Logo

Dünen am Wattenmeer

Ident. Nr.: B 63/6

ObjID: obj:959540

1954 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Max Kaus (1891 - 1977),
Künstler*in
Datierung
Herstellung: 1952
Weitere Titel
Sammlungstitel: Dünen am Wattenmeer
Nordseewattenküste (Amrum)
Übersetzung: Dunes at the Wadden Sea
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 80 x 100 cm
Erwerbung
1954 Ankauf von der Galerie Bremer, Berlin, durch das Land Berlin für die Galerie des 20. Jahrhunderts (West)

Objektbeschreibung

Während Kaus vor dem Krieg noch figürlich arbeitete (vgl. „Schleppdampferhafen“, 1931, A II 752; „Mecklenburgische Dorfstraße“, 1932, A II 1062), entwickelte der leidenschaftliche Kolorist nach 1945 eine neue Bildsprache zwischen Figuration und Abstraktion. Landschaften, Architekturen und Innenräume löste er in flächige Formen auf. Er selbst beschrieb seinen künstlerischen Ausdruck rückblickend so: „In meiner Weise besteht ja ein Kunstwerk im Wesentlichen darin, dass es nicht ein direktes Abbild gibt, sondern dass es vielmehr eine Versammlung der besonderen Empfindung ist, hineingebaut durch eine echte Gliederung von Formen und Farbe.“ (zit. nach Max Kaus – Erich Heckel. Eine Künstlerfreundschaft, Ausst.-Kat. Brücke Museum, Berlin, 2015, S. 23f.) Das vorliegende Werk gehört zu einer Reihe abstrahierender Landschaftsgemälde, die auf Reisen des Künstlers an die Nordsee entstanden. Jedoch lassen sie ihr Motiv – in diesem Fall eine Dünenlandschaft auf Amrum – weiterhin erkennen. Die Gemälde, die Kaus letztlich im Atelier ausführte, fußen auf zahlreichen Skizzen, die er während seiner Tage an der See angefertigt hatte. Verschiedene grüngelbe sowie dunkel- und hellviolette Farbflächen dominieren das Gemälde. Ornamental ineinandergreifend, verleihen sie ihm einen expressiven Charakter. Die sich auftürmenden Dünen im Bildvordergrund stehen im Kontrast zu der glatten, überwiegend in hellen Pastelltönen gehaltenen, ruhigen Wasserfläche und des Himmels im Bildhintergrund, wobei beide durch Spiegelungen und Lichtreflexe eng miteinander in Beziehung stehen. | Lisa Hackmann

Letzte Aktualisierung: 28.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Dorfstraße

Dorfstraße

Die „Dorfstraße“ von Michaelson wurde im Oktober 1917 in der 31. Ausstellung der Berliner Secession gezeigt und dort durch den preußischen Staat für die Nationalgalerie erworben. Der Sohn jüdischer Kaufleute hatte bis 1909 Malerei studiert und danach Einflüsse von Edvard Munch und den Brücke-Künstlern verarbeitet. Im April 1914 waren seine Werke in der Berliner Galerie Paul Cassirer zu sehen, bevor Michaelson als Soldat im Ersten Weltkrieg in Russland und Frankreich eingesetzt wurde. Seine dort entstandenen Bilder zeigen den Alltag hinter der Front, etwa Armierungsbataillone, die Straßen zu befestigen hatten. Die in der „Dorfstraße“ mit Schaufel, Spitzhacke und Schubkarre ausgerüsteten Männer in ihren feldgrauen Uniformen gehören zu einer solchen Einheit – sie soll an einem Ortsausgang die Passierbarkeit für Militärtransporte sicherstellen. Der entspannten Situation in der Etappe entsprechen die Haltungen der Männer und ihre weichen Konturlinien. Kontrastierend ragen Wegweiser, Telegrafenmasten und Schornsteine in den Himmel. Bei dem Dorf könnte es sich um das nordfranzösische Lesdins handeln, in dem Michaelson im Februar 1917 eine ähnliche Situation zeichnerisch festgehalten hat („Lesdins“; Privatbesitz). Während die Skizzenblätter präzise Ortsangaben tragen, ist das Gemälde allgemein gehalten. Die Schilder werden von hinten gezeigt und sind nicht lesbar, sie wirken fast wie Grabkreuze über einem Dorf aus Pflastersteinen. Kurz nach dem Kriegsbeginn 1939 emigrierte Michaelson nach Ecuador. | Dieter Scholz

