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Liegender russischer Bauer

Ident. Nr.: B 408

ObjID: obj:967837

1959 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Ernst Barlach (1870 - 1938),
Künstler*in
Datierung
Herstellung: 1908 (Ausführung in Porzellan nach 1912)
Systematik/Art
Weitere Titel
Sammlungstitel: Liegender russischer Bauer
Übersetzung: Reclining Russian Peasant
Geografische Bezüge
faktischer Entstehungsort: Berlin
Provenienz
Richard Biesel, Stettin,
388833
Nachlass/Vermächtnis: Ulrike und Hans Webisch, Berlin (Inschrift auf Standfläche),
1959
Kauf: Galerie des 20. Jahrhunderts, Berlin (West),
1959–1968
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 15,5 x 33,5 x 18,3 cm
Erwerbung
1959 Ankauf aus der Sammlung Ulrike und Hans Webisch durch das Land Berlin für die Galerie des 20. Jahrhunderts (West)

Objektbeschreibung

Eine erste Fassung der Figur in Holz (WVZ Laur 2006, 132) war 1908 in der Berliner Secession ausgestellt. Es folgten zunächst Ausformungen in Steinzeug, die Barlach jedoch verwarf und nicht in das Werkverzeichnis seines Buches „Ein selbsterzähltes Leben“ von 1928 aufnahm. Die Fassungen in weißem glasiertem Porzellan, die 1912/1913 und noch später in mehreren Auflagen in den Schwarzburger Werkstätten für Porzellankunst in Unterweißbach, Thüringen, entstanden, ließ er dagegen gelten. „Terrakotten habe ich keine andren als die Porzellane, das Weiß, worüber Sie zürnen, ist mir nach langen Versuchen als das erschienen, worin die Form am meisten erscheint. Kalt? Hart – ja! Aber Härte ist Kristall, Form, Schärfe, Unerbittlichkeit, grade was mir für solche kleinen Dinge erwünscht ist. Diese Arbeiten sind […] allein von Cassirer zu bekommen oder von der Fabrik in Unterweißbach“ (Ernst Barlach an den Kunsthändler Friedrich Wilhelm Brass, 18.2.1920, in: Ernst Barlach, Die Briefe I, München 1968, S. 571). Über den Galeristen Paul Cassirer waren verschiedene der zumeist auf Barlachs Russlandreise von 1906 zurückgehenden kompakten Porzellanfiguren auch in anderen Kunsthandlungen im Angebot. „In Russland ist ihm die Wirklichkeit sozusagen schon stilisiert entgegengekommen; er hat die russischen Menschen plastisch gleich begriffen […], die grosse Linie dieser Welt geahnt“ (Karl Scheffler, Ernst Barlach, in: Kunst und Künstler, 8. Jg. [1910], S. 269). Das vorliegende Exemplar aus der Sammlung von Richard Biesel wird um 1921 erworben worden sein, als Barlach das Familiengrabmal Biesel auf dem Stettiner Hauptfriedhof gestaltete (WVZ Laur 2006, 316). | Angelika Wesenberg

Letzte Aktualisierung: 28.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Selbstporträt

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Nur knapp findet die junge Frau Platz auf dem Sockel, ein Ellenbogen, das rechte Knie sowie die Zehen des linken Fußes weisen sogar ein Stück darüber hinaus. Das bekannte Motiv der ruhenden Nymphe, die sich den Betrachter:innen in ihrer ungezwungenen Nacktheit verführerisch darbietet, diente dem Bildhauer Lammert hier sicher als Vorbild. Frauenakte stellten insbesondere um 1930 sein bevorzugtes Sujet in Zeichnung und Plastik dar. Mehrere Varianten existieren von diesem Figurentypus aus jenen Jahren, in denen er mit kräftigen, runden und stark vereinfachten Formen experimentierte, die er massiv und grob ausgeführt hat. Seine Lehre hatte der im westfälischen Hagen zur Welt gekommene Künstler als Stuck-, Holz- und Steinbildhauer begonnen. In seiner Geburtsstadt arbeitete er anschließend für kurze Zeit im Atelier des Bildhauers und Grafikers Moissey Kogan. Mithilfe seines Mäzens, des Industriellensohnes Karl Ernst Osthaus, der auch Kogan unterstützte, konnte der mittellose Lammert ab 1911 durch ein Stipendium an der Kunstgewerbeschule in Hamburg bei dem Jugendstilkünstler Richard Luksch studieren. Während jener Zeit verbrachte er ein Jahr bei Kogan in Paris, wo er auch die Künstler Otto Freundlich und Alexander Archipenko kennenlernte. Vor allem die abstrahierte Formensprache Archipenkos klingt gelegentlich in Lammerts Skulpturen an. 1933 musste der Künstler aus Deutschland fliehen. Viele seiner zurückgelassenen Werke wurden während der Aktion „Entartete Kunst“ zerstört, doch manche von ihnen sind heute durch Aufnahmen des Fotografen Albert Renger-Patzsch bekannt, mit dem Lammert befreundet war. | Anja Pawel

Dünen am Wattenmeer

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Während Kaus vor dem Krieg noch figürlich arbeitete (vgl. „Schleppdampferhafen“, 1931, A II 752; „Mecklenburgische Dorfstraße“, 1932, A II 1062), entwickelte der leidenschaftliche Kolorist nach 1945 eine neue Bildsprache zwischen Figuration und Abstraktion. Landschaften, Architekturen und Innenräume löste er in flächige Formen auf. Er selbst beschrieb seinen künstlerischen Ausdruck rückblickend so: „In meiner Weise besteht ja ein Kunstwerk im Wesentlichen darin, dass es nicht ein direktes Abbild gibt, sondern dass es vielmehr eine Versammlung der besonderen Empfindung ist, hineingebaut durch eine echte Gliederung von Formen und Farbe.“ (zit. nach Max Kaus – Erich Heckel. Eine Künstlerfreundschaft, Ausst.-Kat. Brücke Museum, Berlin, 2015, S. 23f.) Das vorliegende Werk gehört zu einer Reihe abstrahierender Landschaftsgemälde, die auf Reisen des Künstlers an die Nordsee entstanden. Jedoch lassen sie ihr Motiv – in diesem Fall eine Dünenlandschaft auf Amrum – weiterhin erkennen. Die Gemälde, die Kaus letztlich im Atelier ausführte, fußen auf zahlreichen Skizzen, die er während seiner Tage an der See angefertigt hatte. Verschiedene grüngelbe sowie dunkel- und hellviolette Farbflächen dominieren das Gemälde. Ornamental ineinandergreifend, verleihen sie ihm einen expressiven Charakter. Die sich auftürmenden Dünen im Bildvordergrund stehen im Kontrast zu der glatten, überwiegend in hellen Pastelltönen gehaltenen, ruhigen Wasserfläche und des Himmels im Bildhintergrund, wobei beide durch Spiegelungen und Lichtreflexe eng miteinander in Beziehung stehen. | Lisa Hackmann