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Junge mit Böckchen

Ident. Nr.: NG 44/81

ObjID: obj:966813

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Renée Sintenis (1888 - 1965),
Künstler*in
Datierung
1949
Weitere Titel
Sammlungstitel: Junge mit Böckchen
Übersetzung: Boy with a Young Billy Goat
Provenienz
im Besitz der Künstlerin,
391057
Nachlass/Vermächtnis: Magdalena Goldmann, Berlin,
1965–1981
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 29,5 x 9,3 x 6,7 cm
Erwerbung
1981 Vermächtnis Magdalena Goldmann, Berlin (West), aus dem Nachlass Renée Sintenis

Objektbeschreibung

Gelegentlich wählte Sintenis Kinder oder Jünglinge als Motiv. Einzelne solcher Figuren schuf sie schon in den 1920er-Jahren, doch traten sie vor allem ab den frühen 1950er-Jahren in Erscheinung. Die Plastiken stellen keine zeitgenössischen Kinder dar – wie noch in den 1920er- und 1930er- Jahren –, vielmehr verweisen sie, nur mit einem Lendenschurz bekleidet, Panflöte spielend (B 13, NG 43/81 und NG 42/81) oder ein Lamm (B 33/1 und NG 45/81) oder Böckchen (NG 44/81) tragend, auf eine vergangene, mythische Zeit. | Maike Steinkamp

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Das Trojanische Pferd

Das Trojanische Pferd

Immer wieder hat Corinth der antiken Literatur Motive entlehnt. Als bedeutendes Alterswerk entstand kurz vor seinem Tod die seltsam modern und gegenwärtig wirkende Geschichtsdarstellung „Das Trojanische Pferd“. Zu sehen ist eine Szene aus dem Kampf um Troja nach dem uralten Epos „Ilias“ von Homer: Nach jahrelanger Belagerung der Stadt gibt das Heer der Griechen scheinbar auf und stellt ein riesiges hölzernes Pferd als Siegesgabe vor die unüberwindlichen Mauern. Corinth zeigt die Verhaftung des als Boten zurückgelassenen Griechen und einen schwer bewaffneten Trupp der Hellenen, der sich aus einem der Stadttore nähert und später das Ungetüm in die Stadt ziehen wird. Nachts werden die darin verborgenen Griechen die Tore öffnen und damit den Untergang der Trojaner einleiten. Die Darstellung, durch etliche Zeichnungen vorbereitet, bleibt bewusst unbestimmt und durch die kurzen, nervösen Pinselstriche skizzenhaft. Trotz ironischer, ja karikierender und vieler farbpoetischer Momente ist eine hintergründige Vision von Bedrohung und Untergang entstanden. Der festungsartigen, von einem blau schimmernden Meer umgebenen Stadt unter einem rot und gelb geschlierten Himmel steht der schiefergraue Koloss des Pferdes der Griechen entgegen. Die agierenden Personen verunklären absichtsvoll die Komposition. Das Licht der niedrig stehenden Sonne umfängt Boote, Krieger und das hölzerne Pferd mit einem schimmernden Lichtrand. Corinth hat selbst noch das ursprünglich seiner Frau, Charlotte Berend-Corinth, zugedachte Gemälde als Leihgabe in die Neue Abteilung der Nationalgalerie im Kronprinzen-Palais gegeben. In der Gedächtnisausstellung der Nationalgalerie im Jahr 1926 war das Bild dann ein Hauptwerk. Direktor Ludwig Justi fasste die Wirkung des Gemäldes zusammen: „[…] der ganze Bildraum funkelnd, als wäre ein Tau farbiger Edelsteine gefallen“ (Lovis Corinth. Ausstellung von Gemälden und Aquarellen zu seinem Gedächtnis, Ausst.-Kat. Nationalgalerie, Berlin, 1926, S. 9). Aus der Gedächtnisausstellung kam das Werk als Geschenk der Witwe und der Kinder des Künstlers in die Sammlung der Nationalgalerie. | Angelika Wesenberg