Frauen bei der Weinlese im Karl-Marx-Kolchos Gnadenburg

Frauen bei der Weinlese im Karl-Marx-Kolchos Gnadenburg

Die letzte Station auf seiner Reise durch den Nordkaukasus im Herbst 1940 führte Vogeler zu dem deutschen „Karl-Marx-Kolchos“ in Gnadenburg (heute Winogradnoje). Dieser war 1933 in der seit dem Ende des 19. Jahrhunderts bestehenden deutschen Kolonie gegründet worden. Vogeler fertigte dort Bilder von der Weizenernte an: von der Arbeit auf den Feldern („Ernte in Kabardino-Balkarien“, A III 298) oder der gemeinschaftlichen Pause („Mittagspause der Drescher“, A III 299). Auch die Weinlese gab er in einigen Gemälden wieder. Im Nachlass haben sich zwei Werke von Bäuerinnen im Weingarten erhalten, wobei das eine ein Halbporträt einer Frau darstellt, die eine mit Trauben gefüllte Schürze hält („Bäuerin im Weingarten des Karl-Marx-Kolchos in Gnadenburg“, A III 296). Für das zweite Bild wählte Vogeler einen größeren, nahezu bühnenartigen Ausschnitt, der mehrere Frauen fröhlich und voller Tatendrang bei der Weinlese zeigt („Frauen bei der Weinlese im Karl-Marx-Kolchos Gnadenburg“, A III 295). Mit seinen Darstellungen entsprach Vogeler den Forderungen des Sozialistischen Realismus, was die Kritik begeistert aufnahm. So lobte Alexander Durus (Alfréd Kemény) neben der Perfektion seiner Bilder auch Vogelers Fähigkeit, „die neue freudige Einstellung des Sowjetmenschen zur freien Arbeit tief nachempfunden“ zu haben (Alexander Durus, Weg und Wandlung Heinrich Vogelers, 1940, in: Heinrich Vogeler. Werke seiner letzten Jahre, Ausst.-Kat., Berlin [Ost], 1954, S. 22). Vogeler blieb bis zum Ende seines Lebens ein überzeugter Kommunist, der in der Sowjetunion seine politische wie künstlerische Heimat gefunden hatte, was ihn jedoch gerade zu Zeiten des stalinistischen Terrors zu einer teilweise beklemmenden Konformität führte. Trotz seiner Parteitreue musste der Künstler nach dem Einfall der deutschen Truppen in die Sowjetunion 1941 Moskau verlassen und wurde mit anderen Exilanten im September desselben Jahres nach Kasachstan zwangsevakuiert, wo er unter ärmlichen Bedingungen lebte und im Sommer 1942 starb. | Maike Steinkamp

Bildnis der Großeltern

Bildnis der Großeltern

Nahezu bildfüllend hat der schlesische Künstler Merz seine Großeltern dargestellt. Die einfach gekleideten alten Leute stehen reglos und mit ernstem Blick nebeneinander im Eingangsbereich ihrer Wohnstube, die ein dunkler Eichenschrank dominiert. In gedeckten Farben ist mit großem Realismus alles, von den zerfurchten Gesichtszügen der Eheleute bis zur Struktur des Holzfußbodens, detailgenau erfasst. Studiert hatte Merz vermutlich Ende der 1920er-Jahre an der Breslauer Kunstakademie. Sein „Bildnis der Großeltern“ präsentierte er 1932 auf der Herbstausstellung des Künstlerbundes Schlesiens. Der Kritiker Franz Landsberger lobte es für seinen Detailreichtum: „getreu bis in jede Kleiderfalte“. Ähnlich wie bei Wilhelm Leibl zeige sich das „im deutschen Volkscharakter tief verwurzelte Geblüt, das die Dinge mit unbestechlicher Sachlichkeit und zugleich mit seelenvoller Versenkung in sich aufnimmt und vor dem Betrachter in gelassener Ruhe hinstellt“ (Franz Landsberger, [Bildende Kunst], in: Schlesische Monatshefte [1932], H. 10, S. 367 f). Der Breslauer Museumsverein erwarb das Gemälde aus der Ausstellung für das Schlesische Museum der bildenden Künste, in dem es fortan als Leihgabe hing. Nachdem es während des Krieges ausgelagert war, gelangte es 1954 als „Freundschaftsgeschenk“ der Volksrepublik Polen an die DDR in die Nationalgalerie (Ost). Merz hatte mit seinen Gemälden während der NS-Zeit eine gewisse Anerkennung erhalten: Er beteiligte sich an verschiedenen Ausstellungen und erhielt 1935 das Stipendium der Villa Massimo in Rom. Nach dem Krieg lebte er in Süddeutschland, wo er sich vor allem Landschaftsstudien widmete. | Maike Steinkamp

