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Taifun

Ident. Nr.: A IV 296

ObjID: obj:967160

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Theodor Werner (1886 - 1969),
Künstler*in
Datierung
1951
Weitere Titel
Sammlungstitel: Taifun
Übersetzung: Typhoon
Provenienz
Nachlass/Vermächtnis: Nachlass Theodor Werner,
1974
Material / Technik
Tempera auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 81 x 100 cm
Erwerbung
1974 Schenkung aus dem Nachlass des Künstlers, München

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Schreitende I

Schreitende I

Kaspers Hauptthema war die ruhig stehende Frauenfigur. Dabei sollten die Plastiken „keinerlei persönliche Gefühle“ oder seelischen Ausdruckswillen zeigen, wie Werner Haftmann in seiner Monografie über den Künstler schrieb (Werner Haftmann, Der Bildhauer Ludwig Kasper, Frankfurt am Main u. a. 1978, S. 13, Anm. 15). Ab 1936 entstanden fünf lebensgroße Frauengestalten, unter ihnen zwei Versionen der Schreitenden. Die „Schreitende I“ schuf der Künstler noch vor seinem halbjährigen Griechenland-Aufenthalt 1936/1937. Ihre „archaische“ Wirkung, die an griechische Koren erinnert, beruht also nicht auf Eindrücken von dort, sondern entsprach Kaspers Formenstil, wie er ihn seit 1931 ausgebildet hatte. Schon in dieser Zeit war der Rückgriff auf die Skulptur der Antike und insbesondere die der Etrusker, deren Archaik und formale Strenge, ihre sparsame Gestik und ihren weitgehenden Verzicht auf jeglichen anekdotischen Zierrat, ein Charakteristikum von Kaspers Kunst. In seinen Skulpturen interessierte er sich nicht für das Individuelle, sondern für das Typische. Trotz der in ihnen angelegten Überzeitlichkeit und klassischen Skulpturauffassung, die seine Werke auch im Kontext der NS-Plastik interessant machten, ist es kein heroisches Menschenbild, das Kasper vertritt. In der Nationalgalerie befinden sich sowohl eine Bronzefassung (B III 38 b) als auch zwei Exemplare aus Stukko und Marmorzement (B III 38 a und ohne Inv.-Nr.). Eine der beiden Stukkofassungen (B III 38 a) wurde zusammen mit der „Stehenden I“ (B III 134 a) nach 1945 aus dem zerstörten Haus der Ateliergemeinschaft Klosterstraße in Berlin geborgen und im November 1949 vom Amt für Rückführungen und Museen der Nationalgalerie zur Verwahrung übergeben (Kurt Reutti, Liste der Bergungen, Typoskript, Berlin 1947–1951, Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, VI, HA, NL Reutti). 1971 konnte davon mit Erlaubnis der Witwe des Künstlers, Ottilie Kasper, ein Bronzeguss angefertigt werden. | Maike Steinkamp

Funkturm und Hochbahn

Funkturm und Hochbahn

In Nerlingers ab 1928 geschaffenen Stadt- und Industrielandschaften manifestiert sich einerseits seine Faszination von effizienter Technik, avantgardistischen Bauten und modernem Verkehr, andererseits die Kritik an industrieller Ausbeutung. Der Funkturm im Berliner Westend war bei seiner Eröffnung 1926 der erste und höchste Sendeturm im Land, ein Symbol für Massenkommunikation und Fortschritt. Nerlinger stand doppelt in seinem Bann: Er war beeindruckt von der technischen Modernität, der konstruktivistischen Ästhetik und dem gesellschaftlichen Potenzial des Baus – und hatte ihn von seiner nahe dem S-Bahnhof Witzleben gelegenen Wohnung täglich im Blick. In „Funkturm und Hochbahn“ setzte er den Turm in dramatischer Untersicht in Szene: Dynamik ist Hauptmotiv und Gestaltungsprinzip. Die schlanken roten Linien des Stahlgerüsts verjüngen sich über der Aussichtsplattform im Himmel, das beflaggte Hochhaus gegenüber weit überragend. Ihre Krümmung wird von der Kurve einer fiktiven schwebenden Hochbahntrasse gespiegelt. Die so entstehende Linsenform markiert die Bilddiagonale sowie eine Art Spiegelachse für die Rechtecke von Hochhaus und Plattform. Zugleich stellt die Linse ein Gerät zur „Aussendung“ von Strahlen dar, quasi als optisches Äquivalent zum Funk. Unübersehbar ist die Nähe zu Nerlingers werbegrafischen Arbeiten: Reduktion, Geometrisierung und Anordnung auf leerem Grund schaffen Zeichenhaftigkeit; Dynamisierung und Ornamentfreiheit verstärken Aussage und Wirkung; der Schriftzug BERLIN prangt wie ein Werbeslogan im Bild. Es überrascht nicht, dass dieses Motiv im Mai 1929 den Titel der Zeitschrift „Der Deutsche Rundfunk“ zierte. | Christina Thomson