Italienische Landschaft

Italienische Landschaft

1905 reiste Großmann erstmals nach Paris, wo er mit Unterbrechungen acht Jahre lang blieb. Hier gehörte er zum Künstlerkreis des Café du Dôme und schloss mit Hans Purrmann, dem Begründer der Matisse-Schule in Paris, eine lebenslang währende Freundschaft. Nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs trafen sich viele der „Dômiers“ in Berlin wieder, so auch diese beiden. 1922/1923 weilte Großmann in Italien, zeitweise gemeinsam mit Purrmann, danach lebte er wieder in Berlin. Zeichnungen und Lithografien von Großmann zum Thema Italien erschienen 1925 in zwei Kunstmappen, jeweils mit einem Text von Annette Kolb: „Veder Napoli e partire. Italienische Reiseskizzen“ im Pontos-Verlag und „Spitzbögen“ bei S. Fischer. Die Ansicht einer Sitzenden auf dem Balkon, die in eine Landschaft mit einem See vorn und Bergen im Hintergrund schaut, zeigt aber vermutlich nicht die Schriftstellerin, sondern Großmanns junge Gattin. Seine Malweise ist stets durch eine zeichnerische Situationserfassung gekennzeichnet. Ludwig Justi schätzte an Großmann, dass „dessen Malerei durch ihre spielende Leichtigkeit und Durchsichtigkeit einer bestimmten Einstellung des heutigen Großstädters entspricht, der wir auch sonst begegnen. Seine Begabung ist nicht nur auf das Ölbild gerichtet; er zeichnet viel, gern Bildnisse, mit Hang zum Karikieren“ (Ludwig Justi, Von Corinth bis Klee, Berlin 1931, S. 95). In der Nationalgalerie wurden 1937 fünf Arbeiten Großmanns als „entartete Kunst“ beschlagnahmt, ein Schicksal, dem dieses Italien-Gemälde und einige Zeichnungen entgingen. | Angelika Wesenberg

Bildnis Ludwig Justi. 1. Fassung

Bildnis Ludwig Justi. 1. Fassung

1956 fand anlässlich des 70. Geburtstages des Künstlers eine große Personalausstellung in Dresden, Karl-Marx-Stadt und Ost-Berlin statt. Die Ausstellung in der Nationalgalerie eröffnete am 15. Dezember der betagte Ludwig Justi, dem Künstler Paul Wilhelm als großer Museumsmann selbstverständlich bekannt. Justi (1876–1957) war bereits von 1909 bis 1933 Direktor der National-Galerie gewesen und hatte damals sehr für die zeitgenössische Kunst eingesetzt. Ab 1946 war er Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin und kurze Zeit später zugleich Direktor der National-Galerie. Aus Dank und Bewunderung bat der Künstler darum, Justi malen zu dürfen. Während eines mehrtägigen Aufenthalts im Sommer 1957 am Wohnsitz Justis in Potsdam entstanden einige Zeichnungen (heute im Besitz der Berliner und Dresdner Kupferstich-Kabinette) und die Grundzüge dieses Porträts. Eine zweite Fassung malte Wilhelm wenig später in Dresden-Radebeul (Staatliche Kunstsammlungen Dresden). Justi starb am 19. Oktober 1957, er wird das fertige Bild nicht mehr gesehen haben. Es wurde 1959 für die Nationalgalerie erworben. Wilhelm zeigt Justi in repräsentativer Haltung, jedoch in überraschender Farbigkeit, in seiner häuslichen Bibliothek. In den Händen hält er vermutlich ein Exemplar seiner in mehreren Auflagen erschienenen Monografie über den Renaissancemaler Giorgione. Und aus den Taschenkalendern des Malers wissen wir, dass dieser das Werk 1957 las und exzerpierte. | Angelika Wesenberg