Tanz um den roten Felsen

Tanz um den roten Felsen

Ende 1918 zählte Melzer in Berlin neben Max Pechstein, Cesar Klein, Georg Tappert und Heinrich Richter-Berlin zu den Gründern der Novembergruppe. Nach Kriegsende setzten die zumeist sozialistisch orientierten Künstler große Hoffnungen in den entstehenden Staat. Auch an dem ähnlich ausgerichteten Arbeitsrat für Kunst beteiligte sich Melzer und forderte in dessen Publikation „Ja!“ 1919: „Nach der Loslösung der politisch dogmatischen Beamtenkirche vom Volksstaate, trete an deren Stelle die aktivistische Religionsform – die Kunst“ (zit. nach Arbeitsrat für Kunst, Berlin, 1918–1921, Ausst.-Kat., Berlin [West], 1980, S. 44). Für Melzer sollten Künstler „die Priester des freien Geistes im Volke“ sein (ebd.). Insofern liegt es nahe, den Titel „Tanz um den roten Felsen“ politisch zu deuten und in dem kubistisch-konstruktivistischen Bild die Feier einer zukünftigen Gesellschaft zu sehen. Wie ein Segel ragt der ziegelrote Felsen aus einer Art Schiffsbug empor, umgeben von Kreisen, die für die Köpfe der Tanzenden stehen. Der im Arbeitsrat für Kunst aktive Architekt und Publizist Adolf Behne sah in dem Gemälde seinerzeit „ein starkes Beispiel für Melzers glänzende Beherrschung aller Wirkungselemente, ein schönes Bild von leuchtender, klingender, bewußt entwickelter Pracht. Hier […] steht Melzers Kunst auf bedeutender Höhe. – Natürlich gehören solche Leistungen in unsere Sammlung moderner Kunst (Kronprinzenpalais), aber leider steht Melzer nicht auf der ganz willkürlich gemachten Liste jener Modernen, die man haben muß“ (zit. nach Moriz Melzer. Zum 80. Geburtstag, Ausst.-Kat., Berlin [West], 1957, S. 50). | Dieter Scholz

Fischerboote am Strand

Fischerboote am Strand

Lothar Lang, der einflussreiche Kunstkritiker der DDR, registrierte 1968 bei einem Besuch in Großpietschs Atelier die „mit naturalistischer Akribie gemalten“ Bilder an den Wänden. Im Gespräch berichtete der alte Maler: „Ich habe mit Grosz und Dix studiert. Mit Grosz, der, wie ich auch, die harte Schule bei Richard Müller durchmachte, war ich vor dem ersten Weltkrieg befreundet“ (Lothar Lang, Curt Großpietsch, in: Die Weltbühne, 11.3.1969, S. 309). Diese Zeit seines Studiums an der Kunstakademie Dresden hatte von 1912 bis 1914 gewährt. Großpietsch entwickelte damals seine betont sachliche Malerei wohl – wie andere Dresdner Künstler auch – in bewusster Abkehr vom Expressionismus. 1914 arbeitete er gemeinsam mit dem Dekorationsmaler Hugo Wilkens an der Ausgestaltung der Kirche auf der Nordseeinsel Pellworm. In diesen Wochen ist vermutlich das in klaren Formen mit kühnen Verkürzungen aufgebaute Bild der drei Fischerboote am Strand entstanden, ein Jugendwerk, noch mit Ungeschicklichkeiten, etwa bei der Wiedergabe der Wellen. Bei Langs Besuch war Großpietsch schon lange nur noch als Zeichner und Karikaturist tätig und bekannt. Nur gut zwanzig Bilder haben sich aus seiner frühen Zeit erhalten. Nach dem Ersten Weltkrieg setzte Großpietsch von 1919 bis 1923 sein Studium als Meisterschüler von Otto Gussmann an der Dresdner Akademie fort. Ende 1923 begann er sich der Grafik zuzuwenden, er schuf erste Holzschnitte und Radierungen und zeichnete, stark von Alfred Kubin beeinflusst, fortan fantastische Szenen und Grotesken. | Angelika Wesenberg