Hamburger Hafen

Hamburger Hafen

1919 begann Meyboden sein Studium als Meisterschüler bei Oskar Kokoschka an der Kunstakademie in Dresden. Zehn Jahre später bezog er ein eigenes Meisteratelier an der Akademie der Künste in Berlin. Meyboden gilt als Expressionist der zweiten Generation. Sein Malstil in „Dents du Midi“ (A IV 642) und „Hamburger Hafen“ (A IV 643) erinnert stark an seinen Lehrer. Der Künstler wechselte zwischen Details – wie den kleinen Booten unten links im Hafen oder den feinen Streben der roten Brücke darüber – und schematischer Darstellung – etwa dem fast intuitiv wirkenden Schwung der Hochbahn oder den schiefen Fassaden im Vordergrund. Realitätsnahe Momente bleiben nicht aus: In der Ferne steht der Uhrturm der Landungsbrücken halb versteckt und dennoch deutlich identifizierbar hinter anderen Gebäuden. Einen ähnlichen Effekt erreichte der Maler in seinen „Dents du Midi“: Dargestellt ist der Blick von Leysin, südöstlich vom Genfer See gelegen, über das Rhonetal auf die Dents du Midi im Winter. Die Bäume und Zäune im Vordergrund wirken dürr, dabei präzise, vor dem vergleichsweise grob wiedergegebenen Massiv. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme geriet Meyboden wegen seines Malstils in die Kritik; er zog sich 1933 zurück nach Fischerhude bei Bremen. „Dents du Midi“ und „Hamburger Hafen“, die zusammen mit einem dritten Bild, „Leysin“ (1930/1931; Verbleib unbekannt), vom preußischen Kultusministerium für die Räume der Musikhochschule in Berlin-Charlottenburg angekauft worden waren, wurden 1942 aus dieser entfernt und als „entartet“ der Nationalgalerie zur Verwahrung übergeben. | Emily Joyce Evans

Aufbruch

Aufbruch

Der aus einer Steinmetzfamilie stammende Bildhauer Horn lebte und arbeitete in Halle an der Saale. Zusammen mit seinem Vater Paul Horn, dem Maler Karl Völker, dem Architekten Martin Knauthe und dem Bildhauer Karl Oesterling gründete er 1919 die Hallische Künstlergruppe und verfasste deren Manifest. Um sich von seinem Vater zu unterscheiden, benutzte Horn die Pseudonyme Richard Borgk und Paul Reinhold. Auch „Aufbruch“ wurde am Sockel mit „Rich. Borgk“ signiert. Gezeigt ist eine in dynamischer Drehung ausschreitende Figur als Verkörperung der revolutionären Aufbruchsstimmung nach dem Ersten Weltkrieg. Die oval und zylindrisch vereinfachten Körperformen sind deutlich von Alexander Archipenko beeinflusst (vgl. dessen „Flachen Torso“, B 789). Mitte November 1919 zeigte Horn die Gipsfassung von „Aufbruch“ (heute in der Moritzburg, Halle) in der „Halleschen Kunstausstellung“. Bei einem im Sommer 1920 ausgeschriebenen städtischen Wettbewerb für ein Volkshaus am Rossplatz bezog Karl Völker in seinen am Ende siegreichen Entwurf (der in Zusammenarbeit mit dem Stadtbaumeister Clemens Vaccano entstanden war) auch zwei Monumentalplastiken ein, die an Horns „Aufbruch“ erinnern. Zwar wurde das Gebäude nicht errichtet, doch erhielt Horn ab 1921 mehrere Aufträge für architekturgebundene Figuren und Reliefs in Halle. Er schuf Denkmale und politische Grafiken und war nach dem Zweiten Weltkrieg auch mit der Restaurierung beschädigter Bauplastiken in Berlin befasst. | Dieter Scholz