Frühlingsfest

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Reges Treiben herrscht auf einer Wiese an einem Fluss. Mehrere kleine Grüppchen größtenteils unbekleideter Männer und Frauen sind in erotischer Zweisamkeit zu sehen. Dabei erscheinen vor allem die männlichen Figuren als raue Gestalten, während die Frauen ihnen gegenüber zurückhaltend wirken. In der Mitte des Geschehens schreitet, offenbar unbeeindruckt von den Vorgängen, die Frühlingsgöttin. Sie hält einen Blumenstrauß in der Hand und blickt die Betrachter:innen an, während sie Blüten zwischen den Pärchen verteilt. Aus einem Busch vorn links trägt ein satyrhafter Flötenspieler die Musik zur Szene bei. Die Malweise tendiert ins Pointillistische, wodurch nicht nur die Figuren als in Bewegung begriffen erscheinen, sondern mit ihnen die gesamte Natur. Das signierte Bild ist Degners Frühwerk zuzuschreiben, in dem er noch der antikisierenden Romantik des Symbolismus verpflichtet war. Thematisch und stilistisch erinnert es an das „Bacchanale“ (Landesmuseum Hannover), wie es Lovis Corinth 1896 dargestellt hatte und Degner es selbst 1915 in einem Gemälde („Bacchantenzug“, vgl. Degner, 1888–1972: Arthur Degner – Malerei, Graphik, Plastik, Ausst.-Kat., Berlin, 2014, S. 28) als Motiv wählte. Corinth zählte zu Degners Förderern. Er ermöglichte dem 30 Jahre jüngeren Maler die Teilnahme an Werkschauen der Berliner Secession ab 1911 – im selben Jahre wurde Degner deren Mitglied –, woraufhin 1912 seine erste Einzelausstellung in der Galerie Paul Cassirer folgte. Folglich dauerte es nicht lange, bis seine Werke in renommierten Kunstzeitschriften wie „Kunst und Künstler“, „Der Cicerone“ oder „Pan“ besprochen wurden. | Anja Pawel

Komposition: Die Taube

Komposition: Die Taube

Ab 1909 war der Italiener Severini eines der führenden Mitglieder der Futuristen gewesen. Von deren Formensprache ist diese „Komposition“ jedoch weit entfernt. Vielmehr steht das Bild für die Rückbesinnung auf das klassische Erbe und die „Rückkehr zur Ordnung“ der Jahre nach dem Ersten Weltkrieg, die auch Severinis 1921 in Paris veröffentlichtes Buch „Du cubisme au classicisme“ verdeutlicht: eine Verbindung zwischen der Moderne und dem klassischen Erbe. Anfang der 1930er-Jahre schuf Severini mehrere Gemälde, die in Komposition und Motivwahl ähnlich sind und diese Beziehung zwischen Kubismus und Klassizismus auf den Punkt bringen (WVZ Fonti 1988, 507–524). Zeigen die ersten acht jener Bilder im Hintergrund noch erkennbare Stadtansichten, tritt in weiteren zehn eine Fantasielandschaft an deren Stelle – so auch im Werk der Nationalgalerie. Im Vordergrund hat Severini ein kubistisch anmutendes Stillleben aus Gefäßen, einem Saiteninstrument, Trauben, beschriebenen Blättern und einer Taube arrangiert. Nach links und rechts ist eine Art dichte Wolkendecke wie ein Vorhang zur Seite gezogen, um den blauen Himmel freizugeben. Davor stehen antik aussehende Architekturfragmente: ein blockhaftes Tor, eine klassizistische Ruine mit Säulen und dahinter eine graue Fläche mit der Zeichnung eines antik wirkenden Frauenaktes, alles in ganz unterschiedlichen Maßstäben und Dimensionen. Vorder- und Hintergrund haben keinen räumlichen, sondern einen gedanklichen Bezug zueinander. | Emily Joyce Evans