Friedrich Ebert

Friedrich Ebert

Im Jahr 1924 wurde Bednorz an die Breslauer Akademie berufen und trat damit die Nachfolge seines Lehrers, des Bildhauers Albert Werner-Schwarzburg, an. Zeitgleich erhielt er den Auftrag, den ersten Reichspräsidenten der Weimarer Republik, Friedrich Ebert (1871–1925), „nach dem Leben“ zu porträtieren. Bednorz beschrieb den Politiker später als „zurückhaltend, aber natürlich und offen“ (Robert Bednorz, Biographischer Essay, in: Mitteilungen des Beuthener Geschichts- und Museumsvereins, H. 21/22 [1960], S. 108). Der Künstler war ein gefragter Porträtist. Politiker aller Parteien ließen sich gern von ihm wiedergeben; neben der Ebert-Büste schuf er unter anderem Bildnisse des nationalliberalen Politikers und späteren Reichsministers Karl Jarres (1922) und des seit 1922 amtierenden italienischen Staatschefs, des Faschisten Benito Mussolini (1923). Er nahm sich außerdem vor, ein Porträt von Wladimir Iljitsch Lenin nach vorhandenen Vorlagen anzufertigen, wozu es jedoch nicht kam. Selten hat Bednorz die Oberflächen seiner Büsten glatt modelliert. Stattdessen sind sie durch Unebenheiten oder Kanten strukturiert, die den individuellen und expressiven Eindruck der Bildnisse unterstreichen. Der Künstler war vor allem darauf bedacht, dem Charakter einer Person Ausdruck zu verleihen. Die beiden identischen Ebert-Büsten gelangten über unterschiedliche Wege an die Nationalgalerie. Ein Guss (B I 503) wurde 1929 vom Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung angekauft und der Sammlung sogleich übergeben. Das andere Exemplar (B II 9) erwarb der preußische Oberpräsident für das Schlesische Museum der bildenden Künste in Breslau, in dem es bis nach 1945 blieb; 1953 schenkte es der polnische Staat der DDR. Während der deutschen Teilung befanden sich beide Büsten in Ost-Berlin. | Emily Joyce Evans

Betender Mann (Studie)

Betender Mann (Studie)

Ein religiöses Motiv, das Spiel mit dem Hell-Dunkel-Effekt, dazu eine für Strempel fast überbordende Farbigkeit – das Gemälde „Betender Mann“ steckt voller Referenzen auf die Kunstgeschichte. Dabei ist die Darstellung sehr reduziert: Nackt und auf sich selbst zurückgeworfen kniet die Figur auf dem Boden, ihr Blick und die gefalteten Hände sind zum Himmel gerichtet. Bis auf eine schemenhafte Erhebung im Hintergrund, die als brennende Ruine gedeutet werden könnte, liefert das Bild keinen Kontext. Die Umgebung scheint hinweggefegt zu sein, das knallige Grün wirkt apokalyptisch. Kein Engel erscheint, um Hoffnung zu verbreiten, wie das etwa beim „Betenden Hiob“ in Marc Chagalls Lithografie-Zyklus aus den 1950er-Jahre der Fall ist. Dennoch sucht der Protagonist sein Heil in der Religiosität und betet zu Gott. Gleichwohl dringt der Expressionismus aus jeder Faser des Werkes, nicht nur durch den Stil, die grellen Töne oder die flächige Gestaltung. Sichtbar wird der Bezug vor allem in der starken Gebärde und dem Ausdruck des Betenden, der zwar Ausweglosigkeit verkörpert, aber doch auch aufbegehrt. Das Bild und seine Entstehung hängen zeitlich und inhaltlich mit Strempels „Nacht über Deutschland“ (A III 257) zusammen. Doch gehen die Ausführung der Figur und ihre Geste über eine Studie für jenes Hauptwerk hinaus. Der Künstler hat hier ein eigenständiges Gemälde geschaffen, was der etwas spätere Linolschnitt „Der Bettler (Hiob)“ (Privatbesitz) mit verwandtem Sujet verdeutlicht. | Sven Haase