Dampfer am Kai (Viva II)

Dampfer am Kai (Viva II)

Zum Ende seiner Ausbildung erhielt Böttcher einen der in der DDR vielfach vergebenen, aber oft unbeliebten Aufträge des Kulturbundes. 1959 arbeitete er vier Wochen lang in Rostock und Warnemünde, wo er Eindrücke für das Auftragswerk „Schweißerbrigade“ sammelte. Daneben entstand nach den Studien dafür auch das aufregend moderne Bild eines zum Abwracken bestimmten Schiffes. In dem Werk „Dampfer am Kai“ stoßen kompakte, in sich reich modulierte Farbflächen hart aufeinander: Schwarz, Rotbraun und farbiges Weiß. Ein wenige Jahre zuvor erschienener Artikel über Böttcher erwähnt, dass dieser gern als sein Vorbild Georges Braque anführte und dessen Gedanken aufnähme, dass besonders malenswert sei, was in den Müll gehöre. Der Autor Gerhard Pommeranz-Lietke resümierte: „Die Farben sind von Braque geborgt, doch dessen strenge flächig-geometrische Formenwelt ist malerisch aufgelöst […].“ (Bildende Kunst, 5. Jg., 1957, Heft 4, S. 256) Der Galerist Lothar Lang erinnert zu der Zusammenarbeit mit Böttcher: „Er hatte mir einst das Vergnügen bereitet, seine erste Einzelausstellung einrichten zu dürfen, die ich am 23. Mai 1964 im Kunstkabinett am Institut für Lehrerweiterbildung eröffnen konnte. […] die wunderbare Malerei ‚Dampfer am Kai. Viva II‘ aus dem Jahre 1959. […] Das frühe Werk der fünfziger Jahre ist wichtig, also die dunklen Berliner Stadtbilder, die kompaktflächigen Dampferbilder, die herben Porträts und die aggressiven, proletarischen Stillleben – eine ‚Schwarze Malerei‘, beladen mit Schwermut und existenziellen Problemen.“ (Lothar Lang, Ein Leben für die Kunst. Erinnerungen, Leipzig 2009, S. 204f.) | Angelika Wesenberg

Stefan George

Stefan George

Der Schweizer Bildhauer Zschokke hatte 1913 ein Architekturstudium in München begonnen, wurde bei Kriegsbeginn 1914 eingezogen und nahm während des Diensturlaubs Malunterricht. Wieder in Basel trat er der Künstlergruppe Neues Leben bei. In Ascona lernte er Alexej von Jawlensky kennen, über den er in Kontakt zu einstigen Mitgliedern der Künstlervereinigung Brücke in Berlin kam. Dort hatte Zschokke von 1920 bis 1930 ein Atelier in der Fasanenstraße 13, wandte sich der Bildhauerei zu und schuf vornehmlich Porträtköpfe. Ein zentrales Erlebnis des Künstlers war seine Begegnung mit dem Dichter Stefan George (1868–1933), der schließlich zu Lesungen und Zusammenkünften von Künstlern, Literaten und Intellektuellen in das Berliner, aber auch in das Basler Atelier Zschokkes einlud. Der Bildhauer war von dem charismatischen George fasziniert, ohne zum Kreis seiner „Jünger“ zu gehören. So porträtierte er den Dichter mehrfach, es entstand ein ganzer Zyklus von Kopfstudien. Er selbst schrieb um 1935, dass er bis zu vierzig Porträts angefertigt habe (SMB-ZA, V/Slg. Künstler, Zschokke, Alexander). Die Büste der Nationalgalerie scheint eine typisierte Variante zu sein, die sich dennoch durch die charakteristischen dünnen Stirnfalten und das zurückgekämmte Haar auszeichnet. Zschokke schuf häufig aus der Erinnerung, da es ihm um die Vermittlung verinnerlichter Werte ging. Statt eines äußeren Erscheinungsbildes wollte er ein Persönlichkeitsbild schaffen. | Johanna Yeats

