallende Drehung war auf diesen Standort abgestimmt. Wegen eines Schreibens des Bildhauers Richard Scheibe wurde die Figur früher auf 1904/1905 datiert; das trifft jedoch genauso wenig zu wie die Datierung um 1906 (Ethos und Pathos. Die Berliner Bildhauerschule 1786–1914, Ausst.-Kat. Skulpturengalerie der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin, 1990, Nr. 124). Die Angabe „um 1910“ dagegen entspricht der Bauzeit des Hauses. Damals schuf Kolbe auch eine große Frauenstatue nach dem Modell der späteren Bildhauerin Renée Sintenis (Georg Kolbe, 1877–1947, Ausst.-Kat. Georg Kolbe Museum, Berlin, 1997, Abb. S. 27). Wegen der Proportionen, der aufgerichteten Haltung und des herben Gesichts dürfte die „Badende“ nach demselben Modell entstanden sein. Im Zweiten Weltkrieg wurde das „Haus am Knie“ zerstört. Die Statue gelangte in den Besitz von Kurt Reutti, der zahlreiche Kunstwerke aus Berliner Kriegsruinen rettete. 1957 war die Bronze eine der ersten Erwerbungen für die Nationalgalerie (West). | Ursel Berger

Mädchen aus Xanten

Mädchen aus Xanten

Der Düsseldorfer Bildhauer Zimmermann schuf Plastiken für den öffentlichen Raum und für Kirchen. Er hatte an der Kunstakademie in Düsseldorf bei Alexander Zschokke studiert; kurzzeitig lebte er in Berlin (1932/1933) und Kassel (1936). Während der NS-Zeit war er beruflich erfolgreich. Das „Mädchen aus Xanten“ schuf er wohl im Auftrag der Xantener Dombauhütte. Es existierte eine Fassung aus Ton, deren Verbleib unbekannt ist. Die Bronze befand sich bereits 1937, im Jahr ihrer Entstehung, im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin. Damit changierte die Wahrnehmung der Figur: zwischen der Lesart in einem religiösen Zusammenhang und der als ideologisch geprägte, politisch sanktionierte Darstellung, die offenbar geeignet erschien, ein nationalsozialistisches weibliches Ideal zu repräsentieren. Das „Mädchen“, das eher nach einer herangereiften jungen Frau aussieht, steht solide in Lebensgröße da, die Form ist einfach und glatt. Unter der eng anliegenden Kleidung zeichnen sich die weiblichen Konturen deutlich ab, ohne Erotik auszustrahlen; die Gestalt ist kräftig, aber nicht muskulös, der Kopf mit einem Tuch bedeckt. Das Werk war wohl nie in Berlin öffentlich ausgestellt; nach 1945 geriet es, höchstwahrscheinlich aufgrund seines Besitzes durch eine NS-belastete Institution, in völlige Vergessenheit. In den 1970er-Jahren wurde es im Keller des Pergamonmuseums in einer Holzkiste gefunden und 1980 der Nationalgalerie (Ost) übergeben. | Emily Joyce Evans