Nike

Nike

Als der Maler und Bildhauer Nitschke 1931 seine Tochter Nike (1917–1990) als torsierte Aktfigur darstellte, war sie 14 Jahre alt. Nitschke hatte in Karlsruhe, München und Stuttgart studiert und dabei ein Interesse für baubezogene Kunst entwickelt. Er gestaltete Wandbilder sowie Skulpturen in Sandstein, Basalt und Terrakotta. In Stuttgart lernte er im Freundeskreis um die Architekten Paul Bonatz und Bruno Taut auch Walther Baedeker kennen, der ihn 1907 in sein Hamburger Architekturbüro holte. Zudem war beider private Beziehung eng: Nitschke heiratete Baedekers erste Ehefrau Hadwig, 1917 wurde die Tochter Nike Ulrike geboren. Seit 1923 lebte die Familie in Berlin, doch Nike lernte ab 1927 auf der Odenwaldschule. Im Sommer 1931 besuchte sie ihren Vater in Cagnes-sur-Mer. Mit der dortigen glatten, hellen Tonerde modellierte er eine lebensgroße Hohlfigur. Im Gegensatz zu den an den Oberschenkeln abgeschnittenen Torsi Wilhelm Lehmbrucks (vgl. „Großer weiblicher Torso“, B I 425) ist Nike kniend dargestellt und mit der Kurzhaarfrisur ganz ein Kind ihrer Zeit. Die leichte Drehung des Oberkörpers, das Spiel der Wölbungen und die sanft-orange Farbe des gebrannten Tons verleihen der Figur ebenso ihren Charakter. Ab 1933 studierte Nike beim Lette-Verein in Berlin Modezeichnen, 1935 heiratete sie den Schriftsteller Richard Fester. Sie malte, schrieb, schnitzte und modellierte. 1959 zog sie mit ihren Kindern und Eltern in ein gemeinsam gebautes Atelierhaus in Schönau bei Heidelberg. Als eines der wenigen nicht im Krieg zerstörten Werke Nitschkes verblieb die Nike-Figur dort in Familienbesitz, bis sie 2019 der Nationalgalerie geschenkt wurde. | Dieter Scholz

Gebeugter männlicher Torso

Gebeugter männlicher Torso

Fleck studierte in Leipzig und Dresden und ließ sich 1966 in Frankfurt (Oder) nieder, wo ihre Laufbahn als freischaffende Künstlerin begann. Als der „Gebeugte männliche Torso“ entstand, hatte sie soeben erst begonnen, in Sandstein zu arbeiten. Zu der Form des Torsos sagte sie: „Die ziemlich kleinen Blöcke selbst bringen einen ja auf diese Idee“ (Regina Fleck, gesehen von Manfred Tschirner, in: Sonntag, 13.6.1976). Fleck begriff ihre Torsi nicht als Fragmente, sondern als in sich vollständigen Ausdruck. Der damals verwendete Untertitel „Studie zu einem Gequälten“ offenbart, dass es ihr neben der Beschäftigung mit dem menschlichen Körper auch um eine psychologische Bedeutung ging. Der Fokus auf Emotionen und einen Teil des Körpers hat den Effekt einer konzentrierten Momentaufnahme, die gleichzeitig viele Bilder von der Haltung der gesamten Figur vorstellbar macht. 1979 wurde Fleck der Will-Lammert-Preis der Akademie der Künste der DDR verliehen. In der Begründung der Jury heißt es, Fleck komme „in neuen Arbeiten [wie ‚Gebeugter männlicher Torso‘] zu Lösungen, in denen die geschlossene Form der klassischen Skulptur aufgegeben ist“. (Akademie der Künste, Berlin, AdK-O 1836, Bl. 2) Verfasser der Laudatio war der Kunstwissenschaftler Manfred Tschirner, der damals in der Galerie Junge Kunst, Frankfurt (Oder), arbeitete und die Künstlerin kannte; später wechselte er zur Nationalgalerie (Ost), die den Torso 1985 erwarb. | Emily Joyce Evans

Junge Menschen

Junge Menschen

„Begegnungen mit Menschen“, so der Titel eines kleinen Bändchens zur Kunst Berganders (Einführung von Arthur Dänhardt, Dresden 1959), sind eines seiner Kernmotive: Das Zwischenmenschliche. Legte er soziale Interaktionen in den 1950er-Jahren häufig im sozialistischen Arbeitsumfeld an, erscheinen sie hier als heitere Szene der Jugendkultur. Der Künstler hat mit „Junge Menschen“ ein Meisterstück des eigenen Œuvres sowie des sozialistischen Realismus insgesamt geschaffen. Das Gemälde ist die erste Abbildung im Katalog zur 5. „Deutschen Kunstausstellung“ 1962, die Nationalgalerie (Ost) erwarb es dort und präsentierte es anschließend dauerhaft. Als 1969 eine große Werkschau den Künstler ehrte, wurde das Gruppenbild für ein Ausstellungsplakat sowie auch für zahlreiche Presseartikel verwendet, die darin „ein bezeichnendes Beispiel für Berganders Malkultur und Menschenauffassung“ (Neue Zeit, 22.5.1969) und in der weißen Rose ein „Symbol für Jugend und Hoffnung“ sahen (BZ am Abend, 11.7.1969). Im Zentrum der fünfköpfigen Gruppe nimmt das Mädchen im rosafarbenen Pullover (welcher der Rose fast die Schau stiehlt) eine Blume von dem Jungen im Pullunder entgegen, den Bergander typischerweise als Rückenfigur gemalt hat, und riecht an ihr. Eine gewisse Spannung liegt in der Luft – wie wird sie auf das Blumengeschenk reagieren? Varianten des Motivs zeigen „Flirt II“ (1961, Angermuseum, Erfurt) sowie zwei Drucke (jeweils 1961, Rudolf Bergander – Werkverzeichnis. Handzeichnungen, Aquarelle, Druckgrafik, bearb. v. Waltraut Schumann, Dresden 1978, 1725 und 1726). In der DDR ein populäres Gemälde, geriet „Junge Menschen“ nach der Wende in Vergessenheit. | Sven Haase

Papua-Jünglinge

Papua-Jünglinge

Mit seiner Begleitung der „Medizinisch-demographischen Deutsch-Neuguinea-Expedition“ erfüllte sich für Nolde ein lang gehegter Traum: Nachdem er zuvor die „Kunsterzeugnisse der Naturvölker“ (so der Titel eines unvollendeten Manuskripts Noldes von 1912; Nolde Stiftung Seebüll) im Berliner Ethnologischen Museum/Museum für Völkerkunde studiert hatte, konnte er nun einigen der ihm unbekannten Kulturen im südlichen Pazifik direkt begegnen. Zusammen mit Ada, seiner Frau, erreichte er Ende 1913 Deutsch-Neuguinea. Der Künstler erhoffte sich vor allem neue Bildmotive. Die Szene mit den jungen Inselbewohnern am Strand entspricht seinen Vorstellungen vom unberührten Tropenparadies und konstruiert – beispielsweise in der Darstellung des unbekleideten Hockenden mit Blumen im Haar – eine primordiale Gesellschaft. Tatsächlich jedoch war Noldes Erlebnis vor Ort vom Bewusstsein der fortschreitenden Kolonisierung und Europäisierung geprägt, insbesondere an den Küstenorten. Die Suche nach geeigneten Motiven gestaltete sich als schwierig, und Nolde beklagte wiederholt den allgegenwärtigen Einzug der Zivilisation. Erst als sich die Gelegenheit bot, einen deutschen Kolonialbeamten zu den kaum besiedelten kleinen Nachbarinseln zu begleiten, hatte der Künstler den Eindruck, das wahre Neuguinea kennenzulernen. Auf einer solchen Exkursion fertigte er vermutlich auch eine postkartengroße Farbstiftzeichnung (Nolde Stiftung Seebüll) an, die als Vorlage für sein Gemälde „Papua-Jünglinge“ diente. Die Leinwand-Komposition schuf Nolde im kolonialen Küstenort Käwieng (heute Kavieng), in einem ausgedienten Arresthaus, das dem Künstler als provisorisches Atelier bereitgestellt wurde. Hier übertrug er seine Skizzen auf die Leinwand, mitunter in freier Kombination. Die auf diese Weise entstandenen Gemälde schickte Nolde vor seiner Abreise als separates Gepäck nach Deutschland. Mit Kriegsbeginn beschlagnahmten britische Truppen das Konvolut im Sueskanal. Erst Jahre später erhielt es Nolde zurück. 1930 verkaufte er das Gemälde „Papua-Jünglinge“ an die Kunstsammlungen der Stadt Königsberg, wo es 1937 als „entartete Kunst“ eingezogen wurde. 1951 gelangte es schließlich über Umwege in die Nationalgalerie (Ost). | Aya Soika